Der Betriebsschaden in der Vollkaskoversicherung

Der Betriebsschaden in der Vollkaskoversicherung
6. Feb 2013

von Monika Hochscheid

16

In der Vollkaskoversicherung ist neben dem Vandalismus unter anderem auch der eigen verschuldete Unfall versichert.

Der Unfallbegriff in der Vollkaskoversicherung

Der Unfallbegriff in der Kraftfahrtversicherung (Allgemeine Kraftfahrtbedingung AKB) definiert einen Unfall folgendermaßen: Ein Unfall liegt vor, wenn es sich um ein „unmittelbar, von außen, plötzlich mit mechanischer Gewalt auf das Fahrzeug, einwirkendes Ereignis“ handelt.

Ein veranschaulichendes Beispiel:
Beim Zurücksetzen des Fahrzeugs wird die Stange eines Verkehrsschilds übersehen und so touchiert.

  • Unmittelbar – direkte Einwirkung auf das Fahrzeug
  • Plötzlich – kurze Zeitspanne (unerwartet unvorhersehbar und daher unentrinnbar)
  • Mechanische Gewalt – Druck des Verkehrsschilds auf die Karosserie
  • Von außen – Verkehrsschild ist außerhalb des Fahrzeugs
  • Einwirkendes Ereignis – Kollision mit dem Schild

Unfälle, bei denen der „Unfallbegriff“ erfüllt ist, werden über die Vollkaskoversicherung abgewickelt.

Unfallbegriff nicht vollständig erfüllt  

Bei der Nutzung eines Fahrzeugs können aber auch vielfach Schäden entstehen, bei denen der Unfallbegriff nicht vollständig erfüllt ist. Häufig fehlt die Voraussetzung „von Außen“.

Beispiel A
Ein Lkw mit Kipper lädt seitlich auf einer Baustelle Kies ab. Die Ladefläche fährt schräg nach oben und der Lkw beginnt zu rutschen und kippt um. Beim Rutschvorgang wird die Hydraulik des Kippers stark beschädigt. Beim Aufprall erleidet der Lkw weitere Schäden.

  • Die Schäden verursacht durch den Aufprall erfüllen den Unfallbegriff
  • Die Beschädigung der Hydraulik und weiterer Bauteile wird durch die Kräfte des Lkw verursacht. Das Merkmal „von Außen“ fehlt somit. Es handelt sich um einen klassischen Betriebsschaden „von innen“.

Beispiel B
Sie fahren mit Ihrem Fahrzeug auf der Landstraße. Plötzlich springt die Motorhaube auf. Die Motorhaube schlägt gegen Ihre Windschutzscheibe. Sie können nichts mehr sehen und fahren in den Straßengraben.

  • Der Schaden an Motorhaube und Windschutzscheibe ist nicht versichert
  • Der Unfallschaden durch das Abkommen von der Landstraße ist versichert

Beide Beispiele sind nicht alltäglich – sagen Sie. Sie kommen aber doch vor!

Bei Betriebsschäden in der Vollkaskoversicherung fehlt die Komponente „von außen“

Folgendes Beispiel ist Ihnen vielleicht etwas griffiger. Hier fehlt ebenfalls das Merkmal  „von Außen“, auch wenn sich dies auf den ersten Blick unter Umständen nicht sofort erschließt:

Sie ziehen mit Ihrem Pkw einen Wohnwagenanhänger. Auf der Landstraße sind Sie zügig unterwegs und unterschätzen eine langgezogene Kurve. Sie müssen scharf bremsen. Der Wohnwagenanhänger stellt sich dabei quer und stößt mit dem Fahrzeug zusammen.

Die hintere Karosserie des ziehenden Pkw, die Anhängerkupplung und die vordere Karosserie des Wohnwagenanhängers sind stark beschädigt.

Für diese sogenannten Einknickschäden kommt die Vollkaskoversicherung nicht auf.

Ziehendes Fahrzeug und Wohnwagenanhänger gelten als eine Einheit, da sie durch die Anhängerkupplung miteinander verbunden sind. Sie sind ein Gespann. Damit hat der Wohnwagenanhänger als Teil dieser Einheit sich selbst und die weitere Einheit, den Pkw, beschädigt. Das Merkmal „von außen“ fehlt.

