Energiegenossenschaften – Energiewende aus Bürgerhand

Energiegenossenschaften – Energiewende aus Bürgerhand
30. Apr 2019

von Dr. Markus Berneiser

0

Die Energiewende ist in vollem Gange. Der Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch wächst beständig: von rund sechs Prozent im Jahr 2000 auf rund 38 Prozent im Jahr 2018. Bis zum Jahr 2025 sollen 40 bis 45 Prozent des in Deutschland verbrauchten Stroms aus erneuerbaren Energien stammen. Energiegenossenschaften nehmen hierbei eine tragende Rolle ein und leisten einen wertvollen Beitrag  für die Umwelt und ihre Region.

Stefan Scholz ist Vorstandsvorsitzender der in Diez ansässigen pro regionale energie eG. Mit ihm haben wir über seine Energiegenossenschaft und die Vorzüge der Bürgerbeteiligung gesprochen.

Herr Scholz, wann und mit welchen Projekten ging die pro regionale energie eG an den Start?

Scholz: Unsere Energiegenossenschaft wurde im April 2009 von sechs Leuten gegründet. Seit 2010 kooperieren wir mit den regional ansässigen Volksbanken. Ziel ist die Umsetzung der Energiewende in Bürgerhand.

Erste Projekte waren Photovoltaikanlagen auf öffentlichen Gebäuden – Schulen, Kindergärten und Dorfgemeinschaftshäuser. Die Energie dieser Anlagen speisen wir vollständig ins öffentliche Stromnetz ein.

Wer beteiligt sich an der Energiegenossenschaft und wie wird das Angebot in der Region aufgenommen?

Scholz: Nach dem Zwiebelschalenprinzip beteiligen wir zuerst die Bürger am Projektstandort. Aktuell hat die pro regionale energie eG rund 350 Mitglieder, die mit ca. 3 Mio. Euro an der Genossenschaft beteiligt sind.

Neben der aktiven Mitwirkung der Bürger bei der Energiewende liegt ein weiterer Vorteil der Bürgerenergie darin, dass ein höherer Anteil der Wertschöpfung in der Region verbleibt, als wenn externe Projektierer am Werk sind.

Seit Frühjahr 2017 sind wir gemeinsam mit der Bürgerwerke eG in der Stromversorgung tätig. Bürgerstrom wird von vielen kleinen Erzeugern produziert und ist 100%iger Ökostrom aus Deutschland. Der Strom-Mix kommt aus Wasserkraft-, Windkraft- und Photovoltaikanlagen.

Welchen Beitrag leistet die Energiegenossenschaft zur Energiewende? Wie hoch ist der Beitrag zur CO2-Einsparung?

Scholz: Unsere Dach-Photovoltaikanlagen haben eine Nennleistung von 850 kWp. Größtes Einzelprojekt ist unser Solarpark. Er hat 3,5 MW-Nennleistung, produziert pro Jahr ca. 3,5 bis 3,7 Mio. kWh Strom (entspricht dem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 960 Haushalten) und spart damit jährlich rund 1.700 to CO2 ein.

Wie geht es weiter – sind neue Geschäftsfelder geplant?

Scholz: Seit Sommer 2018 bauen wir Photovoltaikanlagen auch für den Eigenstromverbrauch. Aktuell arbeiten wir an der Umsetzung der Mobilitätswende mit unserem ersten eCarsharing-Projekt für ein Wohnviertel (Quartierslösung). Für unser Konzept, das sich an Wohnungseigentümergemeinschaften, Straßenanlieger, Firmen und Vereine richtet, wurden wir mit dem Bürgerenergiepreis 2018 des Bündnis Bürgerenergie e.V. ausgezeichnet.

Müssen Energiegenossenschaften Hindernisse überwinden? Falls ja, welches sind die größten Hindernisse?

Scholz: Zu den Stärken der Genossenschaft zählt zweifellos die Bürgerbeteiligung. Ab einem Betrag von 100 Euro kann jeder Bürger an der Energiewende partizipieren und sich dabei selbst einbringen.

Das Interesse an einer Beteiligung ist sehr groß, leider wird es immer schwerer neue Projekte zu erhalten. Kritisch ist vor allem das Thema Windkraft. Auf Grund der zu hinterlegenden Kaution im Ausschreibungsverfahren und des Projektierungsrisikos – Genehmigungsverfahren dauern mittlerweile bis zu 6 Jahre und länger, halten sich viele Energiegenossenschaften von diesem Thema fern. Fertig projektierte Windparks werden im Bieterverfahren ausgeschrieben. Als Wettbewerber sind hier Banken, Versicherungen, Privat Offices und Fonds zu nennen. Fast unmöglich, dass in diesem Verfahren eine Energiegenossenschaft den Zuschlag erhält. Zudem ist das Thema mittlerweile sehr negativ besetzt. Große Teile der Bevölkerung sind gegen Windkraftanlagen – wozu auch der Gesetzgeber beigetragen hat.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Scholz: Für die Zukunft wünsche ich uns eine bessere Zusammenarbeit mit den Kommunen in unserer Region und weniger Regulierung durch den Gesetzgeber.

Herr Scholz, vielen Dank für das Gespräch!

Nähere Informationen zu Versicherungen für Betreiber von Anlagen für Erneuerbare Energien finden Sie auf unserer Website.

Schlagworte
empfehlen
empfehlen
Das könnte Sie auch interessieren
Kommentare