Afrikanische Schweinepest weiterhin eine Bedrohung für Deutschland

Afrikanische Schweinepest weiterhin eine Bedrohung für Deutschland
25. Jun 2015

von Dr. Markus Berneiser

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Das Risiko, dass die Afrikanische Schweinepest (ASP) aus Osteuropa nach Deutschland ein­ge­schleppt wird, ist unverändert hoch. Und der Mensch und sein Fehlverhalten spielen dabei als Überträger die größte Rolle.

Die Afrikanische Schweinepest ist kein nationales Problem; vielmehr sollten die Europäer sie gemeinsam bekämpfen. Wie dies aussehen könnte, darüber diskutierten am 9. Juni 2015 in Mainz rund 170 Spezialisten aus dem Landwirtschaftsbereich. Dass das Problem eine europäische Dimension hat, zeigte die Herkunft der Gäste. Sie reisten aus Litauen, Polen, England und der Schweiz an.

Rund 170 Gäste kamen zur Fachtagung in Mainz

Rund 170 Gäste kamen zur Fachtagung nach Mainz

Hoch problematisch ist, dass es gegen die ASP – auch auf absehbare Zeit – keinen Impfstoff gibt. Nach Einschätzung von Prof. Conraths vom Friedrich Löffler Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit (FLI) haben die Transkaukasischen Staaten und Russland die ASP nicht unter Kontrolle, so dass mit einem Übergreifen auf Westeuropa zu rechnen ist. Als wahrscheinliche Eintragsquelle sieht er das Fehlverhalten des Menschen – beispielhaft nannte er illegalen Handel mit Jagdtrophäen, Personen- und Fahrzeugverkehr oder auch nicht ordnungsgemäß entsorgte Lebensmittel („Wurstbrottheorie“). Als weitere Bedrohung sieht der Wissenschaftler einen erneuten Ausbruch der Blauzungenkrankheit, die derzeit im Südosten Europas auftritt, und empfiehlt eine vorsorgliche Impfung.

Landwirte für Gefahr sensibilisieren und Schutzmaßnahmen einleiten

Dr. Ursula Gerdes, Geschäftsführerin der Niedersächsische Tierseuchenkasse

Dr. Ursula Gerdes, Geschäftsführerin Niedersächsische Tierseuchenkasse

Weil die Auswirkungen eines ASP-Ausbruchs erheblich und langwierig sein werden, ist es nach Aussage von Dr. Ursula Gerdes, Geschäftsführerin der Niedersächsischen Tierseuchenkasse, notwendig, alle Personengruppen, die mit  Haus- und Wildschweinen umgehen, verstärkt für die Gefahr zu sensibilisieren. Landwirte müssen umfangreiche Schutzmaßnahmen für ihre Schweinebestände ergreifen, um eine mögliche Ausbreitung in Deutschland zu verhindern. Hierzu zählen wildschweinsichere Umzäunungen der Betriebe, die Einhaltung von Hygienemaßnahmen sowie das Verbot der Verfütterung von Speiseabfällen an Haus- und Wildschweine.

Dies bekräftigte auch Norbert Meyer, praktizierender Landwirt und Vorsitzender des Kreisbauernverbandes in Vechta, der als unmittelbar Betroffener in den 1990er Jahren miterlebte, als in Niedersachsen eine große Anzahl an Schweinen wegen der Klassischen Schweinepest getötet werden mussten. Er warnte davor, dass durch Touristen, Erntehelfer sowie Schlachthofmitarbeiter eine enorme Gefahr bestehe, dass die ASP aus Osteuropa eingeschleppt werde. Die Branche solle sich noch in Friedenszeiten auf einen Ausbruch vorbereiten, denn in der Krise sei es zu spät. Aufgrund der hohen wirtschaftlichen Bedeutung der Schweinehaltung für die Landwirtschaft hätte die ASP katastrophale Auswirkungen.

In Litauen „lebt“ man mit der Seuche

Internationales Flair brachte der Geschäftsführer des Verbandes litauischer Schweineproduzenten, Algis Baravykas, auf das Podium. Er berichtete, dass die Betriebsgrößen in Litauen sehr heterogen sind: Wenigen großen, professionell geführten Betrieben steht eine Vielzahl von „Hinterhofhaltungen“ gegenüber, die die Einhaltung von Hygienemaßnahmen erschweren oder gar verhindern. Jagdclubs, die durch Fütterung die Schwarzwildpopulation vergrößern, sowie die Tatsache, dass das ASP-Virus in Litauen die Wildschweine nicht so schnell töte, tragen dazu bei, dass die ASP in Litauen noch lange grassieren werde. Mittlerweile lebe man mit der Seuche und versuche, sie mit geeigneten Maßnahmen einzudämmen.

Fazit

Das Risiko, dass die Afrikanische Schweinepest nach Deutschland eingeschleppt wird, gilt bei den Experten als unverändert hoch. Sie sind sich unisono einig, dass die Auswirkungen gravierend sein werden. Die Branche sollte sich entsprechend wappnen – sowohl durch geeignete präventive Maßnahmen für die Biosicherheit als auch durch finanzielles Risikomanagement.

Weitere Fotos finden Sie im Flickr-Album.

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