Alle Jahre wieder! Eine Weihnachtsmarkt-Kritik

9. Dez 2011

von Christian Diel

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Alle Jahre wieder eröffnen in fast allen Städten des Landes kleine Paralleluniversen, bestehend aus Bretter-Büdchen und Lichterketten, die uns für circa vier Wochen alles vergessen lassen, was wir über gute Erziehung, gesunde Ernährung und fairen Handel das ganze restliche Jahr über vertreten. Sei’s drum. Sobald wir dieses Duftgemisch aus Friteuse, gebrannten Mandeln und Glühwein-Gepansche riechen und dazu die glockenhellen Klänge von „Jingle Bells“ oder ähnlichen Weihnachts-Chart-Stürmern hören, ist unser Hirn mitsamt allen ehernen Ansichten wie vernebelt. Wir verlassen die Geschäfte und Büros, kramen aus der hintersten Handtaschen-Ecke eine blinkende Nikolausmütze oder wahlweise ein Rentiergeweih und stürzen uns in ein Gedränge, das wir nicht selten mit fettfleckigem Mantel, verkorkstem Magen und einem dezenten Schwips verlassen.

Ich habe festgestellt, es gibt in meinem Bekanntenkreis nur Weihnachtsmarkt-Anhänger oder Weihnachtsmarkt-Hasser. Dazwischen geht gar nichts. Und die Hasser werden immer mit dem Argument ins Feld ziehen, dass einem auf Weihnachtsmärkten das Cholesterin und das Frostschutzmittel auf allen vieren entgegenkommt. Nicht zu vergessen das angepriesene Kunsthandwerk, das bei genauerer Betrachtung meist von taiwanesischen Kinderhänden gefertigt wurde.

Jaaaaa, mag alles sein. Darum habe ich mich mal auf meinem Christkindelsmarkt für Sie umgeschaut, ob ich nicht zur Ehrenrettung aller Weihnachtsmärkte beitragen kann. Zugegeben, das mit dem gesunden Essen ist eine Herausforderung. Bratwürste, Pommes, Reibekuchen und kandiertes Obst ­– das alles deckt an Kalorien pro Portion den Tagesbedarf einer vierköpfigen Familie. Auch der Glühwein ist oft – gelinde gesagt – nicht das Geld wert, das er kostet und natürlich habe ich auf „handgeschnitzten Krippenfiguren“ schon „Made in China“ gelesen. Und außer den heißen Maronen konnte ich auf meinem Weihnachtsmarkt leider nichts entdecken, dass die Vorurteile der „Weihnachtsmarkt-Verachter“ ausgeräumt hätte.

Aber ich konnte etwas anderes entdecken. Lachende Grüppchen von Menschen, staunende Kinder und alte Bekannte, die ich seit Ewigkeiten nicht gesehen habe. Jeder von ihnen hatte wohl beschlossen, mal alle fünfe gerade sein zu lassen und im Lichterglanz und Bratwurstduft die übrige Welt für ein paar vorweihnachtliche Stunden zu vergessen und mit anderen fröhlich zu sein. Und das, liebe Weihnachtsmarkt-Gegner, soll ja sehr gesund sein…

Autorin: Michaela Ansems für die R+V BKK

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Autor
Christian Diel

Teamleiter Kommunikation bei der R+V BKK und bloggt über Themen aus der Gesundheitswelt und der Kundenkommunikation.

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Kommentare

Brigitte Ott

19:13 14.12.2011

Ich finde den Weihnachtsmarkt in Erbach/Odenwald sehr empfehlenswert. Dort gibt es neben den Glühweinbuden tolle Einblicke in künstlerateliers und – Werkstätten: http://www.erbach.de/veranstaltungen/erbacher-schlossweihnacht.html