Clever vererben mit dem Schweizer Taschenmesser

Clever vererben mit dem Schweizer Taschenmesser
2. Mai 2019

von Dr. Karsten Eichner

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Jahr für Jahr werden nach Schätzungen in Deutschland viele Milliarden Euro vererbt – von Bargeld über Schmuck bis hin zu „Omas kleinem Häuschen“. Doch was muss man dabei beachten?

Tipps gibt R+V-Vermögensexperte Pascal Lauterbach.

Pascal, was sind aus Deiner Erfahrung die typischen Fehler der Deutschen beim Vererben?

Lauterbach

R+V-Experte Pascal Lauterbach

Lauterbach: Der Klassiker ist, das Thema einfach zu verdrängen. Logisch, es denkt niemand gern über den eigenen Tod nach, das ist menschlich und nachvollziehbar. Aber wer hier überhaupt keine Vorsorge trifft, entscheidet nicht selbst, wer etwas bekommt – und lässt seine Erben mitunter ganz schön im Regen stehen. Zum Beispiel, wenn dann plötzlich eine kräftige Erbschaftsteuer fällig wird.

Aber die kann man doch gar nicht vermeiden, oder?

Lauterbach: Nein, und Steuern haben ja auch absolut ihre Berechtigung. Aber natürlich kann man in der Familie die steuerlichen Belastungen gut optimieren – und so den Erben etwas Gutes tun. Zum Beispiel, indem man schon zu Lebzeiten Vermögen überträgt und die individuellen Freibeträge nutzt. Das kann man alle zehn Jahre wieder neu. Ein Klassiker ist tatsächlich Omas Häuschen, das schon zu Lebzeiten an die Kinder oder Enkel geht. Natürlich mit verbrieftem lebenslangen Wohnrecht für Oma. Aber auch hier gibt es weitere Möglichkeiten durch eine geschickte Vertragsgestaltung.

Und was ist mit Bargeld oder Omas Spargroschen auf der Bank?

Lauterbach: Da liegen mitunter ganz schön viele Groschen! Im Ernst, das kann im Erbfall steuerlich empfindlich schmerzen, denn die Freibeträge gelten immer für alle Vermögenswerte. Das heißt, durch eine Immobilie kann der Freibetrag bereits ausgelastet sein. Auch hier lohnt es sich, über eine vorgezogene Schenkung nachzudenken, um den steuerlichen Spielraum optimal auszunutzen. Eine interessante Alternative ist übrigens eine Rentenversicherung, denn die ist – was viele gar nicht wissen – so universell einsetzbar wie ein Schweizer Taschenmesser. Um im Bild zu bleiben: Oma zahlt einen Einmalbetrag ein, überträgt dann den Vertrag und der Enkel profitiert von monatlichen Rentenzahlungen. Versteuern muss er nur den Kapitalwert nach Bewertungsgesetz – und fährt damit finanziell oft deutlich besser als bei einer einmaligen Schenkung, die voll versteuert werden muss.

Hast Du noch einen speziellen Tipp zum Schluss?

Lauterbach: Ein Patentrezept gibt es leider nicht. Dazu sind die Verwandtschafts- und Vermögensverhältnisse viel zu unterschiedlich. Mein Tipp ist daher: Lassen Sie sich beizeiten ausführlich beraten und planen Sie klug und mit kühlem Kopf auch dieses heikle Thema. Speziell geschulte Berater in der Volksbank oder Raiffeisenbank helfen dabei gern. Warten Sie nicht zu lange. Nur zu Lebzeiten können Sie nach Ihren Wünschen planen. Bestellen Sie rechtzeitig Ihr Haus. Ihre Nachkommen werden es Ihnen danken.

Das Interview mit dem R+V-Experten Pascal Lauterbach sehen Sie bei n-tv.

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