Wenn die Hofnachfolge in der Familie nicht gesichert ist

Wenn die Hofnachfolge in der Familie nicht gesichert ist
24. Apr 2018

von Dr. Markus Berneiser

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Der Betriebsleiter erreicht in absehbarer Zeit das Rentenalter und die Hofübergabe sollte eingeleitet werden, aber in der Familie findet sich kein adäquater Hofnachfolger. Was wie ein Einzelfall klingt, ist mittlerweile in der Landwirtschaft keine Ausnahme mehr. Wir haben uns umgeschaut, wie ein Lösungsweg aussehen kann.

Betriebsinhaber werden älter

Die Statistik macht es deutlich: Deutschlands Landwirte sind im Zeitvergleich älter geworden. Im Jahr 2016 waren nur noch 25% der Landwirte jünger als 45 Jahre. Sechs Jahre zuvor waren es noch rund ein Drittel (32%). Im Gegenzug hat sich der Anteil der Betriebsleiter in der Altersgruppe 55 plus im gleichen Zeitraum von 32% auf 40% erhöht.

Nachfolgeregelung in vielen Familienbetrieben ungeklärt

Parallel dazu ist die Zahl der Familienbetriebe, in denen die Hofnachfolge geklärt ist, rückläufig. Die letzte Erhebung in der Zielgruppe machte deutlich, dass die Nachfolge nur in knapp 31 Prozent der betreffenden Einzelunternehmen geregelt ist. Ursachen hierfür sind nicht etwa nur Kinderlosigkeit des Betriebsleiterpaares, mangelnde Wirtschaftlichkeit oder fehlende Perspektive des Betriebes. Vielmehr haben die Kinder oftmals andere Lebensentwürfe und Berufsvorstellungen und fallen deshalb als zukünftige Betriebsleiter aus. Somit ist die über Jahrhunderte hinweg tradierte Selbstverständlichkeit der Hofübernahme durch die direkten Nachkommen kein Automatismus mehr.

Alternativen zur innerfamiliären Hofnachfolge

Wenn der Betrieb, der in den meisten Familien über viele Generationen weiterentwickelt und vererbt wurde, nicht für immer die Scheunentore schließen soll, müssen alternative Formen der Hofübergabe gefunden werden. Die naheliegende Variante ist die Suche im erweiterten Familienkreis. Findet sich auch hier keine passende Nachfolge, kann die außerfamiliäre Hofübergabe eine realistische Option sein. Doch das stellt für viele Familien eine hohe emotionale Hürde dar und bedarf intensiver Überlegungen.

Fällt die Entscheidung zugunsten der Übergabe außerhalb der Familie, auch weil der noch schmerzhaftere Schritt die Aufgabe und Zerschlagung des Betriebes wäre, schließt sich eine Fülle an Fragen an. Es ist zu empfehlen, einen Berater hinzuzuziehen, der einen umfassenden Blick auf die rechtlichen, finanziellen, steuerlichen und versicherungsrelevanten Aspekte hat.

Portale unterstützen bei der Suche nach außerfamiliären Übernehmern

Die Suche nach einem außerfamiliären Nachfolger sollte zeitig angegangen werden, denn nicht jeder Anlauf führt auf Anhieb zum Erfolg. Neben ehemaligen Auszubildenden, Praktikanten und Mitarbeitern sollten Kontakte aus dem persönlichen und beruflichen Umfeld auf Interesse abgeklopft werden.

Unterstützung bieten landwirtschaftliche Fachpublikationen, die für die Thematik spezielle Anzeigenrubriken wie „Hofnachfolge“ geschaffen haben.

Auch im Internet finden sich praktikable Angebote. Websites wie hof-gesucht-gefunden, Hof sucht Bauer und Die Hessische Hofbörse  bieten die Möglichkeit, potentielle Übergeber und Übernehmer zusammenzubringen. Auch wenn die Betriebsinhaber tendenziell älter werden und die innerfamiliäre Übernahmebereitschaft sinkt, muss das also nicht zwangsläufig das Aus für den Betrieb bedeuten. Denn auf der anderen Seite gibt es in Deutschland, aber auch in unseren westlichen Nachbarländern eine nicht unbedeutende Zahl gut ausgebildeter junger und mobiler Landwirte, die gerne auf eigenen unternehmerischen Füßen stehen möchten. Nur fehlt ihnen noch der passende Betrieb dazu.

Welche Erfahren haben Sie mit der Hofnachfolge gemacht? Berichten Sie uns im Kommentar davon!

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