Kapitalbindung in der Landwirtschaft: Arbeitsplätze kosten immer mehr

Kapitalbindung in der Landwirtschaft: Arbeitsplätze kosten immer mehr
31. Mrz 2020

von Dr. Markus Berneiser

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Traktoren, Mähdrescher und Anbaugeräte werden immer größer und kapitalintensiver. Auch Wirtschaftsgebäude wie Ställe, Maschinen- und Lagerhallen sind größer dimensioniert als früher. Und nicht zuletzt werden mehr Tiere je Betrieb gehalten und mehr Fläche (Acker- und Grünlandfläche) bewirtschaftet.

Der anhaltende Strukturwandel, das Engagement in neue Betriebszweige wie Stromerzeugung mit Biogas-, Photovoltaik- und Windkraftanlagen sowie der verstärkte Einsatz innovativer Technik und Digitalisierung haben dazu geführt, dass der Kapitaleinsatz in der Landwirtschaft seit Jahren stark ansteigt.

Mit 590.800 Euro je Erwerbstätigen zählt die Landwirtschaft zu den kapitalintensivsten Branchen überhaupt. Im Vergleich hierzu: In der deutschen Wirtschaft insgesamt liegt der Kapitaleinsatz mit 440.500 Euro je Erwerbstätigen deutlich darunter, in der Industrie sind es 327.300 Euro je Erwerbstätigen, im Handel vergleichsweise geringe 145.200 Euro und im Baugewerbe sogar nur 45.600 Euro.

Landwirtschaftliche Betriebe sind solide finanziert

Trotz des hohen Kapitaleinsatzes sind landwirtschaftliche Betriebe im Vergleich zu gewerblichen Unternehmen solide finanziert. Liegt der Fremdkapitalanteil lediglich bei ca. 30%, ist das Eigenkapital-Fremdkapital-Verhältnis im Durchschnitt der anderen Branchen eher umgekehrt. Dennoch steigt der Fremdkapitalbestand in der deutschen Land- und Forstwirtschaft kontinuierlich an und lag im Dezember 2019 bei 54,2 Mrd. EUR.

Gute Vorbereitung des Kreditvergabegespräches

Investitionen und damit einhergehende Finanzierungen wollen vom Betriebsleiter gut durchdacht, geplant und kalkuliert sein. Auch die Verhandlungen mit der Bank erfordern intensive Vorbereitungen. Neben Informationsquellen wie Internet, Fachliteratur und dem Austausch mit Berufskollegen ist die Unterstützung durch einen Berater empfehlenswert. Dieser kann Landwirte im Zweifel zum Banktermin begleiten und ihnen durch seine Erfahrung in solchen Verhandlungssituationen wertvolle Hilfestellung leisten.

Sicherheiten bei der Kreditvergabe nötig

Wer über Erfahrungswerte mit Finanzierungsgesprächen verfügt, der weiß, dass Banken im Kreditvergabeprozess Sicherheiten verlangen. Neben den beliehenen Investitionsgütern, die bei Zahlungsschwierigkeiten des Kreditnehmers verwertet werden können, aber auch der fachlichen Qualifikation des Kreditnehmers zählen hierzu ferner die Absicherung des Kreditnehmers (Arbeitskraft, Leben) und der betrieblichen Risiken (Gebäude, Inventar, Absicherung des Produktionsablaufs).

Liquidität vor Rentabilität – nicht nur in Krisenzeiten

Leider ist es so, dass die wenigsten Betriebe über ausreichende finanzielle Rücklagen verfügen, um eine längere Durststrecke überbrücken zu können. Die frühzeitige Einrichtung eines betrieblichen Risikomanagements ist deshalb sinnvoll. Dessen vordringlichste Aufgabe ist die Erhaltung der Zahlungsfähigkeit des Unternehmens – Liquidität vor Rentabilität gilt als wichtiger kaufmännischer Grundsatz.

Denn nur durch die Absicherung der Zahlungsfähigkeit des Betriebes kann der Kreditgeber sichergehen, dass der Erhalt des Kapitaldienstes (Zins + Tilgung) langfristig gewährleistet ist. Das Mittel der Wahl stellt die Übertragung der betrieblichen und persönlichen Risiken auf einen Versicherer dar – und wird von den meisten Banken deshalb zur Voraussetzung für die Kreditvergabe gemacht. Unser Tipp: Stellen Sie gemeinsam mit Ihrem Berater eine Prioritätenliste Ihrer Risiken auf und wägen ab, welche Risiken Sie auf gar keinen Fall schultern können – und deshalb zum Beispiel auf einen Versicherer übertragen müssen – und welche Sie im Zweifel selbst tragen können.

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