Eine Absicherung gegen den Betriebsschaden ist möglich

Versicherer bieten im Bereich der Nutzfahrzeuge seit längerem Zusatzprodukte an, die diese Schäden einschließen. Und auch im Bereich der Privat-Fahrzeuge hat sich zwischenzeitlich einiges getan. Das Risiko Betriebsschaden können Sie durch den Einschluss dieser Produkte versichern. Bei Interesse fragen Sie bei Ihrem Versicherer nach, ob dies dort möglich ist.

Schlagworte
empfehlen
empfehlen
Das könnte Sie auch interessieren
Autor
Der Betriebsschaden in der Vollkaskoversicherung
Monika Hochscheid

Abteilung Kraftfahrt-Betrieb, Gruppe Qualitäts-, Prozess-, Projektmanagement; bloggt über spezifische Fragestellungen zur Kfz-Versicherung

Alle Artikel des Autors
Kommentare

Manfred Kruska

11:05 24.10.2013

Ich habe einen Versicherungsfall der wie folgt geschehen ist: Mein VN hat in einer Kurve sein angekoppelten Wohnwagen verloren, nach dem dies bemerkt wurde wurde da Zugfahrzeug gestoppt, der Wohnwagen rollte von einem Abstand von ca. 20 m auf das Zugfahzeug zu und beschädigte die Heckpartie von Zugfahrzeug. Vollkaskoschaden wurde wegen Betriebsschaden abgelehnt, obwohl wie in Ihrem anschaulichen Beispiel beschrieben alle Definitionen zutreffen

Der Betriebsschaden in der Vollkaskoversicherung Monika Hochscheid

14:26 25.10.2013

Hallo,
der Betriebsschaden ist in der klassischen Vollkaskoversicherung nicht versichert. Für die Versicherung solcher Betriebs-, Brems- und Bruchschäden kann man Zusatzversicherung abschließen.
Ich würde Ihnen empfehlen, mit Ihrer Versicherung zum Schaden noch einmal in einen persönlichen Dialog zu gehen. In einem solchen Gepräch kann man alle offenen Fragen klären.
Viele Grüße
Monika Hochscheid

S. Bartscht

14:55 27.01.2014

Hallo, ein Fahrzeug ist über einen erhöhten Gullideckel gefahren und hat sich die Ölwanne aufgerissen. Zählt dieser Schaden auch als Unfallschaden? Meiner Meinung nach sind alle Kriterien für einen Unfallschaden erfüllt.

Roland Richter / http://www.ruv.de

16:57 27.01.2014

Hallo Herr Barscht,

Sie haben nach meiner Meinung recht. Auch wenn das Fahrzeug tiefer gelegt ist, ist der Schaden durch eine mechanische Einwirkung von außen entstanden. Der Definition nach ist es ein Unfall und damit ein Vollkasko-Schaden.

Dennoch ist die Sache nicht ganz einfach. Hier kann man an eine Gefahrerhöhung denken dadurch, dass das Auto tiefer gelegt wurde. Wenn es so tief gelegt wurde, dass kleine Hindernisse auf der Fahrbahn (die Höhe des Deckels kenne ich nicht) schon so einen Schaden verursachen kann, kann das ganze trotzdem zur Leistungsfreiheit des Versicherers führen.

Den von Ihnen geschilderten Fall kenne ich nicht, auch nicht die genauen Einzelumstände. Darauf kommt es aber an.

Beste Grüße
Roland Richter

Ralf Michaelsen

15:07 16.04.2014

Fall: Motorhaube gg WSS…trifft zwar zu, dass ein Betriebsschaden vorliegt, aber damit die Sachb nicht komplett ablehnen; falls TK-Deckung abgeschlossen ist (und das dürfte bei bestehender VK ja wohl obligatorisch sein), ist der Glasbruch/WSS selbstredend über TK gedeckt, da es dort nicht auf die Erfüllung des Unfallbegriffes ankommt.

Plattdeutsche Grüße aus HH in die weite Schadenwelt….

Bert Ditz

14:16 30.10.2014

Hallo!
Meine Kaskoversicherung verweigert die Leistung mit der Begründung es liege ein Betriebsschaden vor. Kurze Zusammenfassung:
Kollegin von mir macht beim geparkten PKW die hintere Beifahrertüre auf, um ihre Tasche zu nehmen, macht die Tür bisschen energischer zu und plötzlich bricht die Glasscheibe. In weiterer Folge wurde auch der Lack an der Türe beschädigt.

