Fragen zur Gesundheit: Depression (Teil 2)

Fragen zur Gesundheit: Depression (Teil 2)
12. Jan 2017

von Suitbert Monz

1

Den Umgang mit einer psychischen Erkrankung führt nicht jeden Betroffenen automatisch in die Öffentlichkeit. Wie uns Uwe Hauck aus Schwäbisch Hall im ersten Teil des Blogartikels berichtete, hat er für sich hier einen ganz persönlichen Weg gefunden.

Herr Hauck, in der Zwischenzeit hat sich Ihre Kommunikation zu der Erkrankung immer weiterentwickelt. Wie haben Sie das Thema weitergeführt?

Ich habe mich entschlossen, weiterhin und insbesondere mit dem Fokus auf Medien offensiv mit dem Thema umzugehen. Die TV Dokumentation ZDF 37 Grad und der Vortrag zu Social Media und Depression in Berlin auf der Konferenz re:publica16 sind nur ein Teil. Ich bin mittlerweile Mitglied der deutschen Depressionsliga e.V., einem Verein, der sich insbesondere für die Belange depressiver Menschen einsetzt.

Inzwischen interessiert sich die Presse vermehrt für meinen Umgang mit der Depression, so dass es schon einige Interviewanfragen und Talkshow-Angebote gibt. Ich werde auf jeden Fall weiter versuchen, das Thema Depression als psychische Krankheit, die behandelbar ist, im öffentlichen Bewusstsein zu halten. Leider ist es immer noch oft ein Tabuthema, das nur kurz ins öffentliche Blickfeld gerät, wenn ein Prominenter betroffen ist, danach aber schnell wieder vergessen wird. Hier will ich weiter Aufklärungsarbeit leisten.

In diesen Tagen erscheint Ihr erstes Buch „Depression abzugeben“, in dem Sie den Weg Ihrer Krankheit und Ihre Erfahrungen verarbeitet haben. Ein Meilenstein in der Bewältigung Ihrer Krankheit oder der Einstieg in ein Leben als Schriftsteller und Autor!?

Mit dem Buch bin ich ja per definitionem zum Autor geworden. Ich nutze diese Sichtweise, um für mich persönlich meine Lebensprioritäten anders darzustellen. Auf jeden Fall war das Schreiben über meine Erkrankung und die Klinikaufenthalte für mich auch befreiend, eine Art Therapie. So war ich stets gezwungen, das Erlebte nochmals zu reflektieren.

Ein Leben als Autor ist für mich nichts, was alleine trägt, weil man vom Autorentum meist nicht wirklich leben kann. Aber ich werde für mich den Blick auf das, was mir wichtig ist und damit wieder mehr aufs Schreiben, verlagern. Das hilft mir auch, mit meiner Krankheit besser umzugehen, da ich hier den Druck und den Stress selbstbestimmter regulieren kann. Auch war die kreative Betätigung schon in den Kliniken etwas, das mir neben den Therapiegesprächen am meisten gebracht hat.

Sowohl meine Visitenkarte als auch meine Online Profile titulieren mich jetzt als Autor. Das ist für mich Mittel, um meinen eigenen Blick auf mich und die Dinge, die mir wichtig sind, nachhaltig zu verändern.

Wie soll es nach dem ersten Buch weitergehen? Wird es eine Fortsetzung geben?

Fragen zur Gesundheit Depression (R+V Unternehmensblog)Ich arbeite gerade bereits an der Fortsetzung dessen, was in Band eins bis zum Beginn der beruflichen Wiedereingliederung führte und dort quasi als „Cliffhanger“ endete. Ob der Verlag daran Interesse hat, wird wohl auch vom Erfolg des ersten Bandes abhängen. Da gebe ich mich keiner Illusionen hin. Ich hoffe aber, dass es einen zweiten Teil geben wird. Die Geschichte geht weiter und dürfte auch heute noch für viele interessant sein.

Parallel arbeite ich aber an anderen Buchprojekten. Ich gehe davon aus, dass „Depression abzugeben“ nicht das letzte Buch von mir sein wird. Zudem wird mein Blog auch weiterhin mein Begleiter in der Bewältigung meiner Krankheit sein. Auch dient mir das Blog zur Dokumentation dessen, was aus der Öffentlichkeit resultiert, in die ich mich gewagt habe. Man hat mich gewarnt, mit der TV Doku und dem Buch würde ich zu einem „Gesicht der Depression“. Mag sein, aber wenn das dabei hilft, psychische Krankheiten zu entstigmatisieren, dann nehme ich das nur zu gerne in Kauf.

Und wie geht es Ihnen heute nun gesundheitlich? Gelingt es Ihnen, die Depression zu beherrschen und unter Kontrolle zu halten?

Heute habe ich die Depression besser im Griff oder wie ich einmal gesagt habe: „Ich habe aufgehört zu existieren und wieder begonnen zu leben“. Mir ist natürlich klar, dass es immer wieder dunkle Momente geben wird oder Panikattacken mich möglicherweise aus der Bahn werfen. Aber ich kenne meinen Gegner und die Waffen, die im Kampf gegen ihn helfen. Und ich achte vermehrt auf mich und was mir guttut. Eine Depression ist nichts, was mit ein paar Therapiesitzungen oder Klinikaufenthalten vorbei ist. Aber es ist etwas, das man mit guter Hilfe im Lauf der Zeit in den Griff bekommt, so dass ich mittelfristig wieder ein sehr viel glücklicheres Leben führen kann, als in den tiefen und sehr hoffnungslosen Depressions- und Angstepisoden.

Herr Hauck, wir danken Ihnen sehr für das interessante und offene Gespräch! Alles Gute für Ihre Gesundheit und viel Erfolg auf dem neuen Weg.

Schlagworte
empfehlen
empfehlen
Das könnte Sie auch interessieren
Autor
Fragen zur Gesundheit: Depression (Teil 2)
Suitbert Monz

R+V Social Media Manager, bloggt über Online-Marketingmaßnahmen, soziale Netzwerke und über das Social Media Konzept des Unternehmens.

Alle Artikel des Autors
Kommentare

Fragen zur Gesundheit: Depression (Teil 1) - R+V BlogR+V Blog / http://www.ruv-blog.de/fragen-zur-gesundheit-depression/

09:08 12.01.2017

[…] zweiten Teil des Interviews berichtet Herr Hauck, wie sich die Öffentlichkeit des Themas weiterentwickelt hat und wie daraus […]

Fragen zur Gesundheit: Depression (Teil 2) Suitbert Monz

11:20 12.01.2017

Übrigens verlosen wir auf unserer Facebook-Seite gerade zehn Exemplare des Buchs von Uwe Hauck: https://www.facebook.com/ruv.de/posts/10155780661073508
Viel Glück!