Digitale Grenze? Messaging-Apps auch für die Arbeit nutzen?

Digitale Grenze? Messaging-Apps auch für die Arbeit nutzen?
3. Jul 2017

von Katharina Zehner

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WhatsApp und Co. werden immer beliebter. Allein in Deutschland verwenden knapp 70 Prozent der Internetnutzer Kurznachrichtendienste – Tendenz steigend. Der Übergang von privater zur beruflichen Nutzung dieser Dienste ist oft fließend – Fluch oder Segen?

Kurz eine Botschaft an die ganze Familie, schnell eine Nachricht an den besten Freund – Messaging-Apps sind einfach und praktisch. Doch wie ist es, wenn nach Feierabend das Handy piept und der Chef sich via WhatsApp meldet? Längst werden diese Nachrichten-Dienste auch beruflich genutzt.

Wir sind an einem Sonntagnachmittag bei unseren Nachbarn eingeladen. Gastgeber Fabian steht an seinem Grill und wendet die Würstchen, als sein Handy in der Hosentasche vibriert. „Kannst Du mal übernehmen?“, fragt er mich und hält mir die Grillzange hin.

Via WhatsApp hat er von seinem Abteilungsleiter erfahren, dass dieser noch ein paar Unterlagen für das Meeting am Montagmorgen von ihm benötigt und zwar gerne in den nächsten beiden Stunden. „Das mach ich lieber sofort“, sagt Fabian und verschwindet ins Haus.

Ich überlege kurz, ob ich dem Chef mal schreibe, dass ich Sorgen um meine Würstchen habe, lasse es aber lieber. Als Fabian nach 20 Minuten zurückkommt, sitzen wir schon am Tisch. Den Würstchen geht es gut. Schlechte Laune hat Fabian ob des spontanen Arbeitseinsatzes nicht. „Das ist bei uns so abgesprochen und für mich völlig in Ordnung“, erklärt er.

Messenger löst E-Mail und SMS ab

Ich allerdings bin noch immer ziemlich irritiert und frage, wie oft denn so etwas vorkommt. „Am Wochenende tritt das wirklich nur im Notfall auf, aber im Alltag bekomme ich schon öfter mal eine berufliche Anweisung per Nachricht,“ so Fabian.

Er berichtet, dass sie auch einzelne Gruppen eingerichtet haben, in denen sie sich beruflich Informationen und Anfragen senden, zudem schicken sich die Kollegen auch über diesen Kanal Dokumente und Pläne. „Bei uns läuft schon länger nicht mehr zwingend alles über Mails“, klärt mich mein Nachbar auf. SMS sind für ihn sogar Geschichte.

Und hiermit liegt Fabians Unternehmen voll im Trend. Die Weiterentwicklung der Technologie macht viel mehr Dienste möglich, als das einfache Versenden von Kurznachrichten. So chatten Kollegen während der Arbeitszeit miteinander, tauschen sich aus und erhalten eine unmittelbare Rückmeldung. Der Arbeitsprozess läuft auf diese Art und Weise schneller und effizienter. Möglich, dass die Messaging-Dienste die E-Mail bald ganz ablösen.

Erreichbarkeit – klare Regeln aufstellen

„Dass die Anforderungen an Mitarbeiter in Unternehmen insbesondere in den Bereichen Flexibilität durch die digitale Vernetzung gestiegen sind, war uns allen irgendwie klar. Wir haben aber auch klare Regeln abgesprochen, damit wegen der Nachrichten nach Feierabend oder am Wochenende kein Unmut aufkommt“, erläutert Fabian weiter. Der Germanist arbeitet in einem kleinen Unternehmen. Ich bin mir nicht sicher, ob unser Betriebsrat einer Nutzung zustimmen würde.

Eine klare Trennung zwischen beruflicher und privater Nutzung wäre auf dem Messaging-Kanal zwar etwas schwieriger, doch durchaus machbar. So kann man sich beispielsweise im Vorfeld bei seinen Kollegen „abmelden“ oder in seinem Status angeben „nicht erreichbar“, wenn man auf keinen Fall gestört werden will. „In unserer Gruppe ist das dann sichtbar und ein anderer Kollege kann dann gegebenenfalls einspringen und übernehmen“, sagt Fabian.

