Helden bei der Arbeit

Helden bei der Arbeit
6. Jul 2020

von Eva Kuschfeldt

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Bevor Corona die R+V ins Homeoffice zwingt, kippt eine R+V-Mitarbeiterin einfach um – mitten im Büroalltag. Innerhalb von Sekunden läuft sie blau an. Wie Kollegen, Ersthelfer und Betriebssanitäter ihr das Leben retteten.

​Am Morgen des 20. November 2019, einem Mittwoch, merkt Ulrike Kost, dass mit ihrer linken Wade etwas nicht stimmt. Dieses Härtegefühl kennt sie aus Erzählungen: Es ist symptomatisch für Thrombose, also Blutablagerungen am Venenrand. Sie weiß, dass damit nicht zu spaßen ist, sie vereinbart also gleich für den Mittag einen Arzttermin. Leider zu spät, wie sich bald herausstellen wird…

Gegen 11 Uhr, da kommt sie gerade aus einer Besprechung, bricht sie zusammen – mitten auf der Großraumfläche. „Mir war nur kurz schwindelig, dann war ich schon weg“, erinnert sie sich später.

Der Grund: Aus der Thrombose vom Morgen hat sich innerhalb kürzester Zeit eine Lungenembolie entwickelt. Die Ablagerungen am Venenrand haben sich gelöst und sind als Festkörper durch den Blutkreislauf in ihre Lunge geschwommen, wo sie den Blutfluss gestoppt haben. Sogar beide Lungenflügel auf einmal sind verstopft – das Herz kann kein Blut mehr in die Lungen pumpen. Es bleibt stehen.

Hier hätte Ulrike Kost im November fast ihr Leben gelassen: Auf einer Großraumfläche im Abraham-Lincoln-Park 1 verlor sie plötzlich das Bewusstsein und stürzte zu Boden.

Hier hätte Ulrike Kost im November fast ihr Leben gelassen: Auf einer Großraumfläche im Abraham-Lincoln-Park 1 verlor sie plötzlich das Bewusstsein und stürzte zu Boden.

Ersthelfer sofort zur Stelle

All das wissen Ulrike Kosts Kollegen zu diesem Zeitpunkt nicht. Alles was sie sehen, ist der unnatürliche Farbton ihrer Haut: „Ich habe noch nie gesehen, dass ein Mensch so schnell blau anläuft“, sagt Ersthelfer Sven Hohenadel später. Er sitzt im Moment als es passiert nur wenige Meter entfernt. „Dieses Bild brennt sich ins Gedächtnis ein.“

Doch alle reagieren schnell, gefasst und arbeiten Hand in Hand: Die einen informieren Betriebssanitäter, Krankenwagen und Kosts Ehemann, die anderen leisten Erste Hilfe bei der bewusstlosen Kollegin. Wer keine konkrete Aufgabe hat, hält sich im Hintergrund.

Das Leben einer Kollegin retten

Nach wenigen Minuten ist Betriebssanitäterin Wiebke Stettler-Wagner zur Stelle, die seit vielen Jahren ehrenamtlich beim Rettungsdienst arbeitet. Obwohl sie schon etliche Menschen reanimiert hat, ist es heute anders als sonst: Eine Kollegin, die sie noch dazu persönlich kennt, musste sie noch nie wiederbeleben. Statt einem Krankenwagen voller Ausrüstung hat sie nur ihren Sanitäter-Rucksack mit Basisausrüstung dabei.

Als die Betriebssanitäterin im Großraum ankommt, haben Ulrike Kosts Kollegen eine Menge Vorarbeit geleistet, sie in die stabile Seitenlage gelegt und die Atemwege freigemacht. Sanitäterin Stettler-Wagner kann hier übernehmen – und hat bereits einen Anhaltspunkt für weitere Maßnahmen: „Zufällig hatten wir am gleichen Vormittag noch telefoniert, dabei hat sie mir erzählt, dass sie kürzlich operiert worden war“, erinnert sie sich. Eine Lungenembolie liegt als Verdachtsdiagnose nicht fern. Gemeinsam mit der Beratungsärztin Friederike Kaiser, die mittlerweile auch vor Ort ist, übernimmt sie die Reanimationsmaßnahmen: 30 Mal Pumpen, zweimal Beatmen, immer wieder. Zuvor fixieren sie ihre Zunge mit einer speziellen Vorrichtung, um der Luft den Weg freizuhalten.