Versicherung entschädigt die kaputte Glasscheibe (kausaler Anteil abzgl. Selbstbehalt €45,35 ;)); Entschädigung Lackierarbeiten werden abgelehnt – Begründung: Betriebsschaden, die Einwirkung kam nicht von außen. Somit liegt kein Unfallereignis im Sinne der Bedingungen vor.

Ich kann mich dieser Argumentation nicht anschließen. Was meinen sie?
LG

Roland Richter / http://www.ruv.de

14:39 31.10.2014

Hallo Herr Ditz,

da ich den genauen Sachverhalt und den Umfang Ihres Versicherungsschutzes nicht kenne, kann ich nur sehr abstrakt dazu etwas sagen.

Der Glasbruchschaden ist im Rahmen der Teilkasko versichert. Das betrifft nur die kaputte Glasschreibe selbst, nicht den Schaden an der Lackierung. Insofern hat Ihre Versicherung korrekt abgerechnet.

Die beschädigte Lackierung könnte als Unfallschaden allenfalls im Rahmen der Vollkasko versichert sein (Achtung: hier wird der Schadensfreiheitsrabatt hochgestuft, wenn sie in Anspruch genommen wird). Die greift aber nicht, wenn es sich um einen Betriebsschaden handelt.

Die Abgrenzung ist im Einzelfall nicht immer einfach.

Unter einem Unfall versteht man ein unmittelbar von außen plötzlich mit mechanischer Gewalt auf das Fahrzeug einwirkende Ereignis. Nicht als Unfall gelten Betriebsschäden.

Nach Ihrer Schilderung ist die Scheibe gebrochen ohne Einwirkung von außen. Mir ist ein Fall bekannt, in dem ein Reifen (ohne Einwirkung von außen) geplatzt war und das Fahrzeug beschädigt hat. Das OLG Düsseldorf hat durczh Urteil vom 30.9.1997 (4 U 112/96) entschieden, dass es sich hierbei um einen Betriebsschaden handelt. Der Unfallbegriff war nicht erfüllt, weil das schädigende Ereignis aus dem Bereich des Fahrzeugs selbst herrührte.

Ich meine, dass der von Ihnen geschilderte Sachverhalt sehr vergleichbar ist. Ob jetzt ein Reifen kaputt geht oder eine Scheibe, macht rechtlich keinen Unterschied wenn dadurch dann das Fahrzeug beschädigt wird.

Soweit ich die Sache nach Ihrer Schilderung beurteilen kann, hat Ihre Versicherung den Vorgang rechtlich korrekt entschieden.

Vorsorglich möchte ich darauf hinweisen, dass es sich dabei um eine lediglich abstrakte Einschätzung meinerseits handelt. Sofern Sie das anders sehen, oder sofern der Sachverhalt etwas anders sein sollte als von mir verstanden, möchte ich Sie bitten sich von einem Rechtsanwalt beraten zu lassen.

Anton Glanzer

17:13 13.11.2015

Hallo,
ich bin mir nicht sicher ob ich hier richtig bin.
Aber ich bin im Moment so erregt, dass ich einfach Hilfe suche. Die Kravag schreibt, dass ein Schaden, der beim Räumen meines Womodaches von Eis und Schnee entstanden ist, einen Betriebs Schaden darstellt und damit nicht durch Vollkasko gedeckt ist. Ich habe den Schaden abgetreten und bin nun in den Händen des Womohaendlers mit seinem Gutachter. Was soll ich machen ?
Mfg
Anton Glanzer

    Der Betriebsschaden in der Vollkaskoversicherung Suitbert Monz

    09:18 16.11.2015

    Hallo Herr Glanzer,

    schicken Sie uns doch bitte eine E-Mail mit mehr Infos und Ihrer Versicherungsnummer an socialmedia@ruv.de Wir haken dann für Sie mal in der Fachabteilung nach.

    viele Grüße,
    Suitbert Monz

S. Wulff

13:03 04.01.2016

Hallo,

mir ist bei der Fahrt auf der Autobahn das Pilz-Hubdach meines VW T4 weggeflogen. Zum Glück wurde niemand verletzt.
Meine Versicherung deklariert nun diesen Schaden als Betriebsschaden und ich bleibe auf den Kosten trotz Vollkasko sitzen.
Meine Frage ist nun, ob es irgendeine Möglichkeit gibt die Bersicherung umzustimmen? Am Unfalltag war es auch laut Wetterbericht windig mit starken Wind-Böen. Würde das evtl. einen Unterschied machen? Macht es Sinn einen Gutachter drüber schauen zu lassen oder muss ich mich meinem Schicksal ergeben?

