Ausgezeichneter Alltagsheld

Ausgezeichneter Alltagsheld
8. Sep 2020

von Eva Kuschfeldt

0

Es ist Samstag, der 7. Dezember 2019, 9:30 Uhr. Yannick Simchen ist für seine Verhältnisse an dem Wochenende schon früh unterwegs: Seine Eltern haben sich zum Besuch angekündigt, er will im benachbarten Supermarkt am Bismarckring in Wiesbaden noch schnell was fürs Frühstück einkaufen.

Doch das Frühstück wird ausfallen. Als der junge R+V-Systementwickler aus dem Markt kommt, beobachtet er einen Mann, der zwei junge Frauen aggressiv beschimpft und mehrmals drohend die Hand hebt. „Es sah aus, als wollte er zuschlagen“, sagt Simchen später. Beherzt geht er auf die Gruppe zu, ruft „Hey, was soll das?“

„Verpiss Dich“, bekommt er zur Antwort von dem Mann. Der 1,90 große Simchen lässt sich davon nicht abschrecken, schiebt sich zwischen die Frauen und den Streitsüchtigen. „Oft reicht es aus, wenn ich mich vor den Aggressoren aufbaue“, sagt Simchen rückblickend. Es war nicht das erste Mal, dass er sich in einen Streit eingemischt hat. Diesmal bringt ihm seine Größe nichts. Der Angreifer haut ihm die Faust ins Gesicht, dann rennt der Mann weg. Immerhin können sich die Frauen zwischenzeitlich in Sicherheit bringen.

„Meine Frau hat mich gesund gepflegt“

Simchen trägt einen dreifachen Jochbeinbruch davon, wird operiert und liegt eine Woche im Krankenhaus. „Zum Glück hat meine Frau sehr schnell reagiert, als ich blutüberströmt in der Tür stand und mich in den Wochen danach wieder gesund gepflegt“, sagt er dankbar. Die Titanplatten, die ihm die Ärzte damals eingesetzt haben, trägt er immer noch. Sie werden ihm erst in wenigen Tagen in einer weiteren Operation entfernt.

Zeugen des Vorfalls hat er bis heute nicht gefunden. „So früh morgens war da niemand unterwegs“, sagt er. Der Schläger wurde nie gefasst und auch die beiden Frauen meldeten sich trotz öffentlichen Aufrufs der Polizei nicht. Er nimmt es ihnen nicht übel und ist trotzdem froh, dass er eingeschritten ist. Geärgert hat er sich darüber, dass der Zeugenaufruf in Onlineforen viele Menschen zu rassistischen Hasskommentaren verleitete. „Idioten gibt es in jeder Hautfarbe“, sagt er und Vorfälle wie dieser seien keinesfalls an der Tagesordnung im Westend: „Ich fühle mich nach wie vor sehr wohl in meinem Viertel.“

Für seinen Mut und seinen Einsatz wurde er jetzt – neben acht weiteren Alltagshelden – von der Polizei mit einer Belobigungsurkunde ausgezeichnet. „Beim nächsten Mal würde ich wieder einschreiten – aber etwas vorsichtiger agieren“, sagt er und nimmt sich die Ratschläge der Polizei zu Herzen: Einschreiten sei gut und lobenswert, sagten die Beamten, aber die Helfer sollten sich auf sicherer Distanz halten und von Weitem mit Lärm und Schreien für Aufmerksamkeit sorgen.

Gastbeitrag von Mae von Lapp, Konzern-Kommunikation

Schlagworte
empfehlen
empfehlen
Das könnte Sie auch interessieren
Autor
Ausgezeichneter Alltagsheld
Eva Kuschfeldt

Redakteurin in der Konzern-Kommunikation, bloggt über eigene Erlebnisse im Unternehmen, Themen der Konzern-Kommunikation und soziale Projekte bei R+V

Alle Artikel des Autors
Kommentare