War of Talents – Fakt oder Fiktion?

War of Talents – Fakt oder Fiktion?
7. Mrz 2016

von Katharina Zehner

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Glaubt man den Prognosen der Demografen, dann könnten sich alle jungen Leute heute ganz entspannt zurücklehnen und auf goldene Zeiten am Arbeitsmarkt vertrauen. Erstens tun sie das aber nicht, und zweitens wäre es falsch.

Das vergangene Jahr war ein Rekordjahr für den deutschen Arbeitsmarkt. Mit rund 43 Millionen gab es so viele Beschäftigte wie noch nie, teilt das Statistische Bundesamt mit. Auf einem Rekordniveau lag Ende 2015 auch die Zahl der offenen Stellen. Wer eine Stelle sucht, hat zurzeit reichlich Auswahl.

Der Arbeitsmarkt ist ein Markt wie jeder andere auch. Er regelt sich über Angebot und Nachfrage. Bei großem Angebot sind die Unternehmen in der besseren Situation, bei hoher Nachfrage entscheiden Arbeitnehmer, für wen sie arbeiten wollen.

Kleine und mittlere Unternehmen müssen sich mühen

Beliebt sind grundsätzlich bekannte, große und international tätige Unternehmen in Ballungsregionen, allen voran die vier Automobilhersteller in Deutschland. Diese ziehen Absolventen magisch an. Das zeigen Studien des Marktforschungsinstituts trendence, Berlin. Mittelständler sowie kleine und mittlere Unternehmen hingegen müssen sich um Kandidaten bemühen.

Das sind die Rahmenbedingungen, die derzeit auf dem Arbeitsmarkt herrschen. Manche sagen dazu „War of Talents“.

Glaubt man den demografischen Prognosen, dann wird sich der Kampf um die klugen Köpfe in den kommenden Jahren deutlich verschärfen. Der Grund sind sinkende Geburtenraten: Laut dem Hamburger Weltwirtschaftsinstitut hat Deutschland die niedrigste Geburtenrate der Welt. Rechnet man die Zahlen in die Zukunft, ergeben sich Prognosen wie: „Deutschland geht der Nachwuchs aus.“ Nachzulesen im Internet mit wechselnden Substituten für das Wort Nachwuchs.

Demografische „Apokalypse“ blieb bislang aus

Die demografische Diskussion ist seit dem 19. Jahrhundert eine Wissenschaft der Angst, die das Ende der Deutschen predigt, schreibt Professor Thomas Etzemüller in seinem Buch ‚Ein ewigwährender Untergang. Der apokalyptische Bevölkerungsdiskurs im 20. Jahrhundert‘. Eingetroffen seien die düsteren Prognosen bislang nie. Etzemüller ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Oldenburg.

Glaubt man der errechneten Apokalypse durch den demografischen Wandel, hätten alle jungen Leute eine tolle berufliche Zukunft.

Kein grundsätzlicher Mangel – dennoch Engpässe

Von den 30.000 für die trendence-Studie befragten examensnah Studierenden an deutschen Hochschulen gaben allerdings 12.600 an, sich Sorgen um ihre berufliche Zukunft zu machen. Fast die Hälfte vertraut den Demografen nicht!

Findet denn nun ein „War of Talents“ statt? Diese Frage lässt sich nicht einfach mit ja oder nein beantworten. Es gibt mit Sicherheit Branchen und Berufsfelder, in denen die geeigneten Fachkräfte in Zukunft fehlen werden.

Dazu zählen technische Berufsfelder sowie Gesundheits- und Pflegeberufe. Andere hingegen werden auch in Zukunft keine Probleme haben, geeignete Kandidaten einzustellen.

Es bleibt demnach abzuwarten, was die Zukunft bringt und aus Sicht der jungen Generation – trotz positiver Prognosen – nicht die Hände in den Schoß zu legen.

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War of Talents – Fakt oder Fiktion?
Katharina Zehner

Mitarbeiterin Personalmarketing; bloggt über Personal- und Karrierethemen im Allgemeinen sowie Berufsbilder und Hinter den Kulissen Eindrücke bei der R+V.

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