Die mehr geleisteten Arbeitszeiten lässt sich der Angestellte übrigens als Überstunden anrechnen. Im letzten Jahr habe er auf diese Weise länger Urlaub machen und richtig entspannen können, berichtet er. „Wurdest Du denn in dieser Zeit gar nicht gestört?“, frage ich neugierig. „Kein einziges Mal“, sagt er lächelnd und ergänzt: „Mein Status war eindeutig: Urlaub – nicht erreichbar.“ Ich muss schmunzeln und füge hinzu: „Denke mal über den Status: Würstchen auf dem Grill nach“.

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Digitale Grenze? Messaging-Apps auch für die Arbeit nutzen?
Katharina Zehner

Mitarbeiterin Personalmarketing; bloggt über Personal- und Karrierethemen im Allgemeinen sowie Berufsbilder und Hinter den Kulissen Eindrücke bei der R+V.

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Kommentare

Matthias Schwarze

08:40 04.07.2017

Dass z. B. Whattsapp das gesamte Telefonbuch kopiert und in die USA überträgt, bedenkt kaum jemand. Je nach Datenschutzvereinbarung mit Dienstleistern hat man mit der Installation von Whattsapp und dem Anlegen geschäftlicher Kontakte schon einen Verstoß gegen die eigene Datenschutzvereinbarung.

Gabriele Kaupp-Stöckl

20:29 04.07.2017

Liebe Frau Zehner, als ehemalige Betriebsrätin von R+V haben sich mir beim lesen dieses Artikels leicht die Nägel gekräuselt. Sie hätten nicht auf irgendwelche Firmen zurückgreifen müssen, bei R+V gibt es außer dem Tarifvertrag ganz klare Regel was Arbeitszeitthemen betrifft. Ich bin der Überzeugung unsere Personalabteilung oder der Betriebsrat sind Ihnen da gerne behilflich. Unsere Regelungen zur Arbeitszeit können sich nämlich durchaus auch in diesen Zeiten sehen lassen und der interessierte Leser hätte etwas wirklich hilfreiche an die Hand bekommen.

Digitale Grenze? Messaging-Apps auch für die Arbeit nutzen? Katharina Zehner

09:59 05.07.2017

Hallo Frau Kaupp-Stöckl,

schön, dass Sie den R+V-Blog verfolgen! Im Artikel geht es vornehmlich um die Nutzung von Messenger Diensten. Da wir diese bei R+V nicht nutzen, geht es hier um die Erfahrungen die andere Arbeitnehmer (in diesem Fall unser Interviewpartner Fabian) mit der Nutzung von WhatsApp und Co. gemacht haben.

Das wir bei R+V sehr arbeitnehmerfreundliche Regelungen zur Arbeitszeit haben, welche sich durchaus sehen lassen können, haben wir hier im Blog auch schon thematisiert.
https://www.ruv-blog.de/flexibles-arbeiten-bei-rv/

Vielen Dank trotzdem für Ihre Anregung zu dem Thema. Ggf können wir dieses bei einem weiteren Blogbeitrag mit aufnehmen.

Viele Grüße,
Katharina Zehner

Digitale Grenze? Messaging-Apps auch für die Arbeit nutzen? Katharina Zehner

10:05 05.07.2017

Hallo Herr Schwarze,

vielen Dank für Ihren Kommentar! Wir bei R+V nutzen bislang keine Messenger Dienste wie WhatsApp und Co., da – wie Sie sehr richtig angemerkt haben – die Nutzung, vor allem was die Datenschutzrichtlinien angeht, schwierig sind.

Viele Grüße,
Katharina Zehner

Matthias Schwarze

13:51 05.07.2017

Das kenne ich aus meiner Zeit bei R+V anders. Da wurden durchaus Whattsappgruppen verwendet.