Fahranfänger – welche Schadenfreiheitsklassen-Einstufungen sind möglich?

Fahranfänger – welche Schadenfreiheitsklassen-Einstufungen sind möglich?
20. Feb 2013

von Monika Hochscheid

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Meine Tochter ist jetzt 17 Jahre alt und macht gerade ihren Führerschein. Was müssen wir beim Abschluss einer Kfz-Versicherung beachten? Mit welchem Schadenfreiheitsrabatt wird sie eingestuft?

Damit sie mit ihrem eigenen Auto Fahrpraxis erlernen kann, habe wir ihr bereits jetzt ein kleines gebrauchtes Auto gekauft. Ist der Führerschein geschafft, kann sie solange sie noch nicht 18 Jahre alt ist mit unserer Begleitung auf ihrem eigenen Auto am Begleiteten Fahren teilnehmen. So lernt sie das Fahrverhalten ihres Autos kennen und hat es mit 18 leichter, ohne Begleitung zu fahren.

Aber bevor meine Tochter überhaupt mit uns fahren kann, muss erst einmal für ihr Auto eine Kraftfahrzeug-Versicherung her.

Fahranfänger ohne eigenen Schadenfreiheitsrabatt (SFR)

Grundsätzlich haben Fahranfänger ja noch keinen eigenen SFR, auf den sie zurückgreifen können. Sie müssen also als Neueinsteiger mit der Klasse 0 anfangen.

Hohe Beitragssätze bei niedrigen Schadenfreiheits (SF)-Klassen

Die Versicherer haben unterschiedliche SFR-/Beitragssatz-Tabellen. Ich bediene mich im Weiteren unserer aktuellen Tabellen, die in den Allgemeinen Bedingungen für die Kfz-Versicherung (AKB) der R+V Allgemeine Versicherung verankert sind.

Lange Rede, kurzer Sinn – unsere Tochter müsste in der SF-Klasse 0 mit einem Beitragssatz von 96 % in der Haftpflichtversicherung anfangen. Das ist ganz schön teuer.

Für uns ist es aber wichtig, dass sie von Anfang an ihren eigenen SFR “erfährt“. Darum kommen Einstufungsregelungen über andere Personen für uns nicht in Betracht. Man erspart sich nach vielen Jahren das Hin und Her um den Schadenfreiheitsrabatt.

Weitere Ersteinstufungsmöglichkeiten für Fahranfänger

Damit wir etwas Geld sparen können, haben wir nach Alternativen gesucht:

Ich habe einen eigenen Kraftfahrzeug-Versicherungs-Vertrag. Dort ist ein Pkw versichert und ich fahre bereits seit einigen Jahren schadenfrei, d. h. ich habe einen hohen SFR. Unsere Tochter kann jetzt, da alle Voraussetzungen für die sogenannte Elternregelung erfüllt sind, einen Vertrag mit der SF-Klasse ½ abschließen.

So kann sie bereits mit einem Beitragssatz von 76 % beginnen und spart dadurch schon einiges. Die Elternregelung bieten viele Versicherungsgesellschaften an.

Die Voraussetzungen sind:

  • ein Elternteil des zum Unterhalt verpflichteten Kindes hat einen Vertrag
  • für einen Pkw, ein Campingfahrzeug oder ein Kraftrad
  • mit mindestens der SF-Klasse ½

Gibt es neben der Elternregelung noch weitere Möglichkeiten?

Einige Versicherer bieten auch noch andere Sonder-Ersteinstufungsmöglichkeiten an.

Aber Achtung: Sondereinstufungen kann man grundsätzlich nicht mit zu einem anderen Versicherer nehmen! Mühsam erfahrene SF-Klassen können so beim Versicherungswechsel verloren gehen.

Bei der R+V Allgemeine Versicherung gibt es die Sondereinstufung „Kunden-Kinder-Regelung“ (KuKi-Regelung). Mit der KuKi-Regelung kann meine Tochter den Versicherungs-Vertrag bereits mit der SF-Klasse 2 (56 %) beginnen.

Wie der Name schon erahnen lässt, ist diese Sondereinstufung an bestimmte Voraussetzungen gebunden:

  • ein Elternteil des zum Unterhalt verpflichteten Kindes hat einen Vertrag
  • bei einer Konzerngesellschaft der R+V Versicherungsgruppe (R+V Allgemeine Versicherung, KRAVAG ALLGEMEINE Versicherung, Condor Versicherung)
  • für einen Pkw, ein Campingfahrzeug oder ein Kraftrad
  • mit mindestens der SF-Klasse 5
  • zusätzlich besteht ein weiterer Vertrag ≠ Kraftfahrtversicherung auf den Namen der Eltern oder des Kindes
  • im Vertrag des Kundenkindes ist kein abweichender Halter vorhanden und
  • die Nutzer des Fahrzeugs sind das Kundenkind und die Eltern

Ganz schön viel, was da an Voraussetzungen eingehalten werden muss. Aber bei solchen Sonder-Einstufungsmöglichkeiten für Fahranfänger ist der Versicherer natürlich daran interessiert, in erster Linie die eigenen Kunden entsprechend zu belohnen.

Hohes Risiko bei jungen Fahrern

Fahranfänger sind zu einem hohen Prozentsatz an allen Unfällen mit tödlicher Unfallfolge beteiligt; sie gelten als großes Risiko. Daher gibt es nicht allzu viele Sonder-Einstufungsmöglichkeiten für sie und sie müssen hohe Versicherungsprämien bezahlen.

Nicht nur die Einstufung des Versicherungsvertrages spart Geld

Noch ein paar zusätzliche Tipps:

Oft wird die Teilnahme an der Maßnahme Begleitetes Fahren bei den Versicherern honoriert. Oder es gibt noch andere Nachlassmodelle, wenn die Familie komplett im Unternehmen versichert ist.

Aber auch die Wahl des Fahrzeugs spielt eine Rolle. Jedem Pkw liegt eine Typklasse zu Grunde. Man sollte also beim Kauf nicht nur vom „Aussehen“ ausgehen, auch die Wahl des Fahrzeugtyps ist für den Beitrag relevant.

Und natürlich ist auch der Sicherheitsaspekt beim Autokauf wichtig. Es muss nicht unbedingt ein neues Auto sein, aber achten Sie zur Sicherheit Ihrer Kinder darauf, dass es nicht ein ganz altes „Hündchen“ ist. Bei Unfällen kann dies eine große Rolle spielen.

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Fahranfänger – welche Schadenfreiheitsklassen-Einstufungen sind möglich?
Monika Hochscheid

Abteilung Kraftfahrt-Betrieb, Gruppe Qualitäts-, Prozess-, Projektmanagement; bloggt über spezifische Fragestellungen zur Kfz-Versicherung

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Kommentare

Andreas Kunze / http://www.finblog.de

16:15 21.02.2013

Sehr nutzwertiger, gut gemachter Artikel.

Wolfgang Eck

15:28 17.11.2016

Klasse gemacht – klare Ansagen zum komplexen Thema Kfz-Versicherung und SF- Vorteile bei Fahranfängern. Das empfehle ich gerne weiter! Danke