Interview: Starke Frauen in der Landwirtschaft

Interview: Starke Frauen in der Landwirtschaft
21. Jul 2015

von Dr. Markus Berneiser

0

In Deutschland gibt es rund 256.000 Familienbetriebe. Rund ein Drittel (34%) der Familienarbeitskräfte sind Frauen, aber lediglich 9 % der landwirtschaftlichen Familienbetriebe werden von Frauen geführt. Allerdings täuscht diese Zahl (ein wenig) über die Tatsache hinweg, dass der überwiegende Teil der Familienbetriebe von Ehepaaren partnerschaftlich geführt wird – mit zunehmender Bedeutung der Frauen.

Zum diesjährigen Weltfrauentag (8. März) schrieb der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV), dass Frauen in der Landwirtschaft „häufig ihr flexibles Organisationstalent unter Beweis“ stellen „und … Ideenreichtum, Ausdauer, eine große Portion Gelassenheit sowie das Gespür für das Machbare“ zeigen. Insbesondere bei der Suche nach alternativen Einkommensmöglichkeiten sind sie Pioniere: Sie engagieren sich bei der Direktvermarktung der Produkte, suchen Möglichkeiten in sozialen und betreuenden Diensten sowie beim Angebot „Urlaub auf dem Bauernhof“.

Aber auch in den klassischen Produktionszweigen (Pflanzenbau/Tierzucht- und -haltung) sind sie erfolgreich unterwegs.

Landwirtin Petra Both-Schulz

Frau Both-Schulz auf ihrem Hof im Einsatz

Frau Both-Schulz auf ihrem Hof im Einsatz

Eine dieser Frauen ist Petra Both-Schulz. Sie betreibt mit Ihrem Mann eine GbR und ist verantwortlich für den Betriebszweig Milchviehhaltung (120 Kühe) sowie für das Büro. Ihr Mann ist gleichberechtigter Betriebsleiter und zuständig für die Biogasanlage und den Ackerbau. Wir haben mit der Landwirtin über ihren Beruf gesprochen.

Frau Both-Schulz, wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?

Ich bin mit zwei Brüdern auf einem landwirtschaftlichen Vollerwerbsbetrieb aufgewachsen. Beide Brüder haben dankend abgelehnt, den Betrieb zu übernehmen. Mädchen stellte man damals diese Frage noch nicht. Aus lauter Trotz habe ich mich dann diesbezüglich bemerkbar gemacht.

Außerdem liebe ich das Leben mit und in der Natur (die erste Schwalbe im Frühling, der Geruch von frisch gemähtem Gras oder gepflügtem Boden oder den Erdgeruch nach einem Regenschauer).Hauptsächlich prägte mich aber die Liebe zur Kuh und das ganze Handling damit.

Selbstständiges Handeln hat mich schon immer mehr gereizt als das Ausführen von Dienstanweisungen. Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen (auch mal die falschen), fällt mir nicht schwer.

Wichtig war auch die Tatsache, schon immer besser mit männlichen Wegbegleitern auszukommen, als mit weiblichen. Männer haben eine direktere Art und halten sich nicht so lange mit „Schnickschnack“ auf. So kam es also zu Lehre, Fachschule und Studium der Landwirtschaft und ich habe mich immer in der Minderzahl bewegt, was aber dem Spaß an der Ausbildung keinen Abbruch tat.

Warum war es Ihnen so wichtig, zu arbeiten? Was treibt Sie an?

Ich bezeichne mich selbst als Berufsemanze. Ich kann es schwer ertragen, ungleich zum anderen Geschlecht behandelt zu werden. Aber so war es damals zu meinen Lehrzeiten: „Als Mädchen musst du doch Hauswirtschaft lernen!“. Mir ist es häufig passiert, dass ich unterschätzt wurde und dann macht es erst richtig Spaß zurückzuhauen, um es sich selbst zu beweisen, dass man etwas erreichen kann.

Früh war mir klar, dass ich Kinder und Karriere wollte. Aber die berufliche Verwirklichung wollte und konnte ich nicht vernachlässigen. Zum Glück hatte ich in der Zeit, als die Kinder klein waren, Unterstützung von Seiten der Eltern und Schwiegereltern. Außerdem muss man in Zeiten rasanter Entwicklung am Ball bleiben, sonst ist man weg vom Fenster. Der Wettbewerb, das Messen und Vergleichen mit Berufskollegen, auch aus anderen Regionen, treibt mich an. Auch die ständige Weiterbildung ist mir ein grundsätzliches Bedürfnis. Netzwerke bauen, interessante Leute kennenlernen, von Profis sich inspirieren lassen und mit wichtigen Funktionsträgern mal einen trinken. Schließlich kochen alle nur mit Wasser.

Vielen Dank für das Gespräch!

In der nächsten Woche lesen Sie den zweiten Teil des Interviews bei uns im Blog.

Schlagworte
empfehlen
empfehlen
Das könnte Sie auch interessieren
Kommentare

Starke Frauen in der Landwirtschaft – Interview Teil 2 - R+V BlogR+V Blog / https://www.ruv-blog.de/starke-frauen-in-der-landwirtschaft-teil-zwei/

07:32 28.07.2015

[…] selbst einen Betrieb mit Milchviehhaltung, Ackerbau und Biogasanlage. In der letzten Woche hat uns die Landwirtin bereits berichtet, wie sie zu ihrem Beruf gekommen […]