Kia ora Aotearoa – willkommen zurück in Neuseeland! (Teil 2)

Kia ora Aotearoa – willkommen zurück in Neuseeland! (Teil 2)
22. Mrz 2016

von Dr. Markus Berneiser

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Letzte Woche habe ich schon von meiner Rückkehr nach Neuseeland erzählt und meine Eindrücke der Landwirtschaft geschildert. In dieser Fortsetzung berichte ich über Umweltschutz, wie sich die Landwirtschaft entwickelt hat und das Wiedersehen mit meiner Farmerfamilie verlief.

Neuseeland hat sich zum Exportweltmeister von Milchprodukten entwickelt. Die Molkereigenossenschaft Fonterra Co-operative Group ist nicht nur das größte Unternehmen Neuseelands, sondern führt auch die Rangliste der weltgrößten Milchindustrie-Unternehmen an. Dies ist deshalb so bemerkenswert, weil sich die Milchviehhaltung vor allem unter freiem Himmel abspielt. Neuseeland nimmt somit eine Sonderstellung im internationalen Vergleich ein.

schafNeben wirtschaftlichen Reformen sowie der Anpassung der Produktion an die neuen Absatzmärkte profitieren Neuseelands Farmer insbesondere von ihren vorzüglichen natürlichen Standortbedingungen. Während die Milcherzeugung in Europa durch hohe Produktionskosten wie Stall-, Energie-, Kraftfutterkosten belastet ist, fallen diese Kosten in Neuseeland nur in geringem Umfang an. Auch die Arbeitskosten sind bei vielen Dairy Farmern geringer, weil sie aufgrund der vergleichsweise geringen Milchleistung dazu über­gegangen sind, nur einmal täglich zu melken.

Nachholbedarf im Umweltschutz

küheEs ist aber nicht alles positiv in Aotearoa, denn in puncto Umweltschutz liegt einiges im Argen. So konkurrieren Bevölkerung und Landwirtschaft um Wasserressourcen, die Milch­viehhalter sind als ein Hauptverursacher beim Methanausstoß identifiziert und die ganzjährige Weidehaltung erhöht die Stickstoffeinträge in Oberflächen- und Grundwasser. Auch um das saubere Image und damit den Tourismus nicht zu gefährden, haben Regierung, Behörden und Milchwirtschaft Maßnahmen eingeleitet, um die Umweltbedingungen zu verbessern.

Wiedersehen mit meiner Farmerfamilie

An Neujahr war es schließlich so weit. Wir hatten uns bis auf die Südinsel in die Nähe von Christchurch‚durchgearbeitet‘ und besuchten meine Farmer, die ich seit meinem zweiten Besuch 1994 nicht mehr gesehen hatte. Zwar hatten wir die letzten zwanzig Jahre nur Mailkontakt, aber dennoch war es so, als hätten wir uns nur kurze Zeit nicht mehr gesehen. Natürlich sind alle ein bisschen älter geworden und es sind ein paar neue Familienmitglieder hinzugekommen, aber ansonsten war alles wie immer und wir hatten einen tollen Tag mit Barbecue, kaltem DB Draught und einer leckeren Pawlova zum afternoon tea.

Mir war es zwar bekannt, doch war es vor Ort neu, dass sie mittlerweile eine andere Farm bewirtschaften. Die Farm meines Praktikums haben sie vor 18 Jahren verkauft. Zwi­schenzeitlich war Murray in der Immobilienbranche tätig und arbeitete auf anderen Farmen. Ihre jet­zi­ge, deutlich kleinere Farm (46 Hektar) haben sie vor 15 Jahren erworben. Sie haben mit Acker­bau und Färsenaufzucht ihre Betriebszweige so gewählt, dass sie auch weiterhin außerhalb der Landwirtschaft tätig sein können. Hierin zeigt sich ein wesentlicher Charakterzug der Kiwis: Sie sind flexibel, mobil, offen und wenn nötig oder möglich, zu einem klaren Schnitt bereit.

Was mir sonst noch auffiel

Es ist voller geworden in Neuseeland. Nicht nur die Bevölkerung ist gewachsen, auch die Zahl der Touristen hat seit den 1990ern stark zugenommen. Mittlerweile sind es mehr als 2,5 Mio. Besucher jährlich. Eine nicht unbedeutende Gruppe bilden junge Leute, die nach dem Abitur eine Auszeit als ‚Work and Traveller‘ oder ‚Au Pair‘ einlegen. Die Infrastruktur (Übernachtungsmöglichkeiten, Freizeit- und Adventureangebote) wurde deutlich ausgebaut und professionalisiert, ohne dass das Land an Liebreiz verloren hat. Mit anderen Worten: Neuseeland ist immer eine Reise wert. Auch ein viertes Mal!? 🙂

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Kommentare

Kia ora Aotearoa – willkommen zurück in Neuseeland! (Teil 1) - R+V BlogR+V Blog / http://www.ruv-blog.de/landwirtschaft-neuseeland-teil-1/

09:39 22.03.2016

[…] Eine fortsetzung lesen Sie im zweiten Teil des Artikels. […]