Betriebsleiter in Teilzeit: Landwirte im Nebenerwerb

Betriebsleiter in Teilzeit: Landwirte im Nebenerwerb
23. Sep 2014

von Dr. Markus Berneiser

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Viele landwirtschaftliche Betriebe sind bei uns versichert und auch unter den Mitarbeitern gibt es Landwirte. Es lässt sich nicht genau quantifizieren, aber Schätzungen gehen dahin, dass bei R+V rund 100 Diplom-Agraringenieure beschäftigt sind – die „Dunkelziffer“ ist vermutlich höher.

Diese Kollegen sind aufgrund ihrer Ausbildung, ihrer Herkunft von landwirtschaftlichen Betrieben oder ihrem Hobby besonders nah am Kunden. Einige Mitarbeiter führen sogar einen Landwirtschaftsbetrieb im Nebenerwerb. Frank Kochhan und Martin Müller gehören dazu und leiten beide einen Ackerbaubetrieb. Wir wollten wissen, wie sie Büro und Hof unter einen Hut bringen.

War Ihre berufliche Ausbildung durch Ihren landwirtschaftlichen Hintergrund vorgezeichnet?

Kochhan: Ja, ich bin auf dem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen. Nach der Ausbildung zum Landwirt habe ich mein Studium zum Dipl.-Ing. agr. (FH) erfolgreich abgeschlossen. Nach Tätigkeiten bei der Bezirksregierung in Neustadt a.d. Weinstraße und der Rinder Union West e.G. bin ich im März 2002 zur Vereinigte Tierversicherung (VTV) gewechselt. Im Jahr 2003 habe ich dann den landwirtschaftlichen Betrieb von meinen Eltern übernommen.

Müller: Auch ich hatte immer den Wunsch, im „grünen Bereich“ tätig zu werden. Deshalb war das Studium der Agrarwissenschaften naheliegend.

Hilft Ihnen Ihr landwirtschaftliches Praxiswissen bei der täglichen Arbeit?

Müller: Bei meinen aktuellen Aufgaben weniger, es gibt jedoch einige Berührungsunkte z.B. zur Technischen Versicherung. Bei der R+V eingestiegen bin ich jedoch ebenfalls in der Tierversicherung.

Kochhan: Auf jeden Fall, ohne diesen Hintergrund sind die komplexen Produktionsabläufe nur schwer nachvollziehbar. Darüber hinaus habe ich den Eindruck, dass sich die landwirtschaftlichen Kunden sofort verstanden fühlen, wenn ich „ihre Sprache spreche“.

Wie haben Sie Ihren Betrieb organisiert, um die Doppelbelastung zu bewältigen?

Müller: Mein Grünland wird durch einen Schäfer fremd bewirtschaftet. Ich habe vergleichsweise viel in den Maschinenpark investiert, um die Feldarbeiten zeitsparend erledigen zu können und Ausfallzeiten wie etwa durch Reparaturen zu minimieren. Teilweise setze ich auch ein Lohnunternehmen ein.

Kochhan: Zunächst habe ich die arbeitsintensive Milchviehhaltung aufgegeben. Der Betrieb wurde zu einem Marktfruchtbetrieb umstrukturiert. Terminarbeiten, u.a. Aussaat, Pflanzenschutz und Mähdrusch werden auch bei mir von einem Lohnarbeitsbetrieb erledigt. Durch Flächentausch und Kauf wurde die Parzellengröße erhöht, dadurch ergaben sich Vorteile in der Bewirtschaftung.

Trägt Ihre Familie Beruf und Berufung mit?

Müller: Teilweise. Meine beiden Söhne helfen mit, die Arbeitsspitzen in der Ernte- und Aussaatzeit zu brechen. Ansonsten bin ich eine „One-Man-Show“ (lacht).

Kochhan: Ja, ohne die Unterstützung und Hilfe der Familie wäre es nicht möglich.

Wie sorgen Sie für eine gute Work-Life-Balance, haben Sie einen Tipp?

Kochhan: Die Arbeit auf dem landwirtschaftlichen Betrieb ist ein guter Ausgleich zu meiner geistig anspruchsvollen Tätigkeit bei der VTV. Ich genieße die körperliche Arbeit an der frischen Luft und sehe dies als erholsame Freizeitgestaltung an. Vor allem die Tatsache, zum Beispiel Getreide auszusäen, die Pflanzenkulturen zu pflegen und am Ende die Ernte einzufahren gibt mir ein gutes Gefühl.

Aufgrund der Umstrukturierung meiner Betriebsorganisation verbleibt ausreichend Zeit für Familie und Freunde, was mir persönlich sehr wichtig ist.

Müller: Versuchen Sie, einen Teil des Urlaubs als reinen Erholungsurlaub zu nutzen. Der Landwirtschaftsbetrieb darf nicht zur Belastung werden, sondern soll Hobby bleiben und dem Ausgleich für die Büroarbeit dienen.

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