On the road again

On the road again
23. Feb 2021

von Caroline Dorn

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Reparieren, Restaurieren und alten Motorrädern und Autos wieder zu neuem Glanz verhelfen – das ist die große Leidenschaft von Jan Hendrik Wolf.

Einmal Kfz – immer Kfz: Jan Hendrik Wolf arbeitet als Produktentwickler und Senior Projekt Manager im Bereich K-Betrieb – oder in seiner Werkstatt im Taunus. Hier mit seinem 76er Triumph Dolomite Sprint.

Der Geruch von Öl und Benzin hängt in der Luft. Auf der Werkbank liegt ein Motorblock – auseinandergebaut und fein säuberlich gereinigt. Vom dazugehörigen Motorrad sind nur Rahmen und Räder übrig. „Mein aktuelles Projekt“, stellt Jan Hendrik Wolf, die Maschine vor. 65 Jahre alt ist die AJS Model 20, die er vor einiger Zeit aus Belgien geholt hat – zum Schrauben und Wiederaufbauen ganz ohne Zeitdruck. Der Senior Projekt Manager in Kraftfahrt-Betrieb weiß, wo er die raren Ersatzteile bekommt. Es ist nicht sein erster Oldtimer – und längst nicht der einzige.
Die Werkstatt von Wolf im Taunus bietet ausreichend Platz für Fahrzeuge, Werkbank und Ersatzteile. Und für eine große Hebebühne. Darauf steht jetzt ein Highlight seiner Sammlung: Ein alter Triumph Dolomite Sprint aus dem Jahr 1976. Kenner wissen: eine Rarität – mit dem ersten in Großserie gebauten Vierventil-Motor. Einmal kurz durchchecken, die Batterie nachladen und dann wieder damit nach Hause, auch wenn draußen gerade der letzte Schnee taut. Seine Fahrzeuge sind keine Ausstellungsstücke. „Was einsatzbereit ist, wird gefahren“, lautet Wolfs Devise.

Es gibt noch viel zu tun, bis der alte Mercedes Coupé wieder in neuem Glanz erstrahlt. Dennoch: Der Wagen verdient jede investierte Minute.

„Der Wagen verdient jede investierte Minute“
Im hinteren Teil der Werkstatt wartet ein anderer Kandidat geduldig auf seine Rückkehr auf den Asphalt: ein 71er Mercedes Coupé – oder das, was aktuell davon übrig ist. Genau genommen sind es nur die Karosserie, einige Teile der Innenverkleidung und die Hinterräder. „Alle anderen Teile sind hier verstaut – vom Lenkrad bis zum Rücklicht“, sagt Wolf und deutet auf ein Schwerlastregal. Selbst Motor und Getriebe finden sich in Kartons, in hunderte Einzelteile zerlegt. Nach und nach wird dann aus dem Gerippe wieder ein stattlicher Oldtimer. Wie lange das noch dauert? Wolf zuckt mit den Schultern „Am Mercedes arbeite ich schon einige Jahre, das ist ein großes Projekt.“ Den Wagen hat er 1988 erworben und bis vor zwölf Jahren fast täglich gefahren. „Ein treues Auto – das verdient jede investierte Minute.“

Fertig sind dagegen zwei britische Motorräder aus den 1950er-Jahren – schwarz lackiert, das englische Original-Nummernschild vorne auf dem Kotflügel montiert – wie in alten Filmen. Mit ihnen fährt Wolf auch manchmal zur Arbeit. „Das hier ist eine Matchless, Baujahr 1958. Mit ihr habe ich mich viel herumgeärgert. Mittlerweile läuft sie so gut – die gebe ich nicht mehr her.“ Von anderen Fahrzeugen hat er sich getrennt, auch wenn es schwerfällt. „Da fließt auch schon mal ein Abschiedstränchen“, schmunzelt Wolf. Verständlich: Er hatte jede Schraube in der Hand, kennt jede Macke und Eigenschaft der Maschine. „Aber letztendlich siegt die Vernunft – und es ist ja auch schade, wenn so eine Maschine hier nur noch herumsteht und einstaubt.“ An wie vielen Fahrzeugen Jan Hendrik Wolf zwischenzeitlich geschraubt hat – er weiß es nicht. „Irgendwann habe ich aufgehört zu zählen.“

Noch ist das Motorrad, eine 65 Jahre alte AJS Model 20, nur zu erahnen. Aber irgendwann wird Wolf damit durch den Taunus kurven– das ist sicher.

Jedes Motorrad, jedes Auto hat seine Geschichte, sogar einen Namen. Und birgt unzählige Erinnerungen. „Ich liebe jedes einzelne. Und bin überzeugt, dass sie alle ihren Charakter und eine Seele haben – auch wenn ich natürlich weiß, dass es technische Gegenstände sind“, sagt er augenzwinkernd.

Streckensprecher bei Oldtimer-Rennen
Wer denkt, dass Schrauben ein einsames Hobby ist, hat weit gefehlt. In der Werkstatt herrscht reger Betrieb. Kumpels und Kollegen kommen vorbei, tauschen sich aus, holen sich Rat oder machen Kaffeepause auf ihrer Tour durch den Taunus. Auch zu Corona-Zeiten sind die Kontakte nicht abgerissen – schließlich bietet die Werkstatt ausreichend Platz um Abstand zu halten.
Doch das nicht genug: Jan Hendrik Wolf ist seit mehr als 30 Jahren in der Oldtimer-Szene aktiv, ist Mitglied in Vereinen und Clubs. Er organisiert Oldtimer-Touren und hat schon zahlreiche Veranstaltungen moderiert, darunter waren der Oldtimer-Grandprix auf dem Nürburgring und die Classic Days Berlin auf dem Kurfürstendamm. Seine persönlichen Highlights waren aber die Wiederauflagen zweier historischer Rennen, bei denen er als Streckensprecher über die hochbetagten Oldies informierte: das Gordon-Bennett-Rennen 2004 und der „Kaiserpreis 2007“: „Da sind Fahrzeuge mitgefahren, die auch schon bei den Rennen vor 100 Jahren gestartet sind – das waren die beiden tollsten Veranstaltungen, die ich je erlebt habe.“

Gastbeitrag: Christina Orgnon

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Caroline Dorn

Caroline Dorn, Volontärin in der Konzern-Kommunikation, bloggt über Geschichten aus dem Unternehmen und das soziale Engagement der R+V.

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