Vernetzt in jedem Alter: SmartHome für Senioren

Vernetzt in jedem Alter: SmartHome für Senioren
13. Apr 2016

von Suitbert Monz

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Gestatten, ich bin PAUL, Pfleger, Einkaufsberater, Weckdienst, Stromsparer, Wachmann und Unterhalter. Und das Beste ist, ich rede nur, wenn ich gefragt werde oder es unbedingt sein muss. Denn ich bin ein ausgeklügeltes SmartHome-System für Senioren. Eigentlich heiße ich ja „Persönlicher Assistent für unterstütztes Leben“, aber ehe man diesen Namen ausspricht, ist die Milch auf dem Herd schon übergekocht.

Wer war nochmal Paul? Entwickelt wurde ich in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Kaiserslautern speziell für Senioren, die so lange wie möglich in ihrem eigenen Haus wohnen bleiben möchten, obwohl die Bewältigung des Haushalts-Alltags zunehmend schwerer wird.

Denn wenn hin und wieder vergessen wird, ob das Bügeleisen und der Herd ausgeschaltet oder die Tür wirklich verschlossen ist, reicht ein Klick und ich überprüfe alles. Im Notfall rufe ich sogar den Krankenwagen, sollte sich meine betreute Person für einen festgelegten Zeitraum nicht bewegen.

Für jedes Alter: Intelligentes und sicheres Wohnen

Da mittlerweile mehr als ein Viertel der Bevölkerung 60 Jahre und älter ist, entsteht ein großer Markt für die „Ambient Assisted Living“-Systeme (AAL) wie mich. Also elektronische altersgerechte Assistenzsysteme, die Senioren ein langes selbstbestimmtes Leben in der eigenen Wohnung oder Haus ermöglichen.

Im Unterschied zu meinen Kollegen wie „easierlife“, casenio oder eine der anderen zahlreichen SmartHome-Apps fürs Smartphone, gibt es mich in drei verschieden Ausbaustufen – je nach persönlichem Bedarf und Notwendigkeit.

Ein Paul für alle Fälle

ipad_seniorIn der ersten Stufe PAULo gewähre ich über ein spezielles Tablet Zugriff auf ein regional unterschiedliches und individuell einstellbares Dienstleistungsangebot, inklusive schwarzen Brett zum Versand von Nachrichten an andere PAUL-Nutzer. So, dass trotz eingeschränkter spontaner Mobilität Spieleabende oder andere Veranstaltungen veröffentlicht werden können und Senioren trotz des Lebens in der eigenen Wohnung aktiv am sozialen Leben teilhaben können.

Und hat man keine Lust woanders hin zu gehen, schaltet man einfach die Videotelefonie ein und staunt darüber, wie groß die Enkelchen doch wieder geworden sind.

Gemeinsam ist allen „Ausbaustufen“ ein PAUL-Tablet, das in großen Schriftzeichen intuitiv und somit sehr einfach zu bedienen ist. Ähnlich einer Universalfernbedienung lassen sich hierüber viele elektronische Geräte steuern. Einzige Voraussetzung ist eine Internetverbindung von 6.000 kbit/s und ein Vertrag mit einem Rettungsdienst, für den in der Regel monatliche Gebühren zu zahlen sind.

Ganz preiswert bin ich nicht und koste in der ersten Ausbaustufe knapp 2.000 Euro. Für weitere Ausbaustufen und die damit verbundenen Bewegungsmelder und Sensoren für Fenster und Türen entstehen weitere Kosten. Eine Kombination mit vorhandenen SmartHome-Systemen ist jedoch im Einzelfall möglich.

Direkter Draht zum Notdienst

In Stufe zwei, PAULa, analysiere ich den Tagesablauf meines Seniors und schlage Alarm, wenn dieser unüblich inaktiv ist. Aber keine Angst vor einem Fehlalarm, ich bin offen für spontane Nickerchen und lasse mich problemlos wieder ausschalten. Werde ich jedoch nicht gehindert, verständige ich den Notdienst und die Angehörigen.

In meiner letzten und somit kompletten Ausbaustufe laufe ich zur Höchstform auf und ähnle einer Hausanlage in einem Science-Fiction-Film. Ich kontrolliere dann nämlich das komplette Stromnetz der Wohnung oder steuere auch nur einzelne Elemente, wie Rollläden, Steckdosen, Lampen, Herdplatten und sogar Fenster. Die Haustür überwache und öffne ich dabei nicht nur über Video, sondern zeichne auch auf, wer geklingelt hat, während mein Senior nicht zu Hause war.

Keine Zuschüsse aus der Pflegekasse

Zwei Wermutstropfen gibt es leider. Zum einen gibt es im Rahmen der Pflegestufe keinerlei Zuschüsse und zum anderen gibt es mich nicht überall alleine: Ist in meiner Nähe noch keinen Paul-Standort, braucht es mindestens zehn andere Interessenten, damit hilfsbedürftige Personen meine Dienste in Anspruch nehmen können. Denn ich funktioniere nur als Teil einer komplexen Hausanlage und bin zudem vom regionalen Dienstleistungsangebot abhängig.

Apropos Abhängig, so gerne ich Anderes behaupten würde, müssen in der Wohnung natürlich die technischen Voraussetzungen geschaffen werden, damit ich alles steuern kann, einschließlich Sicherheitsmaßnahmen, damit kein Fremder Zugriff auf mich und meine Kollegen hat. Denn dann würde aus dem Science-Fiction-Film ganz schnell ein Horrorstreifen werden.

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Vernetzt in jedem Alter: SmartHome für Senioren
Suitbert Monz

R+V Social Media Manager, bloggt über Online-Marketingmaßnahmen, soziale Netzwerke und über das Social Media Konzept des Unternehmens.

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