Kolik-Operation beim Pferd: Mein Erfahrungsbericht

Kolik-Operation beim Pferd: Mein Erfahrungsbericht
28. Jun 2017

von Ulrike Seim

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Als Reiter, Pferdebesitzer und -freund sind uns die Kolik-Symptome und auch die konservativen und chirurgischen Behandlungsmöglichkeiten bekannt. Dass auch unser eigenes Pferd an einer Kolik erkranken könnte – und das ohne Selbstverschulden – verdrängen wir meines Erachtens aber gerne aus dem Pferdealltag.

„In unserem Stall gibt es keine Kolik.“

Genau dasselbe habe ich bis vor wenigen Jahren auch behauptet. Als Selbstversorger halten wir unsere Pferde in einem gepflegten Offenstall mit drainierten Ausläufen, sauberen Wiesen und großzügigen Unterstellmöglichkeiten. 24h Pferdegesellschaft und Bewegung, stetiger Zugang zu frischem Wasser, bestes Raufutter ad libitum und maximale Stallhygiene sind meiner Meinung nach die besten Voraussetzungen, Koliken nachhaltig vorzubeugen.

Trotz dieser optimalen Rahmenbedingungen blieben wir an einem Sommertag Ende Juni nicht verschont. Nach der morgendlichen Kraftfutter-Fütterung öffnete ich routinemäßig die Wiesen. Unsere Pferde marschierten zufrieden ins Grasparadies. Wenige Stunden später fiel meine damals Viereinhalbjährige mit ersten Kolik-Anzeichen auf. Mein Tierarzt des Vertrauens wurde unverzüglich eingebunden und leitete die konservative Behandlung ein: Schmerzmittel, Krampflöser, stundenlanges Führen und Beobachten.

Willkommen in der Tierklinik!

Nach anfänglicher Besserung verstärkte sich die Kolik-Symptomatik gegen Abend wieder deutlich. Mein Tierarzt verwies zur weiteren Diagnose und Behandlung an die nächstgelegene Tierklinik. Dort angekommen wurde, nach ausführlicher Erstanamnese, die konservative Behandlung mit Infusionstherapie fortgesetzt. Den Heimweg trat ich mit einem leeren Pferdehänger an. Zum ersten Mal reflektierte ich bewusst unsere Situation. Ein Gefühl der Machtlosigkeit machte sich breit.

In den kommenden Stunden wünschte ich mir nichts sehnlicher, als dass die Tierklinik nicht anruft. Und doch, gegen 03:00 Uhr nachts, weckte mich das Klingeln meines Handys. Der Zustand hatte sich rapide verschlechtert. Ohne Operation keine Überlebenschance. Kostenvoranschlag rund 4.000 Euro. Erfolgsaussicht: Ungewiss. Für mich persönlich als Pferdebesitzer war dies einer der schlimmsten Augenblicke. Die pure Verzweiflung. Wird mein Pferd die Operation überleben? Wird mein Pferd die langfristige Rehabilitation überstehen? Sind Langzeitschäden zu erwarten?

Wir hatten keine Zeit zu verlieren: Ich stimmte der Operation zu.

Ein Rückblick: Fünf Jahre danach

Ich nehme gerne vorweg, dass mein Pferd mich heute wieder freudig in der Box begrüßt. Nach der erfolgreichen Operation traten nie wieder Kolik-Probleme auf. Aber der Weg der Genesung war lang und beschwerlich:

„Fiene“ hatte direkt nach ihrer Operation gefühlt ein Viertel ihres Gewichts verloren. Die verlorene Substanz baute sich nur sehr langsam über die Jahre wieder auf. Es folgte eine wochenlange Boxenruhe mit langsam beginnendem Schrittführen sowie ein Jahr Reitpause. Darüber hinaus mussten diverse Umbaumaßnahmen an unserem Offenstall vorgenommen werden. Die Zeit der Rehabilitation gestaltete sich mit einem jungen agilen Pferd, wie Fiene es ist, nicht einfach.

Was die Kolik ausgelöst hatte? Nach der Operation habe ich mich ausführlich mit den behandelnden Tierärzten unterhalten: Wir vermuten gemeinsam, dass das Gras auf unserer Wiese noch klamm war, als die Pferde darauf spazierten. Infolgedessen entwickelte sich ein nur unzureichendes Durstgefühl. Durch zu wenig Flüssigkeit im Darm kam es folglich zur Verstopfungskolik.

Heute bin ich mir sicher: Über artgerechte Haltung und Fütterung lässt sich das Kolik-Risiko bei Pferden minimieren – ausschließen können wir es nie.

Gastbeitrag von Jana Kohlmann, Vereinigte Tierversicherung Ges. a.G.

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Kolik-Operation beim Pferd: Mein Erfahrungsbericht
Ulrike Seim

Abteilung Agrarmarkt und Erneuerbare Energien; Pferdemanagement, bloggt über Themen rund um Ross und Reiter.

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