Kleiderordnung an heißen Tagen – besser bedeckt als blankes Bein

Kleiderordnung an heißen Tagen – besser bedeckt als blankes Bein
6. Aug 2015

von Katharina Zehner

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Wenn es draußen heiß ist, wird die Kleidung im Büro bei manchen Mitarbeitern kürzer. Ob weiblicher Rock oder männliches Hemd: „Beides geht gar nicht“, meint Karriere-Coach und Knigge-Expertin Carolin Lüdemann. Wenig Stoff ist gleich wenig Autorität.

Die Schulleiterin der Werkrealschule in Horb am Neckar meinte es bestimmt gut, als sie Anfang Juli an die Eltern ihrer Schüler schrieb: „Wer zu aufreizend gekleidet ist, der bekommt von der Schule ein großes T-Shirt gestellt, das er/sie sich bis zum Schultagesende anziehen muss.“

Was aber ist schlimm an knapper Kleidung bei großer Hitze? „Da geht mit dem einen oder anderen das Kopfkino durch“, erklärt der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Josef Kraus, dem Tagesspiegel. Schuld sind halt immer die anderen. So einfach kann man sich das Leben reden.

Zu-kurze-Hosen-Verbot

Mit ihrem Brief löste die züchtige Pädagogin einen Shitstorm in den sozialen Medien aus. Manche klatschten Beifall, andere pfiffen sie aus, weil ihre Anordnung eindeutig sexistisch sei. Schließlich zielt ihr Brief allein auf Mädchen ab. Dabei gibt es auch Jungs, die im Sommer in Strandklamotten zum Unterricht badelatschen.

Mit ihrem Brief hat die Rektorin zudem eine alte Diskussion neu angestoßen: Welche Kleidung darf man bei Hitze im Büro tragen? Carolin Lüdemann antwortet darauf in der SWR1-Radiosendung ‚Arbeitsplatz‘: „Solche Diskussionen führen wir seit Jahrzehnten.“ Eine allgemeingültige Antwort wurde bislang nicht gefunden.

Bank ist anders als Werbeagentur

„Beim Dresscode an heißen Tagen muss man mit berücksichtigen, um welche Art von Mitarbeitern es sich handelt und wer der Arbeitsgeber ist“, sagt Lüdemann. In der konservativen Bank ist die Krawatte am langärmligen Hemd unter dem dunklen Anzug beim Banker mit Kundenkontakt Pflicht. In einer Werbeagentur ist Kleidung mit ein Ausdruck individueller Kreativität. Da darf sie ruhig flippig, sollte aber auch dort nicht zu knapp sein.

Denn: „Mehr Stoff bedeutet mehr Autorität“, so Lüdemann. Sie kleidet sich nicht für andere, sondern für sich selbst. „Weil ich ein Stück weit damit lenke, wie mir andere begegnen.“ Kühl oder heiß. Sachlich oder emotional.

Die großen Sünden der Frauen

Die größten Fehler, die Frauen bei der Kleiderwahl im Hochsommer machen können, sind Lüdemanns Meinung nach: zu kurz, zu knapp, zu eng. Oberteile müssen immer die Schulter bedecken und einen Ärmelansatz haben. Spaghetti-Träger sind unpassend unter Kollegen, genauso die Sonnenbrille. Die vermittelt das Gefühl, etwas verbergen zu wollen. Der Rock sollte das Knie umspielen. Und, wenn die Dame nacktes Bein zeigt, sollte sie zwingend Feinstrümpfe tragen.

Die kleinen Fehler der Männer

Dem Mann rät sie vom Kurzarmhemd ab. „Im warmen Büro empfehle ich, das langärmlige Hemd hochzukrempeln.“ Das hat körpersprachlich zudem den Effekt, dass man damit ausdrückt: Ich bin jederzeit bereit, mit anzupacken. „Zum Glück kommen die wenigsten Männer auf die Idee, in kurzen Hosen ins Büro zu gehen oder Sandalen zu tragen.“ Bei der Kleidung machen Männer also gar nicht so viel falsch, wie ihre Frauen manchmal meinen.

Vielleicht wusste das auch die Rektorin und hat deshalb die Jungs im Brief gleich gar nicht erwähnt.

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Katharina Zehner

Mitarbeiterin Personalmarketing; bloggt über Personal- und Karrierethemen im Allgemeinen sowie Berufsbilder und Hinter den Kulissen Eindrücke bei der R+V.

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