Interview mit Prof. Schmidt: Trump und Große Koalition könnten Ängste der Deutschen beeinflussen

Interview mit Prof. Schmidt: Trump und Große Koalition könnten Ängste der Deutschen beeinflussen
10. Aug 2018

von Eva Kuschfeldt

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Bereits zum 27. Mal befragt R+V in diesem Jahr rund 2.400 Deutsche zu ihren größten Ängsten und Sorgen. Ob Terrorismus oder Naturkatastrophen – es hängt von vielen Faktoren ab, ob die Ängste der Bevölkerung zu bestimmten Themen steigen oder sinken – auch von der politischen Lage im Land.

Bald ist es wieder so weit: Bis zur Pressekonferenz am 6. September in Berlin bleiben nur wenige Wochen. Mit dabei sein wird auch Prof. Dr. Manfred G. Schmidt, der die jährliche Studie „Die Ängste der Deutschen“ bereits zum 14. Mal begleitet. Als Politikwissenschaftler an der Universität Heidelberg ist er Experte für die Erklärung dieser Ängste. Im Interview blickt er zurück und gibt eine erste Einschätzung zu den aktuellen Sorgen, die die Bürger beschäftigen.

Professor Schmidt, Sie begleiten die Studie „Die Ängste der Deutschen“ nun schon seit 14 Jahren. Was macht sie für Sie so interessant, dass Sie schon so lange dabei sind?

Ängste der Deutschen Die Studie ist ein international einmaliges Projekt, es gibt zu diesem Thema in keinem anderen Land eine so intensive Befragung der Bevölkerung – und das seit über 25 Jahren. Mehr noch: Die Ängste-Studie erfragt sowohl private Sorgen als auch Probleme, die die Bürger in Politik und Gesellschaft sehen. Ich bin gebeten worden, die Befunde der Befragungen vor dem Hintergrund der politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen zu durchleuchten. Das ist eine reizvolle Aufgabe!

Wie haben sich denn die Ängste im Laufe der Zeit verändert?

Gestiegen sind zum Beispiel die Ängste bezüglich Sicherheit, vor allem die Angst vor terroristischen Anschlägen. Nach spektakulären Attentaten wird diese Sorge erfahrungsgemäß besonders akut. In den vergangenen zwei, drei Jahren gab es noch eine weitere auffällige Entwicklung, nämlich die wachsende Sorge vor den Folgen der Flüchtlingskrise, die auch in der Politik eine große Rolle spielt.

Sind die Deutschen im Vergleich zu anderen Europäern besonders ängstlich?

Schwer zu sagen. Es gibt aus dem Ausland keine vergleichbaren Untersuchungen, sondern nur Studien über verwandte Probleme. Die machen jedoch nicht den Eindruck, als ob die deutsche Bevölkerung besonders angstvoll oder gar hysterisch wäre. Im Gegenteil: Ich habe bei der langjährigen Beobachtung der Studie immer wieder festgestellt, dass die Deutschen über die Grundströmungen von Politik und Wirtschaft sehr gut unterrichtet sind. Hinter ihren Ängsten steckt viel Realismus.

Sie hatten ja gerade schon den Terrorismus und die Flüchtlingswelle erwähnt, die 2017 eine große Rolle gespielt haben. Was erwarten Sie für 2018?

Wenn die Befragten cool bleiben, gibt es keine größeren Veränderungen. Vielleicht sinken die Ängste sogar, weil die ökonomische Sicherheit besser geworden ist.

Es gibt aber noch ein drittes Szenario, nämlich steigende Sorgen aus zwei Gründen. Das eine ist das ungünstige Bild, das die Politik abgibt: Der lange Streit in der Regierungsbildung, die endlosen Streitereien in der großen Koalition, das könnte zu negativen Tendenzen führen.

Noch wichtiger ist die Veränderung der außenpolitischen Lage. Dass Amerika mit dem neuen Präsidenten Trump mittlerweile kein kalkulierbarer Bündnispartner ist, sondern auf Konfrontation aus ist und auch Verbündete attackiert, das könnte Anlass für größere Sorgen werden.

Aber ich bin gespannt, in welche Richtung es geht, also für diese Prognose lege ich meine Hand nicht ins Feuer (lacht).

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Interview mit Prof. Schmidt: Trump und Große Koalition könnten Ängste der Deutschen beeinflussen
Eva Kuschfeldt

Volontärin in der Konzern-Kommunikation, bloggt über eigene Erlebnisse im Unternehmen, Themen der Konzern-Kommunikation und soziale Projekte bei R+V

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