Besten Dank im Voraus.
S.W.

R+V Blog ist nicht korrekt;
KEX Deckung kann auch für PKW mittels KEX eingeschlossen werden. somit sin dann Betriebsschäden versichert.
mfg
GA Kistler

    Der Betriebsschaden in der Vollkaskoversicherung Monika Hochscheid

    09:28 17.08.2016

    Hallo Herr Kister,
    vielen Dank für Ihren Hinweis. Vielleicht habe ich mich etwas unverständlich ausgedrückt. Mit dem Satz „auch bei den Privatfahrzeugen hat sich einiges getan“ wollte ich genau dies ausdrücken. Bei den Privatfahrzeugen ist es noch nicht selbstverständlich, dass ein Leistungseinschluss für Brems-, Betriebs- und Bruchschäden abgeschlossen werden kann. Bei uns ist dies mit dem Einschluss des Zusatzbausteines KEX in der Vollkasko-Versicherung möglich.
    Viele Grüße
    Monika Hochscheid

Christian R.

11:03 23.05.2017

Folgenden Sachverhalt hätte ich gerne geklärt bzw. Ihre Meinung hinterfragt, ob hierfür Versicherungsschutz besteht:

Ein zugelassenes Motorrad, welches Vollkasko versichert ist, wird in einem geschlossenen Anhänger transportiert.

Kommt es jetzt z. B. wegen einer Vollbremsung zu einem Unfallereignis und der Inhalt des Anhängers, also das Motorrad, wird beschädigt, liegt dann ein Betriebsschaden vor? Falls ja, wird für den Vertrag des Motorrades auch die hier weiter unten beschriebene Zusatzdeckung KEX benötigt, oder?

Kann ich davon ausgehen, dass der Vollkaskoschutz – insbesondere dieses Motorrades – auch während eines Transportes greift? Oder ist dieser sowieso ausgeschlossen, da das Motorrad sich nicht im Betrieb befindet?

Vielen Dank für Ihre Mühe als auch eine zeitnahe Rückmeldung.

Andreas Lind

13:27 07.06.2017

Guten Tag, Herr R.,

für die Leistung aus der Vollkaskoversicherung muss der Unfallbegriff erfüllt sein. Wird das Motorrad auf dem Anhänger transportiert und verrutscht das Motorrad beispielsweise beim Bremsen, ist der Unfallbegriff nicht erfüllt. Die eigentliche Ursache ist die unzureichende Ladungssicherung. Somit kommt die Vollkasko nicht auf.

Eine Kaskoextraversicherung für das Motorrad hilf hier ebenfalls nicht, jedoch kann eine Transportversicherung für das Motorrad abgeschlossen werden.

Da jeder Schadenfall jedoch individuell ist, muss im Einzelfall der Versicherungsschutz geprüft werden.

Mit freundlichen Grüßen

Andreas Lind

A.S.

10:40 15.07.2017

Guten Tag,
ich habe folgenden Sachverhalt meiner Kaskoversicherung gemeldet:
Beim Rückwärtsfahren ist der Anhänger eingeschlagen und hat bei Zugfahrzeug den hinteren rechten Teil eingedrückt.
Das Zugfahrzeug, welches auf mich zugelassen und versichert ist wurde von meinem Schwiegersohn gefahren, welcher als Fahrer in dem Versicherungsvertrag mit aufgenommen ist. Der Anhänger jedoch ist auf meinen Schwiegersohn zugelassen und versichert.
Meine Versicherung hat mir nun mitgeteilt, dass der Schaden nicht übernommen wird, da es sich um einen Betriebsschaden handelt.
Müsste dann in diesem Fall nicht die Anhängerversicherung von meinem Schwiegersohn den Schaden übernehmen oder eventuell die Privathaftpflichtversicherung.
Bin sehr auf Ihre Meinung gespannt.
Viele Grüße
A.S.

Andreas Lind

14:53 26.07.2017

Guten Tag, A.S.,

da wir weder die konkrete Versicherung, noch deren Versicherungsbedingungen oder die genauen abgeschlossenen Produkte kennen, können wir zum vorliegenden Sachverhalt keine Auskunft treffen.

Wir bitten an dieser Stelle um Ihr Verständnis.

Mit freundlichen Grüßen

Andreas Lind