Online-Nachlass – digitale Daten nach dem Tod

Online-Nachlass – digitale Daten nach dem Tod
7. Jan 2016

von Suitbert Monz

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Der physische Nachlass wird von den meisten frühzeitig geregelt. Haus, Vermögen und Schmuck werden unter den Erben aufgeteilt. Relativ wenige machen sich allerdings Gedanken um den digitalen Nachlass. Das ist umso problematischer, als dass sich Online-Konten und -Profile ohne Zugangsdaten nur schwer verwalten oder löschen lassen.

Es gibt kaum Gesetze zum Online-Erbe. Das liegt auch daran, dass das Internet ein immaterieller Raum ohne nationale Grenzen ist. Darüber hinaus wird die Verwaltung der Accounts nach dem Tod des Inhabers von den Anbietern sehr unterschiedlich geregelt. Das kann für die Erben kompliziert und zu einer Belastung werden.

Profile löschen

Gerade bei Daten, die nicht auf dem PC oder sonstigen Geräten gespeichert sind, wird es für die Erben schwierig. Das gilt beispielsweise für E-Mail-Provider oder Profile in sozialen Netzwerken. Sie haben nur dann direkt Zugriff darauf, wenn der Erblasser seine Zugangsdaten hinterlegt hat. Das ist meistens aber nicht der Fall.

Mit etwas Aufwand lassen sich die Profile in den Netzwerken dennoch löschen. Dazu müssen die Erben in der Regel den Erbschein vorlegen und sich ausweisen. Facebook bietet zusätzliche eine Gedenkseite an, auf der die Hinterbliebenen noch posten können, alle anderen Funktionen aber abgeschaltet sind.

Daten rechtzeitig hinterlegen

Ein weiteres Problem besteht darin, dass die Erben oft keinen Überblick darüber haben, welche Spuren der Erblasser im Internet hinterlassen hat. Das ist besonders bei laufenden Ebay-Auktionen, Verträgen oder auch der Verwaltung von Kreditkarten hinderlich. Klarheit kann der Erbe darüber eigentlich nur durch Einsicht in die E-Mails erlangen.

Doch auch hier ist die Rechtslage nicht geklärt. E-Mail-Provider behalten sich vor, den Zugriff durch Erben zu verweigern, selbst dann, wenn diese die entsprechenden Dokumente vorlegen können. Das geschieht aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes. Denn auch private Mails mit entsprechendem Inhalt können dann gelesen werden. Vorbeugen kann man nur, indem man zu Lebzeiten selbst eine Regelung aufstellt.

Dies zeigt, dass der Online-Nachlass vor allem unter rechtlichen und organisatorischen Aspekten nicht zu unterschätzen ist. Man sollte ihn daher zusammen mit dem übrigen Erbe regeln. Dazu bedarf es keines großen Aufwands: Auch ein handgeschriebenes Schriftstück mit Unterschrift, das im Tresor oder auch im Schreibtisch hinterlegt wird, ist gültig.

Fremdfirma mit dem Nachlass beauftragen

Einige Firmen bieten Erben inzwischen an, die Verwaltung des Online-Nachlasses zu übernehmen. Die Firmen brauchen eine Vollmacht und ermitteln dann, welche digitalen Spuren der Verstorbene im Internet hinterlassen hat, kündigen laufenden Verträge oder deaktivieren Online-Konten und -Profile. Alternativ gibt es Möglichkeiten, sich schon zu Lebzeiten um die Verwaltung des Nachlasses zu kümmern und Daten schon vorab zu speichern. Wichtig ist jedoch, zu klären, wie dort mit sensiblen Daten umgegangen wird und was damit passiert, wenn die Firma zum Beispiel nicht mehr existiert.

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Suitbert Monz

R+V Social Media Manager, bloggt über Online-Marketingmaßnahmen, soziale Netzwerke und über das Social Media Konzept des Unternehmens.

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