Vogelgrippe weitet sich aus – was können Landwirte tun?

Vogelgrippe weitet sich aus – was können Landwirte tun?
8. Feb 2017

von Dr. Markus Berneiser

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In diesem Winter breitet sich die Vogelgrippe, Geflügelpest bzw. Aviäre Influenza massiv aus. Seit mehr als zwei Monaten besteht nahezu bundesweit Stallpflicht für Geflügel. Dennoch kommt es immer wieder zu neuen Ausbrüchen des gefährlichen und hochinfektiösen Vogelgrippe-Erregers der sogenannten H5-Gruppe.

Was das für Landwirte bedeutet und wie die Tiere geschützt werden können, erfahren Sie im Beitrag.

Bislang schwerste Vogelgrippewelle in Deutschland

„Die Geflügelpest ist seit 1878 in Europa bekannt. Eine Epidemie mit diesem jetzigen Umfang hat es seitdem in Deutschland nicht gegeben“, stellte Prof. Thomas Mettenleitner, Präsident des Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit (FLI), im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ fest. Nahezu täglich treten weitere Fälle in Nutztierhaltungen auf. Bislang ist die Vogelgrippe in mehr als 40 Nutztierhaltungen ausgebrochen. Hunderttausende Tiere sind in der Folge verendet und getötet worden.

Nach Einschätzung des FLI-Experten ist das Abflauen des Infektionsgeschehen derzeit nicht absehbar. Prof. Mettenleitner: „Eine Prognose wäre Kaffeesatzleserei. Fest steht: Es gibt keinen Grund für eine Entwarnung.“ Die aktuelle Risikoeinschätzung des FLI lässt sich im PDF nachlesen.

Ende Januar wurde in einem norddeutschen Putenbetrieb zum ersten Mal in Europa ein neuer aggressiver Virus-Subtyp (H5N5) nachgewiesen. Dieser Subtyp ist ähnlich virulent wie H5N8. Beide Typen sind für Geflügel tödlich; auf Menschen ist bislang noch keine Übertragung bekannt.

Wie der Eintrag des Vogelgrippe-Virus in die Geflügelställe erfolgt, ist nicht abschließend geklärt. Ein möglicher Einschleppungsweg ist Einstreu – Stroh, das mit Vogelkot belastet ist. Weitere Eintragsmöglichkeiten sind Lüftungsanlagen, die eine Verbindung zur Außenluft haben, sowie kontaminiertes Schuhwerk. Augenscheinlich sind Putenhaltungen verstärkt betroffen. Die Tiere sind besonders empfänglich für den Erreger – ihre Mortalität ist besonders hoch.

Welches sind Auswirkungen der Vogelgrippe?

Die Geflügelpestwelle hat für Geflügelhalter erhebliche organisatorische Auswirkungen. Am stärksten betroffen sind Erzeuger von Bio- und Freiland-Eiern, die für die Einstallung ihrer Tiere meist nicht vorhandene Stallkapazitäten schaffen müssen.

Auch auf die Vermarktung der Eier wirken sich die angeordneten Maßnahmen nachteilig aus. Nach Ablauf einer 12-Wochen-Frist dürfen Eier von eingestallten Hühnern nicht mehr mit Freiland deklariert werden. Die Eier können nur noch als Eier aus Bodenhaltung verkauft werden. Damit fehlt Geflügelhaltern die einkalkulierte Erlösspanne zur Freilandhaltung. In Verbindung mit Mehrkosten hat das erhebliche wirtschaftliche Einschnitte zur Folge.

Noch gravierender sind die Folgen für Betriebe, die von der Seuche betroffen sind. In solchen Fällen müssen die Tiere getötet werden, der Betrieb wird gesperrt und es entsteht ein erheblicher Betriebsunterbrechungsschaden. Aber auch benachbarte Geflügelhaltungen unterliegen  Einschränkungen. Denn um den Seuchen-Betrieb herum werden Sperr- und Beobachtungsgebiete eingerichtet, in denen Tiertransporte untersagt sind. Folge: Die Produktionsabläufe werden nachhaltig gestört oder kommen gar zum Erliegen.

Risikoeinschätzung, Vorbeugung und Bekämpfung

Nach Ansicht des FLI ist Deutschland bei der Bekämpfung der Epidemie gut aufgestellt. Die Kombination aus Aufstallpflicht und Schutzmaßnahmen hat sich bewährt. Die Wirksamkeit steht und fällt jedoch mit der Disziplin der Geflügelhalter, sämtliche Hygienemaßnahmen einzuhalten, um Einschleppungen in den Stall und die Weiterverbreitung zu verhindern. Dies gilt ausdrücklich auch für Hobby-Geflügelhalter. Prof. Mettenleitner:  „Die meisten handeln hier sehr gut. Aber: Es gibt Betriebe, bei denen sehr deutlicher Verbesserungsbedarf besteht.“ In letzter Konsequenz lässt sich jedoch kein Stall hermetisch abriegeln und es besteht immer ein Restrisiko.

Wie sich Landwirte vor finanziellen Schäden durch Geflügelpest absichern können, erfahren Sie im SchadenABC.

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