Liebe am Arbeitsplatz: Knistern in der Kaffeeküche

Liebe am Arbeitsplatz: Knistern in der Kaffeeküche
14. Feb 2017

von Katharina Zehner

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Beziehungen am Arbeitsplatz sind keine Seltenheit. Sie kommen sogar häufig vor. Verbieten kann der Arbeitgeber Liebe am Arbeitsplatz nicht, manche tolerieren sie aber nicht, aus einem uns allen gut bekannten Grund: ist alles gut in der Beziehung, macht auch die Arbeit Spaß. Wenn nicht, leidet sie darunter – und das bei Paaren im Betrieb gleich doppelt.

In Deutschlands Kaffeeküchen knistert es ordentlich: jeder Dritte Beschäftigte war schon mal am Arbeitsplatz liiert. Die Hälfte der Deutschen findet das völlig in Ordnung.

Zu diesen Ergebnissen kommt die Jobsuchmaschine Jobrapido in einer Online-Umfrage im Januar 2017, an der 370 Community-Mitglieder des Dienstleisters teilgenommen haben. Liebe kann motivieren, aber auch ablenken. Ist eine Beziehung unter Kollegen gut oder schlecht? Wir haben nachgefragt.

Liebe am Arbeitsplatz ist erlaubt

Bei Dr. Sandra Flämig, Fachanwältin für Arbeitsrecht in Stuttgart. „Liebe am Arbeitsplatz darf sein, das bestimmt das Persönlichkeitsrecht.“ Aus juristischer Sicht werden Beziehungen im Beruf erst dann problematisch, wenn sie den Betriebsfrieden stören.

„Das ist der Fall, wenn einer der Partner von anderen bevorteilt und Kollegen damit benachteiligt werden.“ Bei Dienstreisen, Gehaltserhöhungen oder dem Urlaub. Mitunter schadet es einer Führungskraft – ob Mann oder Frau – wenn sie mit einem Mitarbeiter ein Verhältnis hat.

„Das Vertrauen in diesen Vorgesetzten leidet darunter.“ Flämig rät auf all die kritischen Situationen, die durch eine Liebe am Arbeitsplatz entstehen, mit gesundem Menschenverstand zu reagieren, anstatt gleich mit der juristischen Keule zu drohen. „Mit einer Versetzung in eine andere Abteilung lässt sich das Problem auch lösen, ohne dass man gute Mitarbeiter verliert.“

Schöne Gefühle motivieren

Für Dr. Tim Hagemann hat Liebe am Arbeitsplatz dann negative Folgen, wenn sie in einer Trennung endet oder sie über Hierarchien geht. „Wenn Vorgesetzte nicht mehr neutral sind, wird es für das Team problematisch.“

Hagemann ist Professor für Arbeits-, Organisations- und Gesundheitspsychologie an der Hochschule der Diakonie in Bielefeld. Bei einer Trennung rät er ebenfalls zur Versetzung. „Grundsätzlich aber ist Liebe etwas Schönes, ein Gefühl das motiviert und Menschen beflügelt.“

Verliebte gehen lieber zur Arbeit und das gute Gefühl verstärkt sich, wenn sie sich am Arbeitsplatz sehen. In den USA werden Partnern neuer Mitarbeiter ebenfalls Stellen angeboten. „Bei uns ist so etwas verpönt, schnell ist dann von Vetternwirtschaft die Rede.“ Hagemann findet es nicht schlimm, wenn Paare zusammen arbeiten.

Zusammen arbeiten ist ein Beziehungskiller

Jutta Boenig schon. „Wenn ein Paar in derselben Firma arbeitet, ist die Gefahr groß, dass geschäftliches Gesprächsthema Nummer eins ist.“ Das sei ein Beziehungskiller. Boenig ist Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Karriereberatung, in Überlingen am Bodensee hat sie ihr eigenes Unternehmen.

Sie ist Karriereberaterin und Coach. „Unternehmen wollen keine Beziehungen am Arbeitsplatz.“ Das sei ein ungeschriebenes Gesetz, die Firmen sehen die Gefahr geringerer Arbeitsleistung, wenn zwei Mitarbeiter nur noch Augen füreinander haben. Auch Tuscheln und Tratschen der Kollegen über die Turteltäubchen kostet Arbeitszeit. „Weil es im Job aber menschelt, passiert es dennoch häufig.“

Die Konstellation macht den Unterschied

Sie kennt aus der Praxis viele Spielvarianten. Vorgesetzter und Mitarbeiterin ist der Klassiker. „Wenn eine solche Beziehung zerbricht, verlässt meist die Frau das Unternehmen.“

Viel schwieriger sei die Konstellation, wenn die Frau die Vorgesetzte ist. „Männer versuchen rational zu handeln und ihren Job nicht so leicht aufzugeben.“ In dem Fall drohen härtere Auseinandersetzungen am Arbeitsplatz.

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Liebe am Arbeitsplatz: Knistern in der Kaffeeküche
Katharina Zehner

Mitarbeiterin Personalmarketing; bloggt über Personal- und Karrierethemen im Allgemeinen sowie Berufsbilder und Hinter den Kulissen Eindrücke bei der R+V.

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