Homeschooling und Homeoffice: Eltern am Limit

Homeschooling und Homeoffice: Eltern am Limit
6. Mai 2020

von Denise Eberhardt

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Im Kopf rauscht es. Die Ohren dröhnen. Über den Rücken reden wir erst gar nicht. Eltern sind im Ausnahmezustand. Ein Ende ist nicht abzusehen.

In der ersten Woche der Schulschließungen am 16. März lag eine prickelnde Endzeit-Stimmung in der Luft. Schulsachen mussten in den verwaisten Klassenzimmern abgeholt werden. Keiner wusste, was da auf uns zukommen würde. Aber die Tatsache, dass Eltern nur alleine kommen durften, machte schon klar: Hier passiert etwas Besonderes.

Tägliche Vierfachbelastung

In der zweiten Woche wurde allen klar, dass der Begriff „Corona-Ferien“ ein Hohn ist und sich diesen nur jemand ausdenken konnte, der keine Kinder hat. Wer gleich zwei Grundschulkinder hat wie ich (1. und 2. Klasse), hat ein Problem. Denn ich bin keine studierte Lehrerin. Ich weiß weder, wie ich die Konzentration von der kleinen Spinne in der Ecke auf das Rechnen mit Münzen und Scheinen lenke –nein, mein Kind, eine 13 Euro-Münze gibt es nicht –noch kann ich in Religion das Buchstabenpuzzle aus Psalm Johannes 20 lösen. Und wir reden hier vom Schulstoff der 1. und 2. Klasse. In Mathematik mache ich gerade eine Konfrontationstherapie meines Schulzeittraumas durch. Ich lerne, wie heutzutage rechnen und lesen gelernt wird und lerne auch meine Kinder von einer ganz neuen Seite kennen. Was ich aber nicht lerne, ist, mit der Vierfachbelastung aus Homeoffice, Homeschooling, Haushalt (die gefühlt 65 Mahlzeiten am Tag sind eine gute Orientierungshilfe zum Tag-Nacht-Rhythmus) und Kinderbespaßung zurecht zu kommen.

Eltern am Limit

Wir Eltern geben an allen Fronten unser Bestes – auch als stolze Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der R+V. Aber bitte seht es mir nach, wenn ich derzeit nicht so schnell und in hoher Qualität arbeite, wie ich es gerne tun würde. Und bitte wisst, dass ich meine Kinder während der Skype-Besprechung vor den Fernseher setze und danach eine halbe Stunde brauche, um sie wieder „runterzubringen“, um sie an den Schreibtisch setzen zu können. Unsere Kinder sind da. Rund um die Uhr. Und sie haben Bedürfnisse. Rund um die Uhr. Sie haben nachts Angst und Durst, verstehen am Tag die Schulaufgaben nicht, müssen die Zähne nachgeputzt, Streit geschlichtet bekommen und an die frische Luft und Sport machen. Wir sind am Limit.

Was in der ersten Woche noch ein angenehmes Ausbrechen aus der Alltagsroutine war, wird zu einer unerträglichen Belastung. Auf Dauergeschrei, Getrommel und Gekloppe meiner Söhne reagiere ich zunehmend dünnhäutiger.

Ebenso allergischer fällt meine Reaktion auf Familienangehörige aus, die sich über neue Netflix-Serien informieren wollen oder sich darüber beschweren, wie sehr sie unter der Stille leiden. Dann möchte ich entgegnen: „Geht’s noch? Wollen wir mal eine Stunde tauschen?“ –  Obwohl ich weiß, dass jeder Vergleich zu einem Gefühl von Ungerechtigkeit, persönlichem Unglücksempfinden und sozialen Unfrieden führt. Jeder hat sein Päckchen zu tragen. Und derzeit erscheint einem das eigene Päckchen am schwersten.

Gesellschaftlicher Zusammenhalt ist gefragt

Wir müssen jetzt zusammenhalten und gegenseitiges Verständnis entwickeln. Diese Krise stellt unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt auf die Probe. Jetzt zeigt es sich, ob sich die Jungen gegen die Alten, die Kinderlosen gegen die Eltern, die Gesunden gegen die Kranken stellen, oder ob wir es schaffen, die Gräben, die schon immer da waren und jetzt ganz offen zu Tage treten, offen ansprechen, uns gegenseitig unsere Situationen und Gefühle erklären und damit echtes Verständnis füreinander schaffen. Diese Empathie hilft uns auch nach Corona, zu einer Solidarität und Zusammengehörigkeit zu gelangen.

Ich beginne mit der Elternsicht. Vielleicht folgen ja Berichte der Alleinstehenden, der Risikopatienten, der Jungen. Du bist nicht allein.

 

Gastbeitrag von Natalie Peine,  Korrespondenz-Managerin

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Homeschooling und Homeoffice: Eltern am Limit
Denise Eberhardt

Werkstudentin im Personalmarketing, bloggt über das Leben bei der R+V, Karrierethemen und Arbeitgeber-News.

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