Forderungsausfall: Leistung erbracht und wo bleibt die Zahlung?

Forderungsausfall: Leistung erbracht und wo bleibt die Zahlung?
24. Jan 2017

von Erik Rauschkolb

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Obwohl sich Deutschland eines gesunden Wirtschaftswachstums erfreut, kommt es immer wieder zu Insolvenzen von eigentlich gesunden Unternehmen. Die gute Auftragslage führt fast unweigerlich zu einem Anstieg der Lieferantenkredite – schleppende Zahlungen oder Forderungsausfälle durch Kundeninsolvenzen können schnell die eigene Existenz gefährden.

Wie kann ich mich bestmöglich vor Verzögerungen oder gar Zahlungsausfällen schützen? Was muss ich beachten?

Hobby zum Beruf gemacht

Brit Mayen liebt Stoffe. In ihrer Freizeit hat sie seit jeher genäht und Kleinigkeiten für Familie und Freunde hergestellt. Ihr Hobby weitete sich langsam aus, so dass sie neben ihrem Job eine Nebentätigkeit anmeldete. Vor zwei Jahren dann entschloss sich die 32-Jährige ihr eigenes Geschäft zu eröffnen. Gemeinsam mit ihrem Mann, einem Polsterer, eröffnete sie einen Laden, der Möbel aufpolstert und neubezieht. „Unser Geschäft florierte schnell“, erinnert sich Mayen, die mit einem wohlüberlegten Businessplan in die Selbstständigkeit gestartet war.

Das besondere Stoff-Label sprach sich herum, so dass eines Tages ein großer Veranstalter anfragte, ob er zur Sommersaison eine komplette Hochzeitskollektion mit stoffbezogenen Stühlen bis hin zu passenden Stoff-Servietten von ihnen erwarten könne. „Wow, tolle Konditionen – ein Großauftrag“, erinnert sich Mayen. Brit Mayen und ihr Mann legten sich ins Zeug und konnten sogar den zeitlich knapp bemessenen Liefertermin pünktlich einhalten. „Wir stellten sogar noch zwei weitere Mitarbeiter als Aushilfen ein“, so Mayen. Wenige Tage später folgte das böse Erwachen. Statt der Überweisung des sechsstelligen Betrags, schickte der Auftraggeber die komplette Ware zurück und teilte per Zweizeiler mit, er sei zahlungsunfähig.

Unternehmen vor dem Aus

Für das kleine, eigentlich gesunde Unternehmen hätte das in diesem Fall das Aus bedeuten können, schließlich mussten auch die Eheleute Mayen ihren Verbindlichkeiten für ihren Laden, ihre Mitarbeiter und die angefallenen Materialkosten nachkommen. „Eigentlich hat uns ein Zufall vor der Geschäftsaufgabe gerettet“, sagt Brit Mayen. Ein Freund aus dem Baugewerbe hatte sie vor Geschäftsgründung auf die Möglichkeit einer Forderungsausfall- bzw. Warenkreditversicherung hingewiesen, da dieser schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht hatte. „Genau durch diesen Versicherungsschutz wurden unsere Forderungen beglichen und wir konnten unseren Verbindlichkeiten nachkommen“, erzählt die Jung-Unternehmerin.

Fünf Tipps, die vor Forderungsausfall schützen können

1. Unternehmen überprüfen

Im Handelsregister, das kostenlos eingesehen werden kann, lassen sich mögliche Insolvenzverfahren und weitere Unternehmensdaten erkennen. Vor Vertragsabschluss sollte die Bonität Ihrer Kunden überprüft werden. Greifen Sie dabei auf alle verfügbaren Informationen zurück, die Ihnen eine Bonitätsbewertung  erlauben (IHK, Handelsregister). Befragen Sie bei Bestandskunden parallel dazu Ihre Mitarbeiter zu Erfahrungen aus früheren Auftragsabwicklungen.

2. Eindeutig definiertes Vertragswerk

Definieren Sie die genaue Erbringung der Leistung im Vertrag mit Angaben zu Leistungsvolumen, Leistungsspezifikation und Zahlungsfristen sowie die Zahlungsweise. Regeln Sie zudem, wie die Gewährleistung erfolgen soll.

3. Zeitnahe Rechnungsstellung und Überprüfung der Zahlungseingänge

Ist die vereinbarte Leistung erbracht und die Abnahme erfolgt, sollte die Rechnungsstellung zeitnah erfolgen. Die Forderung muss prüffähig sein, denn jeder Fehler kann ggf. dazu genutzt werden, die Zahlung aufzuschieben oder ganz zu verweigern. Prüfen Sie Ihre Zahlungseingänge fortlaufend. Auf diese Weise lassen sich Zahlungsverzüge zeitnah feststellen.

4. Konsequentes Mahnwesen und Eintreiben der Forderungen

Mahnen Sie konsequent, wenn die Zahlungsziele überschritten werden. Prüfen Sie die Bonität eines Schuldners erneut, bevor Sie die Beitreibung der Forderung einleiten. Der Schuldner muss zwar die Kosten für die Beitreibung übernehmen, aber natürlich nur, wenn er diese auch tatsächlich begleichen kann. Zudem müssen Sie als Gläubiger die Kosten zunächst auslegen.

5. Schutz gegen Ausfälle

Der sicherste Weg gegen Forderungsausfall ist der Abschluss einer Warenkreditversicherung. Gegenstand ist die Absicherung von Forderungen aus Warenlieferungen und Werk- oder Dienstleistungen an gewerbliche Kunden im Falle des Zahlungsverzugs oder der Zahlungsunfähigkeit. Es erfolgt eine ständige Bonitätsprüfung und -überwachung der Kunden sowie eine Zahlung im Schadenfall, so dass die Gefahr eines Liquiditätsengpasses oder gar der eigenen Existenzgefährdung durch den Ausfall einer oder mehrerer Forderungen minimiert wird.

Interessieren Sie sich für eine Absicherung gegen Forderungsausfall? Dann lassen Sie sich individuell beraten.

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Erik Rauschkolb

Social Media Community Manager; bloggt über Themen rund um Finanzen und Versicherungen sowie über Neuigkeiten und Aktionen der R+V im Social Media Bereich.

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