Landwirtschaft braucht den Dialog mit der Gesellschaft

Landwirtschaft braucht den Dialog mit der Gesellschaft
13. Jun 2017

von Dr. Markus Berneiser

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Die Landwirtschaft, und besonders die Tierhaltung steht im Fokus der Öffentlichkeit. Erzeuger und Verbraucher müssen aufeinander zugehen, damit die Erzeugung tierischer Lebensmittel ertragreich und gleichzeitig akzeptiert ist. Das wurde auf der Fachtagung des R+V-AgrarKompetenzZentrum „Landwirtschaft im Spannungsfeld zwischen Wettbewerb und gesellschaftlicher Akzeptanz“ deutlich.

Wir bieten mit der regelmäßig stattfindenden Fachtagung eine Plattform, auf der sich Agrarexperten zu aktuellen Themen austauschen können.

Wie die Landwirtschaft ihre Akzeptanz in der Gesellschaft erhöhen kann, darüber diskutierten am 1. Juni 2017 im Hotel Dorint in Wiesbaden 150 Spezialisten aus der Agrarszene – Tierärzte, Vertreter von Veterinärämtern, Ministerien, Landwirtschaftskammern und Verbänden, Banken, Rückversicherer, Landwirte und Agrar-Fachjournalisten.

Kompromisse anstatt Konflikte

Prof. Ulrike Weiler

Prof. Ulrike Weiler

Nach der Begrüßung durch R+V-Bereichsleiter Michael Busch analysierte Prof. Ulrike Weiler von der Universität Hohenheim die Zielkonflikte zwischen Tierschutz, Umweltschutz und Genusswert des Fleisches. Sie stellte fest, dass die Wünsche der Gesellschaft an die Tierhaltung nicht in jedem Fall das Optimum für Umwelt und Tiere darstellen. Sie zeigte beispielsweise auf, dass bei der gesell­schaftlich präferierten Mutterkuhhaltung deutlich mehr schädliche Treibhausgase entstehen als bei der Bullenmast in Stallhaltung. Ihre Schlussfolgerungen lauteten: Um die Zielkonflikte zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft aufzulösen, muss ein entemotionalisierter wissens- und faktenbasierter Dialog geführt werden. Die Landwirtschaft muss dem Verbraucher erklären, was und warum sie es macht. Auf dieser Basis müssen gemeinsam tragfähige Kompromisse gefunden werden, die nachhaltig und glaubwürdig realisiert werden.

Entfremdung von der Gesellschaft entgegenwirken

Entwicklungen wie die zunehmende Urbanisierung, Größenwachstum der Betriebe, technologischer Fort­schritt und ein höherer Verarbeitungsgrad der Lebensmittel haben dazu geführt, dass sich die Gesellschaft zunehmend von der landwirtschaftlichen Urproduktion entfernt hat. Weil sich keiner dieser Trends umkehren lässt, plädiert Prof. Alfons Balmann, Direktor am Leibniz-Institut in Halle, dafür, dass die Landwirtschaft gesellschaftliche Verantwortung übernimmt. Dazu zählen nicht nur öffentlichkeitswirksame Maßnahmen der Betriebe, sondern auch konstruktive Auseinandersetzungen innerhalb der Landwirtschaft mit der Gesellschaft und der Politik.

Einheitliche Strategie für Tierhaltung

Prof. Folkhard Isermeyer

Prof. Folkhard Isermeyer

Insbesondere die tierhaltenden Landwirte sind mit vielfältigen Problemen konfrontiert: Anfeindung der sogenannten Massentierhaltung, niedrige Erzeugerpreise, zunehmende „bürokratische“ Auflagen, Anforderungen des Lebensmittelhandels, Bürgerinitiativen erschweren Baumaßnahmen, rückläufiger Fleischkonsum usw. Die derzeitigen Aktivitäten von Politik und Wirtschaft sind unkoordiniert und bieten kaum Orientierung und Planungssicherheit für investitionswillige Landwirte. Vor diesem Hintergrund schlägt Prof. Folkhard Isermeyer, Direktor des Thünen-Instituts in Braunschweig, eine Nationale Nutztierstrategie vor, die eine gesellschaftlich akzeptierte Nutztierhaltung zum Ziel hat.

Gläserner Bauernhof, Facebook & Co.

Michael Dörr (rechts) berichtet aus der Praxis

Michael Dörr (rechts) berichtet aus der Praxis

Mit Michael Dörr, CERES AWARD-Gewinner 2016 und damit Landwirt des Jahres, kam ein überzeugender Praktiker zu Wort, der mit seiner Arbeit am positiven Bild der Landwirtschaft mitzeichnet. Dörr berichtete, wie er innerhalb von knapp 15 Jahren den elterlichen Betrieb zu einem modernen Zukunftsbetrieb weiterentwickelt hat. Milchviehhaltung, Erneuerbare Energie wie Photovoltaik und Biogas sowie Direktvermarktung sind seine Hauptstandbeine. Aber auch die Öffentlichkeitsarbeit hat sich zu einem wichtigen Betriebszweig entwickelt. Gläserne Produktion, Bauernhof als Klassenzimmer, Installation von Verkaufs- und Milkshake-Automaten, Einrichtung eines Lehrpfades und vieles mehr haben ihn in der Region als coolen Landwirt bekannt gemacht. Überregionale Bekanntheit hat er beispielsweise durch die Mitwirkung in der Kindersendung „Pur+“, dem 2. Preis des hessischen Tierschutzpreises 2015, dem Gewinn des CERES AWARD 2016 sowie der intensiven Nutzung der sozialen Netzwerke erlangt.

Fazit: Aktuelles Tagungsthema traf genau das Informationsbedürfnis der Branche

Die Diskussionen und Rückfragen der Teilnehmer zwischen den einzelnen Vorträgen zeigten, dass dieses Thema sehr kontrovers diskutiert wird, dass es viele Lösungsansätze gibt – und dass die R+V/VTV mit der Wahl des Tagungsthemas offensichtlich genau den Informationsbedarf der Branche getroffen hat.

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