Ist tiefe Freundschaft am Arbeitsplatz gut?

Ist tiefe Freundschaft am Arbeitsplatz gut?
25. Jun 2018

von Anna Lena Schwartz

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Man sieht seine Kollegen oft. Öfter als den Partner. Deshalb liegt es nahe, dass aus Kollegen häufig Freunde werden, manchmal Freundschaften fürs Leben entstehen. Ist das gut oder sollte man aufhören, bevor es so weit kommt?

‚Tiefe Freundschaften und platonische Beziehungen sind feste Bestandteile des Arbeitslebens‘ betitelte die Presseabteilung von XING im Herbst 2017 eine Pressemitteilung. Der Betreiber des sozialen Netzwerks hatte das Markt- und Meinungsforschungsinstitut Forsa damit beauftragt, herauszufinden, wie eng Kollegen miteinander sind. Für die repräsentative Studie wurden rund 1.000 Arbeitnehmer in ganz Deutschland befragt.

Freunde fürs Leben

Die Kernergebnisse der Studie sind: Jeder zweite Berufstätige hat im Büro bereits Freundschaften fürs Leben geschlossen. Neu ist der Trend, dass jeder Zehnte eine eheähnliche Vertrauensbeziehung am Arbeitsplatz führt. Und dass jüngere Arbeitnehmer sich besonders gerne mit Kollegen treffen. Wenn man sich genauer anschaut, wie und weshalb diese Beziehungen zustande kommen, sind die Studienerkenntnisse gar nicht mehr so überraschend. Dann erkennt man nämlich ihre logische Konsequenz.

Mit Kollegen verbringt man die meiste Zeit

Da ist zunächst der Faktor Zeit. Man teilt den Schreibtisch oder Schraubstock, isst gemeinsam in den Pausen und gönnt sich nach Feierabend noch ein Bier zusammen. Häufig entstehen daraus Freundschaften, mehr oder weniger tief. Mit Kollegen verbringt man die meiste Zeit seines Lebens, da überrascht es nicht, dass sich etwa die Hälfte näherkommen. Manche sogar so nahe, dass eheähnliche, platonische Vertrauensbeziehungen untereinander entstehen. Es sind vor allem jüngere, die sich privat mit Kollegen treffen. Das liegt wohl daran, dass die 18- bis 29-jährigen meist noch keine eigene Familie haben.

Menschen brauchen Kontakte

Die Chefs wird’s freuen, wenn sich die Mitarbeiter verstehen. Denn das führt zu einem guten Betriebsklima. Sind Freundschaften am Arbeitsplatz aber auch für Kollegen gut? Zunächst: Wenn es so weit kommt, können sie überhaupt nichts dafür. Menschen sind soziale Wesen mit einem Drang zu sozialen Kontakten. Manche sind einem dann so sympathisch, dass sie Potential zur Freundschaft haben. Was die beiden daraus machen, liegt allein an ihnen. Der Chef darf private Kontakte am Arbeitsplatz weder verlangen, noch verbieten.

Gefahr des Vertrauensbruchs

Manche Psychologen raten von tiefen Freundschaften am Arbeitsplatz ab. Ihr schärfstes Argument: Was, wenn der Freund Fehler macht? Wenn der andere ihn deckt, kann das Konsequenzen für ihn selbst haben. An diesem Punkt ist schon manche Freundschaft in die Brüche gegangen, weil das gegenseitige Vertrauen verschwand. Oder aus Neid, weil der eine die Gehaltserhöhung bekam, der andere aber nicht. Aus Freunden wurden so Feinde. Und vorbei war es mit der großen Freude, morgens zur Arbeit zu gehen.

Regeln schützen die Freundschaft

Andere Psychologen empfehlen, Sympathien bei der Arbeit zuzulassen. Sie plädieren für ein klares Ja zur Freundschaft am Arbeitsplatz. Wirklich wehren gegen Gefühle kann man sich ohnehin nicht. Aber man kann Freundschaften mit Regeln gestalten. Das mindert die Gefahr von Streit oder Problemen. Dazu gehört, dass die Freundschaft die Arbeitsleistung nicht mindert, weil ständig Privates gequatscht wird. Auch sollte Lästern über den Chef Tabu sein, denn das kann leicht ins Auge gehen.

Vorsicht vor der Liebe

Höchste Vorsicht ist bei innigen Freundschaften geboten. Denn wenn die Grenze zum Privaten überschritten wird, ist es bis zur Liebe nicht mehr weit. Die sehen Vorgesetzte aufgrund des deutlich höheren Konfliktpotentials aber gar nicht gerne am Arbeitsplatz.

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Anna Lena Schwartz

Mitarbeiterin Personalmarketing; bloggt über Karrierethemen und gibt Einblicke hinter die Kulissen der R+V als Arbeitgeber.

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