Interview mit Manfred Pollin zur Studie „Sicher. Für Dich. Für mich.“

Interview mit Manfred Pollin zur Studie „Sicher. Für Dich. Für mich.“
21. Jun 2012

von Monika Hochscheid

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Nach dem Blogartikel über die mehrjährige Studie zu Fahrerassistenzsysteme (FAS)„Sicher. Für Dich. Für mich.“ , möchte ich Ihnen nun das angekündigte  Interview mit Manfred Pollin nicht vorenthalten.

Manfred Pollin ist Inhaber der Firma Pollin Transporte GmbH mit Sitz in Helbra/Sachsen Anhalt. Das Familienunternehmen wurde 1965 gegründet und zeichnet sich durch seinen Einsatz in den Bereichen Sicherheit, Umwelt und Effizienz aus.

Herr Pollin, Ihr Unternehmen hat an der Studie teilgenommen. Bitte berichten Sie uns doch von Ihren Erfahrungen. Welche FAS haben Sie in Ihren Fahrzeugen eingebaut?

Alle Fahrzeuge unserer Flotte sind vom Automobilhersteller Volvo. Wir statten die Fahrzeuge mit allen Merkmalen aus, die von Volvo aktuell dort lieferbar sind. Hierbei handelt es sich um

  • den Spurhalteassistent (LDW)
  • die Spurwechselunterstützung (toter Winkel rechts)
  • die Fahrermüdigkeitserkennung- und Warnung
  • ESP
  • und natürlich ACC, die automatische Abstandsregelung mit Bremseingriff

Zusätzlich montieren wir noch zwei Kameras (hinten am Sattel und rechts am Fahrzeug). Das verhilft den Fahrern zu einer besseren Rund-um-Sicht. Weiterhin haben sich das Abbiegelicht und der Regensensor sehr gut bewährt.

Wir achten darauf, dass die Radios eine Bluetooth – Schnittstelle und die einheitlichen Firmenhandys eine sichere Halterung haben. Leider haben die Vermieter das eigentlich nicht im Angebot.

Können Sie uns die Vor- und Nachteile bitte an Beispielen verdeutlichen?

Gern. Beim Spurhalteassistenten (LDW) erkennt man die Vorteile, wenn man einmal selber zählt wie oft der Alarm auf der Autobahn angeht. Da habe ich schon gestaunt. Bei jedem Signal ist man nach rechts abgedriftet. Nachteil: Auf Landstraßen ist die Technik nur bedingt einsetzbar, der Alarm kommt zu oft. Ebenso nachteilig: Wird das System z. B. auf der Landstraße ausgeschaltet, schaltet es sich nach einer festgelegten Zeit leider nicht selbst wieder an, das muss aus meiner Sicht unbedingt geändert werden.

Für die Spurwechselunterstützung gibt es im mehrspurigen Verkehr nur Vorteile, der Fahrer wird speziell vor den PKW gewarnt, die schnell noch am Lkw vorbei fahren wollen, damit sie selbst nicht abgebremst werden.

Zur Fahrermüdigkeitserkennung- und Warnung kann ich Ihnen eine Geschichte erzählen:

Ein Fahrer rief an und fragte, warum sein neues Auto jetzt laufend hupt und was denn da im Display steht. Als wir es ihm sagten, meinte er:

„Müde bin ich nicht, aber ich habe in den Papieren gekramt und bin dabei natürlich nicht mehr so gut geradeaus gefahren!“

Das bestätigte für mich die Sicherheitsfunktion. Allerdings muss der Fahrer auch die Bedienungsanleitung lesen, sonst kann er mit den Warnhinweisen nichts anfangen, da sie nicht so selbst erklärend wie bei den anderen Systemen sind.

ESP, auch hierzu eine Geschichte aus eigener Erfahrung:

Ich habe selbst einen neuen Lastzug geholt. Bei Goslar war ich in einer Kurve unaufmerksam. Das ESP aber nicht! Der neue Zug kam sicher nach Hause und ich auch. Es hat keine Nachteile, sondern nur Vorteile.

ACC: Zwei meiner Fahrer haben mir gesagt: „Danke für die Technik, sonst würden wir dich nicht mehr anrufen.“ Diese Aussage allein war jeden Cent der Investition wert. Meine Fahrer sind mir wichtiger.

Zu unseren Kameras. Der Nachteil: ohne Kamera können die Fahrer schon nach kurzer Zeit eigentlich nicht mehr fahren.[grinst] Nein, im Ernst: es gibt nur Vorteile:

  • weniger Schäden
  • schneller rangieren
  • weniger Verschleiß an Reifen 
  • weniger Kraftstoff
  • der Fahrer steigt nicht 10-mal aus und ein (Arbeitsunfallrisiko) usw.

Vorteile des Bluetooth: Ich sehe täglich LKW Fahrer mit dem Handy am Ohr. Welcher Chef kann sich so viele Strafen erlauben? Ich nicht.

Generell kann ich nur Vorteile ausmachen, vor allem in Bezug auf die laufenden Kosten. Und nur die entscheiden über Gewinn und Verlust. Der Mehrpreis bei der Investition ist hier nicht relevant!

Werden Sie beim Kauf neuer Fahrzeuge auf Fahrerassistenzsysteme als Ausstattungsmerkmal achten bzw. Ihre Fahrzeuge alle nachrüsten?

Leider kann ich Fahrerassistenzsysteme nicht nachrüsten. Die Kamerasysteme allerdings rüste ich auch an älteren Fahrzeugen nach. Alle meine neuen Fahrzeuge haben seit 2008 die volle lieferbare Ausstattung. Ich habe letzte Woche wieder  drei  neue Fahrzeuge mit vollständiger Sicherheitsausstattung bestellt.

Herr Pollin, vielen Dank für die Eindrücke und Informationen.

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Interview mit Manfred Pollin zur Studie „Sicher. Für Dich. Für mich.“
Monika Hochscheid

Abteilung Kraftfahrt-Betrieb, Gruppe Qualitäts-, Prozess-, Projektmanagement; bloggt über spezifische Fragestellungen zur Kfz-Versicherung

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