„Im Gesundheitsmarkt tut sich wahnsinnig viel“

„Im Gesundheitsmarkt tut sich wahnsinnig viel“
9. Nov 2020

von Eva Kuschfeldt

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Krankenversicherungsvorständin Nina Henschel spricht im Interview über Trends im Gesundheitsmarkt, Vor- und Nachteile der Telemedizin und über Zusatzversicherungen, die man in Corona-Zeiten in Betracht ziehen sollte.

Frau Henschel, die Corona-Pandemie zeigt vielen Menschen, wie wichtig das Thema Gesundheit ist. Welche Zusatzversicherungen machen denn jetzt besonders Sinn?

Wenn man an ernste Corona-Fälle und das Versorgungsniveau denkt, ist natürlich die stationäre Zusatzversicherung mit Chefarztbehandlung und Einbettzimmer besonders wichtig – bei Bedarf auch gerne kombiniert mit einem Krankenhaustagegeld. Die bestmögliche Versorgung sowie Ruhe und Komfort können Krankheitsverläufe nur positiv beeinflussen.

Betrachtet man auch die finanzielle Seite, sind gleich mehrere Absicherungen sinnvoll: Längere Krankheiten führen meist zu Verdienstausfällen – Selbstständige sind sofort betroffen, für Arbeitnehmer endet die Lohnfortzahlung in der Regel nach sechs Wochen. Ein Krankentagegeld hilft hier, finanzielle Lücken zu reduzieren oder zu schließen.

Obwohl es im ersten Moment absurd klingt, macht auch eine Zahnzusatzversicherung Sinn: Die Kosten für Zahnersatz sind enorm hoch – schnell mehrere tausend Euro. Gerade in Zeiten mit viel Kurzarbeit stellen sie eine finanzielle Belastung dar, die ohne Absicherung oft nicht gut händelbar ist.

Corona hat auch für einen Auftrieb bei der Telemedizin gesorgt. Was sind denn die Vor- und Nachteile einer Online-Sprechstunde?

Einziger Nachteil ist aus meiner Sicht, dass man den Arzt vorab nicht kennt und daher noch keine Vertrauensbasis hergestellt ist. Das ist aber nur bei sehr spezifischen Erkrankungen ein Problem. Die Vorteile der Telemedizin überwiegen klar: kein Infektionsrisiko in überfüllten Wartezimmern, schnelle und direkte Hilfe – auch durch spezifische Fachärzte, technisch einfach zu bedienen, nicht an Sprechstundenzeiten gebunden und gut geeignet, wenn die Arztpraxis weiter entfernt ist oder keine Termine verfügbar sind. Die Telemedizin ist ideal, um erste Symptome abklären zu lassen oder bei klaren Symptomen, wie zum Beispiel Darmbeschwerden eine Krankschreibung zu erhalten. Möchte man einen zweiten Rat oder ist über Telemedizin keine eindeutige Diagnose möglich, kann immer noch ein Arzt persönlich aufgesucht werden.

Sie sprachen davon, dass Telemedizin ein wichtiger Trend ist. Wohin entwickelt sich der Gesundheitsmarkt und das entsprechende Versicherungsangebot?

Die Kundenerwartungen steigen immer mehr, was Serviceangebot und einfache, digitale Prozesse angeht. Neben guten Produkten und fairer, schneller Leistungsabwicklung werden also Angebote immer wichtiger, die über die reine Kostenerstattung herausgehen. Im Gesundheitsmarkt und auch bei den Versicherern tut sich hier gerade wahnsinnig viel. Das Telemedizinangebot für Vollversicherte der R+V Krankenversicherung ist nur ein erster Schritt. Wir arbeiten daran, ein Ökosystem für den Kunden mit regionalen und digitalen Angeboten aufzubauen.

Sie sagten, das Interesse am Thema Gesundheit ist bei den Bürgern gestiegen. Spüren Sie diesen Trend auch in ihrem Geschäft?

Ja eindeutig. Wir sehen zum Beispiel, dass sich aktuell noch mehr Personen für eine Vollversicherung entscheiden als vergangenes Jahr. Das ist ein klares Indiz, dass Gesundheit im Fokus ist und dabei das Versorgungsniveau eine ganz besonders wichtige Rolle spielt. Aber wir sehen es auch daran, dass sich immer mehr Arbeitgeber um eine Gesundheitsabsicherung für Ihre Mitarbeiter kümmern – und das in einer wirtschaftlich herausfordernden Situation.

 

Das Interview führte Frank Senger, Konzern-Kommunikation

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Eva Kuschfeldt

Redakteurin in der Konzern-Kommunikation, bloggt über eigene Erlebnisse im Unternehmen, Themen der Konzern-Kommunikation und soziale Projekte bei R+V

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