Immer online und nie entspannt

Immer online und nie entspannt
19. Feb 2018

von Anna Lena Schwartz

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Ständige Erreichbarkeit macht krank. Doch vom Job abschalten ist schwer, weil wir Menschen nun mal neugierig sind und Erwartungen erfüllen. Ständig online müssen nur die wenigsten sein, alle anderen entkommen dem Dauerstress durch digitale Diät.

Die Übergänge verwässern, eine klassische Trennung zwischen Arbeits- und Freizeit gibt es so gut wie nicht mehr. Abends und am Wochenende checkt man berufliche Mails und antwortet auf scheinbar unaufschiebbare Anfragen vom Sofa im Wohnzimmer aus, als würde man am Schreibtisch im Büro sitzen. Von dort aus werden während der Arbeitszeit Flüge und Hotels für Urlaube gesucht oder Freunden die neuesten Videos zum Lachen via Whatsapp weitergeitet. Viele springen permanent zwischen Berufs- und Privatleben hin und her. Smartphones machen es leicht möglich.

Jeden Morgen die Grenzen neu ziehen

Die Folge: Viele geraten unter Druck, weil sie gefühlt weder der privaten noch der beruflichen Rolle richtig gerecht werden. Beide Rollen sollten aber soweit wie möglich voneinander getrennt werden, rät die Zeitschrift ‚Psychologie bringt dich weiter‘. Man solle sich jeden Morgen aufs Neue fragen: Was sind meine Aufgaben im Beruf heute, welche will ich abarbeiten? Am Feierabend widmet man sich seiner privaten Rolle. Wem es gelingt, Aufgaben konsequent zu definieren und zu erledigen, den macht es meist sehr zufrieden.

Wer Arbeit und Freizeit nicht klar trennt, ist schneller erschöpft und gefährdet sein Wohlbefinden. Die Vermischung führt nämlich dazu, dass sich Arbeitnehmer schlechter erholen können. In der Folge sind sie weniger produktiv und kreativ. Das sind Studienerkenntnisse der Universität Zürich, die in der Fachzeitschrift ‚Business and Psychology‘ veröffentlicht wurden. Für die Untersuchung wurden rund 2000 Angestellte unterschiedlicher Branchen in Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt.

Offline gelingt nur mit strikter Konsequenz

Immer online und nie entspannt. Das ist ein Problem unserer digitalen Zeit. Vom Job abschalten ist schwer, aber mit innerer Konsequenz möglich. Wenn Mitarbeiter E-Mails am Feierabend oder im Urlaub abrufen, tun sie das überwiegend aus eigenem Antrieb, weil Menschen soziale Wesen und an sozialen Kontakten interessiert sind, zudem neugierig. Käme der Postbote dreimal am Tag, würden wir ebenso oft gespannt zum Briefkasten laufen, um zu schauen, wer uns geschrieben hat. Dieses Verhalten ist bei digitaler Post noch viel einfacher, denn man muss nicht einmal aufstehen, um sogar ständig in den digitalen Briefkasten schauen zu können.

Ständige Verfügbarkeit macht unattraktiv

Neugier ist der eine, Erwartungshaltungen zu erfüllen der andere Grund für ständige Erreichbarkeit via Smartphone. Wenn an sieben Tagen die Woche rund um die Uhr geschäftliche Mails geschrieben werden, erzeugt das Druck und wer nicht mitmacht, fürchtet, als lahme Ente verspottet zu werden. Was völlig unbegründet ist, weil Arbeitsvertrag und Arbeitszeitgesetz darüber bestimmen, wer wann erreichbar sein muss. In nur ganz wenigen Fällen ist das abends oder im Urlaub. Außerdem: Allzeit bereit zu sein, macht Menschen und Mitarbeiter unattraktiv.

Drei Tipps für eine stressfreie Freizeit:

  1. E-Mails nicht automatisch downloaden, sondern abrufen. So kommt man nicht in den Zugzwang, eingegangene Mails zu lesen.
  2. Berufliche und private Trennung von E-Mail, Smartphone und Skype mit unterschiedlichen Nummern und Zugangsdaten.
  3. Wer abends oder am Wochenende arbeitet, sollte das nur in einem fest definierten Zeitfenster tun.
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Immer online und nie entspannt
Anna Lena Schwartz

Mitarbeiterin Personalmarketing; bloggt über Karrierethemen und gibt Einblicke hinter die Kulissen der R+V als Arbeitgeber.

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