Blauzungenkrankheit: Referenzlabor stuft Einschleppung als hoch ein

Blauzungenkrankheit: Referenzlabor stuft Einschleppung als hoch ein
11. Sep 2015

von Dr. Markus Berneiser

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In unserer schnelllebigen Zeit haben wir kaum noch vor Augen, dass 2006 der Beginn der mehrere Jahre andauernden Epidemie der Blauzungenkrankheit (Bluetongue disease – BT) war. Bei der BT handelt es sich um eine nichtansteckende Viruserkrankung bei Wiederkäuern. Die Übertragung erfolgt durch blutsaugende Stechmücken (Gnitzen). Im Beitrag zeigen wir, wie die Ausbreitung verhindert werden kann und was für Tierhalter wichtig ist.

Betroffen von der Blauzungenkrankheit sind vor allem Schafe, aber auch Rinder, Ziegen und Wildwiederkäuer werden infiziert. Eine Ansteckungsgefahr für den Menschen besteht nicht.Wie wirkt sich die Krankheit aus?

Symptome sind Fressunlust, Fieber, verstärkte Durchblutung der Kopfschleimhäute, Ödeme an den Ohren, Lippen, im Gesicht und der Zunge sowie in Einzelfällen die charakteristische Blaufärbung der Zunge. Auch kommt es zu Entzündungen an den Klauen, die Lahmheit verursachen.

Die BT-Epidemie der Jahre 2006 bis 2008 ging mit erheblichen Leiden bei den betroffenen Tieren einher. Allein 2007 verendeten 33.233 Schafe, 10.240 Rinder und 102 Ziegen bzw. mussten wegen des schweren Krankheitsverlaufes getötet werden (FLI, Qualitative Risikobewertung zur Einschleppung der Blauzungenkrankheit, Serotyp 4, 03.07.2015).

Wie kann die Krankheit bekämpft werden?

Erkrankungen und Verendungen von Tieren einerseits und Bekämpfungsmaßnahmen (Verbringungs- und Exportbeschränkungen, Impfung, Krankheitsüberwachung) andererseits haben bei den Landwirten hohe wirtschaftliche Schäden verursacht. Erst durch die flächendeckende Impfung 2008 konnte die Krankheit erfolgreich bekämpft werden, so dass das Virus seit November 2009 nicht mehr amtlich festgestellt worden ist und Deutschland seit Februar 2012 als BT-frei gilt.

Doch der BT-freie Status ist in Gefahr. Denn seit Mai 2014 breitet sich der hierzulande noch unbekannte BT-Serotyp 4 (BTV-4), von Griechenland ausgehend, über den Balkan bis nach Ungarn aus. Bisher wurden mehr als 7.500 Seuchenfälle gemeldet. Das Nationale Referenzlabor für Blauzungenkrankheit, angesiedelt im Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), stuft die Einschleppung als wahrscheinlich bis hoch ein.

Weil die Wiederkäuer-Population keinen Impfschutz gegen BTV-4 hat, sind erhebliche Schäden erwarten. Um dies zu verhindern, gehen die FLI-Experten davon aus, dass ein flächendeckend verpflichtendes Impfprogramm mit einer Abdeckung von mindestens 80% der empfänglichen Tiere durchgeführt werden müsste.

Sollte von staatlicher Seite eine Entscheidung für eine Pflichtimpfung gefällt werden, stellt deren Durchführung wegen der hohen Tierzahlen (Statistisches Bundesamt: 12,7 Mio. Rinder, 1,6 Mio. Schafe, 130 Tsd. Ziegen) eine Herausforderung dar. Ein vollständiger Impfschutz kann sich deshalb nicht ad hoc einstellen.

Was sollten Landwirte beachten?

Landwirten ist deshalb zu empfehlen, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um zumindest den drohenden finanziellen Schaden einzudämmen. Denn erhöhte Kosten für Tierarzt, Medikamente, Repellents und verstärkte Klauenpflege sowie Einbußen in der Milchproduktion und Mast, durch Fruchtbarkeits­störungen, Verkalbungen und Handelsbeschränkungen gehen allein zu Lasten der Landwirte. Lediglich für seuchenbedingt verendete oder getötete Tiere erhalten Landwirte eine Entschädigung von der Tierseuchenkasse. Als Lösung für den Ausfallschaden bietet die Vereinigte Tierversicherung (VTV) eine Ertragsschadenversicherung (EVT) an, mit der Tierbestände (Rinder, Schweine, Geflügel) gegen anzeigepflichtige Tierseuchen und übertragbare Tierkrankheiten abgesichert werden können.

Sowohl für die Tierhalter, als auch für die finanzierenden Kreditinstitute ist es von entscheidender Bedeutung, dass Seuchen- und Krankheitsschäden durch eine Versicherungslösung kompensiert und die Liquidität des Betriebes erhalten werden, damit unter anderem der Kapitaldienst geleistet werden kann.

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Blauzungenkrankheit und Rinderherpes: Aktuelle Tierseuchenlage angespannt - R+V BlogR+V Blog / https://www.ruv-blog.de/blauzungenkrankheit-und-rinderherpes-aktuelle-tierseuchenlage-angespannt/

07:52 19.04.2016

[…] zu Schaden. Schafe, Rinder und Ziegen, aber auch Wildwiederkäuer sind gefährdet. Die Blauzungenkrankheit (BT) ist eine nichtansteckende Viruserkrankung, die durch blutsaugende Stechmücken (Gnitzen) […]