Blauzungenkrankheit – Großflächige Sperrgebiete durch aktuelle Seuchenfälle

Blauzungenkrankheit – Großflächige Sperrgebiete durch aktuelle Seuchenfälle
22. Jan 2019

von Dr. Markus Berneiser

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Wenige Tage vor Weihnachten wurde in einer baden-württembergischen Rinderhaltung die Blauzungenkrankheit vom Serotyp 8 festgestellt. Zeitnah traten weitere Fälle in der Region auf. Mittlerweile sind in mehreren Bundesländern Betriebe von der Seuche betroffen.

Neben Baden-Württemberg ist die anzeigepflichtige Tierseuche auch in Rheinland-Pfalz und dem Saarland aufgetreten. Als Folge wurden großflächige Restriktionsgebiete eingerichtet, aus denen empfängliche Tiere (Rinder, Schafe, Ziegen und andere gehaltene Wiederkäuer) nur unter Auflagen verbracht werden dürfen.

Übertragungsweg und Symptome

Bei der letzten Epidemie der Blauzungenkrankheit kam eine große Zahl an Wiederkäuern zu Schaden. Gefährdet sind vor allem Schafe, Ziegen und Rinder – aber auch Neuweltkameliden (Lamas, Alpakas) und Wildwiederkäuer können erkranken. Die Blauzungenkrankheit (Bluetongue disease – BT) ist eine hochansteckende Viruserkrankung und befällt die oberen Atemwege. Das Virus wird durch kleine blutsaugende Mücken (Gnitzen) von (empfänglichem) Tier zu (empfänglichem) Tier übertragen.

Symptome sind Fressunlust, Fieber, verstärkte Durchblutung der Kopfschleimhäute, Ödeme an den Ohren, Lippen, im Gesicht und der Zunge sowie in Einzelfällen die charakteristische Blaufärbung der Zunge. Bei Rindern verläuft sie meist ohne oder nur mit milden Krankheitssymptomen.

Auswirkungen und Impfprophylaxe

Nach der erfolgreichen Bekämpfung des Seuchenzugs 2006 bis 2009 galt Deutschland seit Februar 2012 als BT-frei. Mit dem aktuellen Ausbruch verliert Deutschland den BT-Freiheitsstatus, so dass mit Einschränkungen beim Handel zu rechnen ist. Die wirtschaftlichen Auswirkungen für die Branche können erheblich sein.

Das Positive: Für den Menschen ist die Blauzungenkrankheit ungefährlich. Fleisch und Milch sowie daraus hergestellte Erzeugnisse können ohne Bedenken verzehrt werden und unterliegen keinen Handelsbeschränkungen.

Die aktuell erkrankten Tiere sind frisch infiziert. Somit breitet sich die Krankheit wider Erwarten auch während der kalten Jahreszeit aus. Kritisch wird es mit Beginn des Frühlings, wenn die Temperaturen ansteigen und die Gnitzen wieder vermehrt das Virus übertragen. Um einer unkontrollierten Verbreitung vorzubeugen, appelliert der baden-württembergische Landwirtschaftsminister Peter Hauk an alle Rinder-, Schaf- und Ziegenhalter, die Tiere gegen die Serotypen 4 und 8 der Blauzungenkrankheit impfen zu lassen. Allerdings deuten sich bereits Engpässe bei der Verfügbarkeit von Impfstoffen ab. Der Minister rät deshalb, zeitnah Impftermine zu vereinbaren. Denn wenn die Impfvorräte aufgebraucht sind, muss mit Lieferzeiten für nachproduzierten Impfstoff von drei bis vier Monaten gerechnet werden. In Baden-Württemberg werden BT-Impfungen vom Land und der Tierseuchenkasse finanziell unterstützt. Auch andere Bundesländer bieten Fördermittel an – hier sollten sich Landwirte bei ihrer Tierseuchenkasse oder dem Veterinäramt erkundigen.

Finanzielles Risikomanagement ratsam

Weil die Tierseuchenkasse bei einem Seucheneinbruch lediglich verendete und getötete Tiere entschädigt, ist Tierhaltern zu empfehlen, zusätzlich finanzielle Vorsorge zu betreiben. Denn Zusatzkosten für Tierarzt und Medikamente sowie Verluste in der Milcherzeugung und der Rindermast – hervorgerufen durch Fruchtbarkeitsstörungen, Verkalbungen und Handelsbeschränkungen – gehen allein zu Lasten der Landwirte.

Nähere Informationen zur Ertragsschadenversicherung finden Sie auf unserer Website.

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Kommentare

Hanns Roggenkamp

11:48 25.04.2016

Hallo Herr Dr. Berneiser, in Iherm Blog zum Thema BHV1, BT4 & BT8 werde ich zitiert, der Zusammenhang ist aber so nicht richtig! In Baden Württemberg werden, da das Land den Status BHV1 frei hat, im Fall von positiv getesteten Tieren im Bestand, Ställe teils, je nach Durchseuchung auch komplett geräumt (gekeult). Eine Impfung gegen BHV1 ist nach Angaben des MLR Stuttgart solange der Status BHV1 frei gilt nicht zulässig! Die Impfung wäre nur vorbeugend sinnvoll, für bereits befallene Tiere bringt dies nichts mehr. Deshalb wird hier im Interesse der „gesunden Betriebe“ so hart durchgegriffen um eine Verschleppung des Virus zu verhindern. Bei BT (Blauzungenkrankheit) ist die Situation eine gänzlich andere, der Erreger wird über Gnitzen (eine Stechmückenart) übertragen, die Gnitzen können über warme Winde sehr weite Strecken zurücklegen. Da der Erreger BT8 bis kurz vor der Deutsch Französischen Grenze angelangt ist, wird in Baden Württemberg eine freiwillige Schutzimpfung angeraten. Von Österreich her naht der Typ BT4, man wird also beide Schutzimpfungen gemeinsam verabreichen. Eine Keulung ist aber bisher bei BT nicht vorgesehen! In dem Blog entsteht aber der Eindruck das dieses so wäre, ich bitte Sie deshalb dieses zu berichtigen!Im Absatz weiter oben im Blog direkt bei BHV1 würde das, so finde ich besser passen. Im Übrigen bin ich seit 2001 bei der VTV versichert, halte dieses für sehr wichtig im Hinblick auf mögliche Ertragsausfälle im Rahmen solcher Seuchen. Über eine Antwort von Ihnen würde ich mich sehr freuen!
Mit freundlichen Grüßen
Hanns Roggenkamp