Erste Hilfe nach traumatischen Ereignissen

Erste Hilfe nach traumatischen Ereignissen
12. Jul 2012

von Karin Clemens

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Schwerwiegende, lebensbedrohliche Ereignisse können für die Betroffenen traumatisch sein und nicht nur körperliche, sondern auch tiefgreifende seelische Verletzungen zur Folge haben.

Man geht davon aus, dass sich – wenn keine fachgerechte Hilfe bereitgestellt wird – bei einem Teil aller Betroffenen langfristige psychische Beschwerden entwickeln, wie zum Beispiel die sogenannte posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). Bei Raubüberfällen sind es zum Beispiel ca. 20 bis 30% aller Betroffenen die nachfolgend unter einer PTBS leiden.

Nicht erkannte oder unbehandelte Traumafolgestörungen stellen nicht nur ein andauerndes hohes Leidenspotential für die Betroffenen dar, sondern führen auch zu hohen Arbeits- und Ausfallzeiten.

Hierbei hat es sich bewährt, den Betroffenen eine frühzeitige Beratung und Begleitung von speziell geschulten Psychologen anzubieten.

  • Im ersten Schritt dieser psychologischen Beratung muss zuerst eine Aufklärung über die verschiedenen Belastungsreaktionen erfolgen. Menschen reagieren unterschiedlich und zum Teil sehr heftig während eines und unmittelbar nach einem traumatischen Erlebnis.
  • Diese Reaktionen sind aber erst einmal eine „normale“ Reaktionen auf ein außergewöhnliches Ereignis und weisen vielmehr darauf hin, dass das Erlebte Schritt für Schritt verarbeitet werden muss.
  • Im zweiten Schritt der psychologischen Beratung muss der Psychologe erkunden, mit welchen individuellen Ressourcen oder mit welchen neuen Techniken der Betroffene sich selber helfen kann, sich zu stabilisieren und seinen weiteren Verarbeitungsprozess zu unterstützen (Hilfe zur Selbsthilfe).
  • Die psychische Verarbeitung eines traumatischen Erlebnisses kann mehrere Wochen andauern und von Symptomen wie Erinnerungsattacken, Vermeidungsverhalten, Schlaf- und Konzentrationsstörungen begleitet werden. Auch diese Symptome sind noch normale Reaktionen in einem Verarbeitungsprozess, soweit sie in den folgenden Tagen und Wochen langsam abklingen.
  • Ob die Verarbeitung eines traumatischen Erlebnisses gelingt oder ob der  Betroffene erkrankt, hat nichts damit zu tun, dass der- oder diejenige grundsätzlich zu „schwach“ oder zu „labil“ ist. Eine Vielzahl von Risikofaktoren ist dafür zuständig, dass der Betroffene mit der Gesamtsituation völlig überfordert wird.
  • Im dritten Schritt muss der Psychologe diese Risikofaktoren erkennen und einschätzen,, wie hoch das Risiko für eine Folgeerkrankung des Betroffenen ist im sogenannten „Risikoscreening“.

Traumatisierte mit einem hohen Risiko für eine Folgestörung müssen in adäquate Therapie vermittelt werden, um Chronifizierung und anhaltendes Leiden zu vermindern und bestenfalls zu verhindern.

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Erste Hilfe nach traumatischen Ereignissen
Karin Clemens

Dipl.-Psych., Geschäftsführerin von HumanProtect Consulting (HPC), ein Tochterunternehmen der R+V, das Dienstleistungen rund um die psychische Gesundheit anbietet.

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