Afrikanische Schweinepest erreicht Belgien

Afrikanische Schweinepest erreicht Belgien
19. Sep 2018

von Dr. Markus Berneiser

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Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist in Belgien angekommen – deutlich schneller als befürchtet. Damit scheinen sich Erwartungen des Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) für Tiergesundheit, wonach es nur eine Frage der Zeit ist, wann auch Deutschland betroffen sein wird, zu bewahrheiten.

Keine Gefahr für Menschen – für Schweine meist tödlich

Für Menschen ist die ASP harmlos. Deutlich ungünstiger verläuft sie jedoch bei Schweinen, denn die ursprünglich nur in Afrika verbreitete hochansteckende Seuche endet nach kurzem Krankheitsverlauf meist tödlich. Der Erreger ist sehr überlebensfähig und weil zudem noch kein Impfstoff entwickelt werden konnte, sind Landwirte, Veterinäre und Politiker hochgradig alarmiert.

Hoher individueller und volkswirtschaftlicher Schaden droht

Für den Fall eines Ausbruchs befürchtet die Branche enorme Verluste – der Deutsche Bauernverband geht bei einem großen Seuchengeschehen von mindestens zwei Milliarden Euro aus. Werden nachgelagerte Bereiche wie Lebensmittelindustrie und Handel sowie die Seuchenbekämpfung in die Berechnung einbezogen, liegt der potentielle Schaden weitaus höher. Darüber hinaus ist mit Langzeitfolgen zu rechnen, die insbesondere den Export betreffen. Drittländer reagieren teilweise sehr restriktiv und verhängen Handelssperren, wodurch stark exportorientierten Betrieben ihre Absatzkanäle wegbrechen können.

Der Mensch ist der größte Risikofaktor

Die Seuche ist schwer aufzuhalten, weil der ASP-Erreger in der Wildschweinpopulation vieler ost­euro­päischer Staaten (u.a. Estland, Lettland, Litauen, Russland, Rumänien, Tschechien, Polen) weit verbreitet ist. Und da Tiere keine Rücksicht auf Ländergrenzen nehmen, ist es absehbar, dass die Seuche auch in der dichten deutschen Schwarzwildpopulation ankommt. Und von da bis in die Hausschweinebestände ist der Weg nicht mehr weit.

Hierbei muss es nicht einmal zu einem direkten Kontakt zwischen Wild- und Hausschwein kommen, denn der größte Risikofaktor ist der Mensch. Illegal importiertes Fleisch sowie mit dem Krankheitserreger belastete Kleidung, Essensreste, Futtermittel, Werkzeuge und Transportfahrzeuge reichen aus, gepaart mit Unwissenheit, Unachtsamkeit oder gar Fahrlässigkeit, und der Virus wird, auch über große Entfernungen, in die heimischen Haustierbestände eingetragen.

Was passiert bei einem Seuchenausbruch?

Wird bei einem Wildschwein die ASP festgestellt, richtet die Veterinärbehörde rund um den Fundort eine sogenannte Gebietskulisse ein, die aus mehreren Zonen besteht. Schweinehaltungen, die in diesen Zonen liegen, unterliegen dann gesonderten Auflagen wie beispielsweise bei dem Transport von lebenden Schweinen, Schweinefleisch und dessen Erzeugnissen.

Schwerwiegender ist ein Ausbruch in einem Nutztierbestand. Weil es keinerlei Therapiemöglichkeiten gibt, kann die Seuche lediglich durch die Tötung der infizierten und ansteckungsverdächtigen Tiere effizient bekämpft werden. Der Schaden ist immens, weil nach einer Infektion immer komplette Bestände getötet werden, die betroffenen Betriebe für einen längeren Zeitraum gesperrt und großflächige Sperr- und Beobachtungsgebiete eingerichtet werden. In der Folge kommt die gesamte Schweineproduktion in der betroffenen Region zum Stocken und über kurz oder lang gänzlich zum Erliegen. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Betriebe konventionell oder ökologisch wirtschaften – vor dem Erreger sind alle gleich.

Seuchenprävention und individuelles finanzielles Risikomanagement nötig

„Vorbeugen ist besser als Bohren“ – der Slogan aus der Zahnpasta-Werbung gilt in leicht modifizierter Form auch hier, denn das derzeit wirksamste Mittel der Bekämpfung ist die strikte Einhaltung der bestehenden Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner nimmt die neue Situation sehr ernst, sieht die Vorbereitungen für den Krisenfall aber auf einem guten Weg. Ihr Ministerium weist die Schweinehalter erneut auf die strikte Einhaltung von Biosicherheitsmaßnahmen und auf die Vorgaben der Schweinehaltungshygieneverordnung hin. Außerdem wird die Jägerschaft aufgefordert, verendet aufgefundene Wildschweine den jeweils zuständigen Behörden anzuzeigen, um eine entsprechende Untersuchung sicherzustellen.

Weil der ASP-Virus aber auch bei bestmöglicher Anwendung der Präventionsmaßnahmen den Weg in den Schweinestall finden kann, ist Schweinehaltern anzuraten, zusätzlich finanzielle Vorsorge zu betreiben. Zumindest ein schadenbedingter monetärer Verlust lässt sich hiermit beherrschen. Dies gilt insbesondere für Wachstumsbetriebe, die Fremdkapital bedienen müssen, sowie hoch spezialisierte Betriebe, die Verluste nicht durch Einnahmen aus anderen Betriebszweigen ausgleichen können.

Nähere Informationen finden Sie im R+V-Ratgeber.

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