Ein Schild wird zum Schutzschild

Ein Schild wird zum Schutzschild
3. Sep 2019

von Eva Kuschfeldt

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Vor 20 Jahren unterstützte die R+V in Riedstadt-Erfelden eine Bürgerinitiative. Zum Schutz gegen Einbrecher wurden fünf gelbe Schilder aufgestellt. Sie stehen dort bis heute. Die Einbrecher sind lange weg.

Maic-Lothar Schwind muss lachen: „Nach den vielen Jahren setzen die Schilder natürlich Schmutz an, also schnappe ich mir einen Lappen und putze sie immer mal ab.“ Denn die Schilder sind für den 65-Jährigen R+V-Pensionär ein sichtbares Zeichen „einer gelungenen und bis heute wirkungsvollen Bürgerinitiative“.

Aber der Reihe nach: In dem Wohngebiet von Riedstadt-Erfelden bei Darmstadt lebt Schwind schon seit mehr als 20 Jahren. „Mitte bis Ende der 1990er Jahre häuften sich bei uns die Einbrüche“, erinnert sich der ehemalige R+V-Mitarbeiter. Sein Häuschen sei zwar verschont geblieben, „aber es war schlimm, was unsere Nachbarn erlebt haben“. Zerstörte Türen, kaputte Schränke, durchwühlte Schubladen, gestohlene Wertgegenstände und eine permanente Angst.

Bürgerinitiative gegen Einbrecher

Um nicht nur hilflos zuzusehen, gründeten die Riedstädter eine Bürgerinitiative. „Wir wollten was tun“, sagt Schwind. Gemeinsam mit der Polizei und Lokalpolitikern diskutierten die Bürger, wie man sich schützen könne. Von der Polizei kam der Tipp, gegenseitig auf die Häuser zu achten und unbekannte Personen, die suchend herumstünden, einfach anzusprechen. Zudem riet die Polizei auch, Aufkleber anzubringen mit dem Hinweis, dass man hier eine achtsame Nachbarschaft habe.

Doch solche Aufkleber und insbesondere Schilder an den Straßeneinmündungen ließen sich über die Polizei damals nicht organisieren, die Riedstädter mussten sie auf eigene Kosten anfertigen lassen. „Also habe ich einfach, die R+V, meinen Arbeitgeber, gefragt, ob sie uns nicht unterstützen könne“, erzählt Schwind. Diese half mit 1000 D-Mark, womit die Riedstädter insgesamt fünf Schilder mit der Aufschrift „Nachbarn passen auf“ anfertigen lassen und aufstellen konnten. Die großen gelben Schilder sind im Ortsbild noch viel auffälliger als Aufkleber am Briefkasten oder an der Haustür.

Keine Einbrüche mehr

Und es hat funktioniert: Die Einbrüche gingen tatsächlich schlagartig auf Null zurück – bis heute bleibt Riedstadt-Erfelden weitgehend vor Langfingern verschont. „Seitdem haben wir Ruhe“, sagt Schwind. Die Schilder seien wie Schutzschilder und werden sicher nicht abmontiert. Und wenn sie zu schmutzig werden, holt Schwind kurzerhand den Lappen raus.

Gastautorin: Gaby Buschlinger, Konzern-Kommunikation

Foto: Paul Müller

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Eva Kuschfeldt

Volontärin in der Konzern-Kommunikation, bloggt über eigene Erlebnisse im Unternehmen, Themen der Konzern-Kommunikation und soziale Projekte bei R+V

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