Genossenschaft meets Social Business

Genossenschaft meets Social Business
10. Jul 2018

von Dr. Karsten Eichner

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Beim ersten Social Business Forum in Wiesbaden sprachen in der R+V Akademie rund 100 Gäste über das Thema unternehmerische Verantwortung.

Schülergenossenschaft

Schülergenossenschaft des Theresianum Mainz

Wie ein erfolgreicher Vorstand sieht Marie Kleinert auf den ersten Blick nicht aus. Doch die 16-jährige Gymnasiastin kann für die „Office & Snacks“ Schülergenossenschaft bereits beeindruckende Zahlen vorlegen: 13.000 Euro Umsatz im ersten Halbjahr, treue Kunden und schwarze Zahlen. Kleinert und 100 weitere Schüler des Theresianum Mainz haben sich 2017 zusammengetan und verkaufen seither im eigenen Shop alles, was Schüler und Lehrer für einen erfüllten Schultag so benötigen: von Limo und Säften über Schokoriegel bis hin zu Heften und Stiften.

Genossenschaftsnachwuchs zu Gast in der R+V Akademie

Ihre ersten Gehversuche im Einzelhandel schilderten Kleinert und drei Genossinnen Mitte Juni auf dem Social Business Forum in der R+V Akademie. R+V hatte als Gastgeber mehr als 100 Vertreter von Genossenschaften und gesellschaftlich engagierten Unternehmen (Social Business) eingeladen. Die Teilnehmer diskutierten, wie ihre Organisationen zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen beitragen können.

André Dörfler beim Friends of Social Business Forum

André Dörfler beim Friends of Social Business Forum

Auf dem Programm standen auch gelungene Praxisbeispiele, etwa das von „Office & Snacks“. Den Zuhörern schilderten die Jungunternehmerinnen, welche Aufgaben sie meistern mussten. Dazu zählten nicht nur der Ein- und Verkauf, sondern auch alle Formalitäten. Denn obwohl ihre Genossenschaft ein Schulprojekt ist, müssen auch hier etwa ein Vorstand und ein Aufsichtsrat gewählt werden. Bei Businessplan und Buchhaltung steht die Mainzer Volksbank den Schülern als Partner zur Seite. Dass die Genossenschaftsidee auch heute aktuell ist, bewiesen nicht nur die Mainzer Schüler. In den vielen Gesprächsrunden des Forums gaben die Experten einen Überblick über die Thematik. Diese reichte von Energie- und Sozialgenossenschaften bis hin zu Genossenschaften weltweit. Immerhin sind in ihnen über eine Milliarde Menschen organisiert, in Deutschland fast 23 Millionen. Vertreter aus dem Social Business berichteten ebenfalls von ihrer Arbeit. Etwa Torsten Schreiber, der mit seiner Firma Africa Green Tec Dörfer in Mali mit Solarstrom versorgt.

Vertreter beider Richtungen zusammenbringen

FOSB „Genossenschaften und Social Business unterscheiden sich zwar im Geschäftszweck“, betont André Dörfler, gemeinsam mit Hans Reitz vom Grameen Creative Lab Organisator des Forums. „Social-Business-Unternehmen wollen keinen Gewinn erzielen, sondern ein Sozialprojekt voranbringen.“ Dennoch sei es gerade im Raiffeisenjahr spannend, Vertreter beider Richtungen zusammenzubringen. „Die große Gemeinsamkeit sind das Handeln und das Lösen von Problemen in der Gemeinschaft. Beide haben gleiche Werte und Prinzipien, insbesondere die Förderung von Menschen und Gesellschaft “, so Dörfler.

Videogruß vom Nobelpreisträger

Bekannt wurde Social Business durch Muhammad Yunus. In seiner Heimat Bangladesch organisierte der Ökonomieprofessor Mikrokredite für Existenzgründer und erhielt dafür sogar den Friedensnobelpreis. Anwesend war Yunus auch bei R+V – zumindest mit einem Videogruß zu Tagungsbeginn und zur Abendveranstaltung im Wiesbadener Kurhaus. Dort erläuterte R+V-Vorstandschef Norbert Rollinger den Gästen das nachhaltige Engagement von R+V. „Wir leben in einem Gemeinschaftszeitalter, darin waren sich alle Teilnehmer einig“, lautet Dörflers Bilanz der zwei Tage. „Genossenschaften sind aktueller denn je, dies zeigen die vielen Mitglieder und die vielen Neugründungen“. Dörflers Fazit gilt auch für die Mainzer Schülergenossenschaft. Dort scheiden zwar einige Mitglieder aus „Altersgründen“ aus, um sich auf das Abitur vorzubereiten. Jedoch sind schon jetzt wieder alle Posten besetzt, sodass die Genossenschaft auch im neuen Schuljahr ihren Shop weiter betreiben wird.

Gastbeitrag: Frank Senger, Konzern-Kommunikation

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