Wie sind Schäden von Kindern versichert?

Wie sind Schäden von Kindern versichert?
16. Jun 2015

von Erik Rauschkolb

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Paula, Sabines vierjährige Tochter, spielt bei den Nachbarn im Garten mit ihrem Freund Max. Begeistert gießen sie die Blumen und schleppen die große Gießkanne zu den Beeten. Plötzlich will Max lieber schaukeln und Paula im Wohnzimmer weiter gießen. Die große Palme neben dem Hifi-Regal, das sieht Paula sofort, hat bestimmt Durst. Ihre Blätter wirken ganz vertrocknet. Erst abends, als ein Kurzschluss den Flachbild-Fernseher und BluRay-Player lahmlegt, entdecken die Nachbarn, dass jemand beide Geräte mitgegossen hat.

Max beteuert seine Unschuld: „Das war Paula“. Seine Mutter denkt betroffen: „Das muss passiert sein, als ich die E-Mails gecheckt habe. Wer kommt nun für den entstandenen Schaden auf? Ich muss mich wohl oder übel an Sabine wenden.“

„Was für ein Tag“, denkt sich Sabine. Denn zu allem Überfluss muss Paulas 13-jähriger Bruder Finn ihr noch etwas gestehen: Er fährt auf dem Nachhauseweg von der Schule wie jeden Tag mit dem Skateboard. Schließlich geht es zumeist bergab. Kurz vor der eigenen Haustür versucht er, sein Skateboard im Sprung zu drehen. Das geht dramatisch schief. Das Board knallt gegen den Außenspiegel des geparkten SUV des Nachbarn, bricht diesen ab und zerkratzt die Fahrertür.

Was jetzt? Muss seine Mutter nun die Urlaubskasse plündern, um den Schaden zu begleichen?

Für Paula und Finn – eine Versicherung für die ganze Familie

Zum Glück ist Sabine versichert und Paula und Finn gleich mit. Denn sie hat eine Familienversicherung abgeschlossen. Über diese sind Ehepartner und Kinder automatisch mitversichert. Und doch haben wir in unserem Beispiel mehrere Stolperfallen versteckt. Haben Sie sie entdeckt?

Welche Fälle deckt eine Privathaftpflicht ab?

Fensterscheibe geht durch Fußball kaputtAuf eine Haftpflicht sollte keine Familie verzichten. Denn Kinder können im Alltag Schäden anrichten, die nicht nur ärgerlich sind, sondern auch ins Geld gehen. Das reicht vom klassischen Fall des Fußballs, der ins Küchenfenster geschossen wird, bis zum Verkehrsunfall mit Personenschaden. Und genau diese Fälle – Personenschäden, Sachschäden sowie Vermögensschäden – deckt eine Haftpflichtversicherung in den meisten Fällen ab. Und dennoch gibt es gerade mit Kindern einige Besonderheiten zu beachten.

Werden die von Paula und Finn verursachten Schäden ersetzt?

Drei Knackpunkte sollte man im Blick haben, wenn man eine Privathaftpflicht für die Familie abschließt:

Knackpunkt 1: Hat Paula die Hifi-Geräte absichtlich gegossen?

Vorsätzlich herbeigeführte Schäden sind von einer Haftpflichtversicherung grundsätzlich nicht gedeckt – das gilt für Erwachsene ebenso wie für mitversicherte Kinder.

Was bedeutet das nun aber für Paula und ihre Familie? Hätte Paula nicht nur die Palme, sondern auch die Geräte absichtlich gegossen, kann in diesem Fall die Haftpflichtversicherung leider nicht einspringen, da der Schaden an den Geräten vorsätzlich verursacht wurde. Aber in unserem Beispiel hatte Paula hatte ja wirklich nur die Palme im Sinn.

Knackpunkt 2: Welche Rolle spielt Paulas Alter?

Wenn Paula wirklich nur die Pflanzen in guter Absicht auf dem Hifi-Regal gegossen hat und dabei etwas ungestüm durch überlaufendes Wasser die Geräte unabsichtlich beschädigt hat, welche Regelung gilt dann? Kinder bis sieben Jahre sind per Gesetz nicht deliktfähig. Sie haften nicht für Schäden, die sie verursachen. Im Straßenverkehr liegt die Haftungsgrenze sogar bei zehn Jahren.

Hier prüft nun die Versicherung zunächst, ob die Person, die auf Paula aufpasste, ihre Aufsichtspflicht verletzt hat. Ist das der Fall, geht die Haftung für den Schaden auf diese Person über. Weil fahrlässig verursachte Schäden durch die Haftpflichtversicherung gedeckt sind, kann dieser Schaden von der Versicherung der haftenden Person reguliert werden.

Stellt sich aber heraus, dass keine Aufsichtspflichtverletzung vorliegt, erhält der Geschädigte grundsätzlich erst einmal keinen Schadenersatz. Denn wir erinnern uns: Paula ist mit ihren vier Jahren nicht deliktfähig und kann nicht haftbar gemacht werden. Eltern oder eine Versicherung brauchen den von ihnen verursachten Schaden nicht zu bezahlen. In Paulas Fall müssten die Nachbarn die neuen Geräte in diesem Fall wohl oder übel selbst bezahlen.

Das führt natürlich zu verständlichem Unmut und könnte die nachbarschaftliche Beziehung trüben, wohlmöglich dürfte Paula sogar gar nicht mehr zum Spielen vorbeikommen. Aus diesem Grund schließen viele Versicherer wie die R+V Versicherung in ihren Privathaftpflicht-Policen Schäden deliktunfähiger Kinder bis zu einer begrenzten Schadenhöhe mit ein.

Auch Sabine hat eine solche Police und so bleibt ihr der Ärger mit den Nachbarn erspart.

Knackpunkt 3: Muss Finn den Skateboard-Schaden selbst begleichen?

Liegt ein Vorsatz vor, springt die Privathaftpflicht im Schadensfall nicht ein. Aber hat Finn vorsätzlich gehandelt? Als 13-Jähriger ist er bereits bedingt deliktfähig und kann für den Schaden verantwortlich gemacht werden. Aber in unserem Beispiel hat Finn zwar fahrlässig gehandelt, aber nicht vorsätzlich. Dies wäre erst dann der Fall, wenn er den Wagen mit Absicht zerkratzt hätte. In seinem Fall springt daher die Familienhaftpflicht ein.

Und so endet Sabines Tag doch noch einigermaßen glimpflich: Paula hat die Geräte nicht absichtlich gegossen und auch Finn war vom Ausgang seines riskanten Manövers überrascht – in beiden Fällen kann die Privathaftpflicht einspringen und die Schäden regulieren. Was für Paula und Finn eine Lehre ist, ist für ihre Eltern die Bestätigung, dass eine gute und mit Bedacht gewählte Absicherung den Geldbeutel und die Nerven schont.

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Erik Rauschkolb

Social Media Community Manager; bloggt über Themen rund um Finanzen und Versicherungen sowie über Neuigkeiten und Aktionen der R+V im Social Media Bereich.

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