Gehen oder bleiben? Jobwechsel mit 45

Gehen oder bleiben? Jobwechsel mit 45
20. Mrz 2017

von Katharina Zehner

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Im Durchschnitt wechseln wir in unserem Leben ein- bis fünfmal unsere Arbeitsstelle. Nur 14 Prozent der Bundesbürger sind ihrem Job ihr ganzes Leben lang treu. Wie „gefährlich“ ist ein Jobwechsel im mittleren Alter?

Festhalten an Bewährtem oder mutig und mit Schwung noch einmal etwas Neues wagen? Ein Mittvierziger lässt uns an seinen Überlegungen teilhaben.

Bernd Vinken ist 45 Jahre alt und ausgebildeter Physiotherapeut. Seit neun Jahren arbeitet er mittlerweile in einem Rehabilitationszentrum, nachdem er zuvor hauptamtlicher Therapeut einer Bundesliga-Handballmannschaft war.

„Die Zeit war aufregend und total abwechslungsreich, weil wir viel unterwegs waren und immer irgendwas Unvorhergesehenes passiert ist“, erzählt der Therapeut. Weil er dann aber zum zweiten Mal Vater wurde, entschied sich Vinken für eine Anstellung vor Ort, um mehr für seine Familie da zu sein und sein Berufsleben ein bisschen zu entschleunigen.

Noch Chancen auf dem Arbeitsmarkt?

Anfangs war es für Vinken ungewohnt, doch der Familienvater spürte schnell die Vorzüge der geregelten Arbeitszeiten, der freien Abende und Wochenenden. Mittlerweile besuchen seine beiden Kinder die Grundschule und seine Frau ist in ihren alten Job zurückgekehrt.

„War es das jetzt? Werde ich jetzt die nächsten 22 Jahre jeden Morgen in diese Klinik gehen und auch mit über 60 noch an der Behandlungsbank und am Beckenrand dieses Bewegungsbades stehen?“ Das sind die Fragen, die Bernd Vinken seit mehreren Monaten umtreiben.

Denn er weiß auch, wenn er sich noch einmal beruflich verändern will, dann sollte er dies demnächst tun. Ab 45 Jahren zählt man auf dem Arbeitsmarkt schon zur Gruppe der „älteren Bewerber“.

Unbefristeter Arbeitsvertrag, aber keine Aufstiegschancen

„Klar gibt man einen unbefristeten Arbeitsvertrag nicht einfach so auf“, sagt Vinken, der mit seiner Familie vor fünf Jahren ein Haus gekauft hat und dies noch monatlich abbezahlt. Auch seien das Arbeitsklima und seine Kollegen in Ordnung, der Weg zur Klinik sogar mit dem Fahrrad zu erreichen.

Und dennoch ist Vinken nicht glücklich mit dem Gedanken, bis zur Rente genau das zu tun, was er heute macht. „Der Sohn des Chefs wird in zwei Jahren die Leitungsposition in meiner Abteilung übernehmen, sodass ich keinerlei Aufstiegschancen habe“, erklärt der Therapeut seine fehlende, motivierende Perspektive.

Ein Wechsel der Berufsparte als sogenannter Quereinsteiger kommt für Vinken nicht in Frage. „Ich möchte auf jeden Fall weiterhin im therapeutischen Bereich arbeiten. Doch vielleicht ergänzt um administrative oder organisatorische Aufgaben oder Personalangelegenheiten.“

Ziele sind entscheidend

Bernd Vinken hat bereits eine Vorstellung davon, was in seinem Berufsleben als nächstes kommen müsste, damit er neue Motivation und neuen Arbeitselan schöpfen kann. Diesen Aspekt halten Wirtschaftsforscher und Karriereberater für enorm wichtig.

„Stellen Sie sich vor, wo Sie in zehn Jahren sein wollen, und überlegen dann, über welche Schritte Sie dort hingekommen sind“, rät Wirtschaftspsychologe und Autor Martin Sauerland in seinem Buch „Design your mind“. Viele Menschen tun sich schwer mit der schlussendlichen Entscheidung, den Job zu wechseln.

Ob und wann Bernd Vinken sich beruflich noch einmal verändert, steht noch nicht fest. Aber seine Überlegungen schreiten voran. „Ich will unternehmensintern noch einmal alle Möglichkeiten ausloten, denn grundsätzlich fühle ich mich ja wohl bei diesem Arbeitgeber“, erklärt er.

„Im Anschluss will ich mich dann auch noch mal professionell von einem Job-Coach beraten lassen. Ich brauche also noch ein bisschen Zeit“, sagt Vinken. Eine Sache steht für ihn nach den Überlegungen aber schon fest. „Das war’s noch lange nicht! Auch wenn ich schon zur Gruppe der älteren Bewerber gehöre, habe ich noch einiges vor in meinem Leben, beruflich und privat.“

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Katharina Zehner

Mitarbeiterin Personalmarketing; bloggt über Personal- und Karrierethemen im Allgemeinen sowie Berufsbilder und Hinter den Kulissen Eindrücke bei der R+V.

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