Als die Rettungssanitäter eintreffen, sind sie überrascht, wie organisiert die R+V-Kollegen sind – die R+V-Helfer können weitermachen bis die Hauptberuflichen ihre Ausrüstung aufgebaut haben. Nach 40 Minuten ist Kost stabil genug, um den Transport mit dem Krankenwagen in die nächste Klinik anzutreten.

Zusammenhalt auch im Notfall: Beratungsärztin Friederike Kaiser (l.) und Betriebssanitäterin Wiebke Stettler-Wagner (r.) reanimierten ihre Kollegin Ulrike Kost (Mitte) im November so lange bis der Rettungsdienst übernahm. Das Foto stammt aus dem Frühjahr.

Zusammenhalt auch im Notfall: Beratungsärztin Friederike Kaiser (l.) und Betriebssanitäterin Wiebke Stettler-Wagner (r.) reanimierten ihre Kollegin Ulrike Kost (Mitte) im November so lange bis der Rettungsdienst übernahm. Das Foto stammt aus dem Frühjahr.

Ersthelfer-Kurse sind unverzichtbar

Die Lungenembolie zog noch drei Monate Krankenhaus und Reha nach sich, davon verbrachte Kost zwei Wochen vollverkabelt auf der Intensivstation. Durch den Blutstau bei der Reanimation brauchten ihre Nieren in der ersten Zeit Unterstützung von der Dialyse.

Später zurück am Arbeitsplatz ist Kost überglücklich, denn es sind keinerlei Langzeitschäden zurückgeblieben. Für sie steht fest: „Daran sieht man, wie lebensrettend die regelmäßigen Ersthelferschulungen sind – schließlich war ich eigentlich schon tot.“

Einer der Rettungswagenfahrer sagte ihr später noch, er könne die von ihm behandelten Leute an einer Hand abzählen, die nach einer solchen Lungenembolie auf zwei Beinen aus dem Krankenhaus gehen konnten. „Ich bin froh, dass die R+V noch mehr kann als Versichern“, lobt er das perfekte Zusammenspiel von Ulrike Kosts Kollegen.

Blick in den Betriebssanitäter-Rucksack

Der „Guedel-Tubus“ bekam Ulrike Kost von den R+V-Helfern in den Mund, um die Zunge daran zu hindern, in den Rachen zu rutschen.

Der „Guedel-Tubus“ bekam Ulrike Kost von den R+V-Helfern in den Mund, um die Zunge daran zu hindern, in den Rachen zu rutschen.

Mit dem „SpO2-Messer“ misst man die Sauerstoffsättigung im Blut (linke Ziffer). Normalerweise liegt sie fast bei 100 – bei Ulrike Kost maß Betriebssanitäterin Wiebke Stettler-Wagner eine Sättigung von nur 28 Prozent.

Mit dem „SpO2-Messer“ misst man die Sauerstoffsättigung im Blut (linke Ziffer). Normalerweise liegt sie fast bei 100 – bei Ulrike Kost maß Betriebssanitäterin Wiebke Stettler-Wagner eine Sättigung von nur 28 Prozent.

Arbeitsteilung: Einen solchen Beatmungsbeutel nutzte Stettler-Wagner zur Beatmung, während Beratungsärztin Friederike Kaiser die Herzdruckmassage durchführte.

Arbeitsteilung: Einen solchen Beatmungsbeutel nutzte Stettler-Wagner zur Beatmung, während Beratungsärztin Friederike Kaiser die Herzdruckmassage durchführte.

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Eva Kuschfeldt

Redakteurin in der Konzern-Kommunikation, bloggt über eigene Erlebnisse im Unternehmen, Themen der Konzern-Kommunikation und soziale Projekte bei R+V

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