Erbschaft – Pflichtteil und Sonderfälle

Erbschaft – Pflichtteil und Sonderfälle
7. Jun 2016

von Suitbert Monz

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Die nächsten Angehörigen stehen in der Erbfolge immer an erster Stelle. Selbst im Falle einer Enterbung erhalten sie einen Pflichtteil der Erbschaft. Die Erbberechtigten vollständig zu enterben, ist nur in gesetzlich festgelegten Sonderfällen möglich. Im

Als nächste Angehörige gelten in der Regel der Ehepartner bzw. der Partner einer eingetragenen Lebensgemeinschaft oder die eigenen Kinder bzw. Eltern, sofern der Erblasser selbst keine Kinder hat. Sie sind berechtigt, die Erbschaft zu erhalten.

Berliner Testament

Ein Berliner Testament ersetzt den Pflichtteil nicht. In diesem Fall setzen sich die Ehegatten gegenseitig zu Erben ein. Erst wenn beide Eltern verstorben sind, werden die Kinder in ihrer Erbfolge berücksichtigt.

Die Kinder sind somit beim Tod des erstversterbenden Ehegatten quasi zunächst enterbt, könnten aber grundsätzlich nach den gesetzlichen Regeln Ihren Pflichtteil einfordern.

Gründe für die Entziehung des Pflichtteils

Mit einer entsprechenden Formulierung kann im Testament festgelegt werden, dass der per Gesetz zunächst Erbfolgeberechtigte enterbt werden soll. Hierzu bedarf es keiner Angabe von Gründen. Er kann entweder explizit ausgeschlossen werden, indem geäußert wird: „Meine Frau soll mich nicht beerben.“ oder indem ein anderer Alleinerbe eingesetzt wird. In diesem Fall sind alle anderen Erbberechtigten automatisch enterbt.

Allerdings steht den Angehörigen dann immer noch der gesetzliche Pflichtteil zu, der sich unterschiedlich zusammensetzt. Diesen auch noch zu entziehen ist deutlich schwieriger und muss ausführlich begründet werden. Gesetzlich anerkannte Gründe gehen meist mit Straftaten einher: Vollständig enterbt werden kann nur, wer dem Erblasser oder einem seiner Angehörigen nach dem Leben trachtet, sich ansonsten schweren Verbrechen schuldig macht, zu mindestens ein Jahr Freiheitsstrafe verurteilt wurde oder seine Unterhaltspflicht gegenüber dem Erblasser verletzt hat.

Den Pflichtteil strategisch verringern

Liegen keine solchen Gründe vor und sollen die Erbfolgeberechtigten trotzdem enterbt werden, gibt es die Möglichkeit, den Pflichtteil zu verringern und gegebenenfalls ganz zu umgehen. In diesem Fall kann zu Lebzeiten das Erbe strategisch verringert werden, indem beispielsweise Schenkungen vorgenommen werden. Das ist etwas aufwändiger, denn je länger eine Schenkung vor dem Erbfall zurückliegt, desto weniger wird sie bei einer Anrechnung berücksichtigt.

Das bedeutet: Findet die Schenkung ein Jahr vor dem Todesfall statt, wird sie noch zu 100 Prozent dem Pflichtteil angerechnet. Danach verringert sich der Anteil um je 10 Prozent pro Jahr, sodass eine Schenkung, die zehn Jahre vor dem Erbfall erfolgt ist, gar nicht mehr angerechnet wird. Der gesetzlich Erbfolgeberechtigte geht demnach leer aus und kann keinen Pflichtteilergänzungsanspruch mehr stellen.

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Erbschaft – Pflichtteil und Sonderfälle
Suitbert Monz

R+V Social Media Manager, bloggt über Online-Marketingmaßnahmen, soziale Netzwerke und über das Social Media Konzept des Unternehmens.

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