Regionale Kennzeichen – Neues aus dem Ministerium

Regionale Kennzeichen – Neues aus dem Ministerium
5. Sep 2012

von Monika Hochscheid

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Dr. Martin, Bereichsleiter des Fachbereichs Kfz bei der R+V Versicherung und Vorstandsmitglied der KRAVAG Gesellschaften und Optima, hat am 18.04.2012 über Möglichkeiten und Sinn von Wechselkennzeichen gesprochen.

Bei den Konzerngesellschaften der R+V sind bisher lediglich zehn Wechselkennzeichen beantragt worden. Also viel Wind, um Nichts.

Bundesverkehrsminister Ramsauer wartet jetzt mit einer neuen Idee zum Thema Autokennzeichen auf. „Das Autokennzeichen ist Herzensangelegenheit der Deutschen“ sagt er und möchte wieder regionale Kennzeichen einführen. Darüber habe ich mit Herrn Dr. Martin gesprochen.

Name und Geburtsdatum mehr im Fokus als die Gemeinde

Herr Dr. Martin, sehen Sie das wie Bundesminister Ramsauer?

Ich kann die Aussage von Herrn Ramsauer durchaus nachvollziehen. Heute kann man ja bereits ein Wunschkennzeichen wählen. Diese Möglichkeit wird von den Autofahrern auch gerne genutzt. Allerdings stehen hier mehr der Name und das Geburtsdatum im Fokus. Nicht so sehr die Gemeinde als Zulassungsbehörde. Ich denke, dass dies für den größten Teil der Autofahrerinnen und –fahrer keine bedeutende Rolle spielt.

Früher gab es doch eine feinere Differenzierung bei den Zulassungsstellen. Diese wurde abgeschafft, stimmt das?

Ja das stimmt. Vor Jahren hatte jede Kreisgemeinde ein eigenes Kennzeichen. Aus Gründen der Kostenersparnis wurden damals die Zulassungsstellen reduziert und die Kennzeichenvielfalt verringert.

Hohe Aufwände für Versicherungen

Wie wäre das denn jetzt? Die Kosten würden doch wieder ansteigen, oder?

Bei den Zulassungsstellen muss das nicht so sein. Die heutigen Zulassungsstellen müssen einfach die neuen Kennzeichen mit bedienen. Und ich gehe davon aus, dass dies auch so umgesetzt wird. Alles andere macht ja keinen Sinn. Es ist wohl auch nicht im Interesse der Regierung wieder mehr Kosten zu produzieren.

Allerdings werden für Wunschkennzeichen Sondergebühren erhoben. Hier hätten wir eine zusätzliche Geldquelle für die Zulassungsstellen.

Welche Auswirkungen haben die Ideen von Herrn Ramsauer denn für die Versicherungen?

Wir müssten in unserer EDV Schnittstellen jedes neue Kennzeichen berücksichtigen. Die Anschrift und die kompletten Kontaktdaten vorhalten. Diese Daten werden ja nicht einfach in die Maschinen gekippt. Daten und Prüfungen müssen händisch eingegeben und programmiert werden. Das produziert zusätzliche Aufwände. Und diese Aufwände haben alle Kfz-Versicherungen in Deutschland.

Erst offene Themen klären, bevor neue Baustellen aufgemacht werden

Herr Dr. Martin, welche Empfehlung würden Sie Herrn Ramsauer geben?

Wir würden empfehlen keine weiteren Baustellen aufzumachen. Zuerst sollten wir bereits angegangene, aber noch offene Themen, endgültig klären. Offene Themen, teilweise seit mehreren Jahren, sind zum Beispiel die Anhängerhaftung oder das Angehörigenschmerzensgeld nach Unfällen.

Eine ebenso offene Baustelle ist das Versicherungssteueränderungsgesetz. Die Einnahmen durch die Versicherungssteuer sind rückläufig. So macht sich der Bund Gedanken, ob z. B. ein Selbstbehalt im Schadenfall (je höher der Selbstbehalt, desto günstiger die Versicherungsprämie) besteuert werden muss.

Herr Dr. Martin, vielen Dank für Ihre Meinung.

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Regionale Kennzeichen – Neues aus dem Ministerium
Monika Hochscheid

Abteilung Kraftfahrt-Betrieb, Gruppe Qualitäts-, Prozess-, Projektmanagement; bloggt über spezifische Fragestellungen zur Kfz-Versicherung

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Kommentare

Andreas / http://ich-bin-fuer-cas.de/

15:10 06.09.2012

Vielleicht sollten Sie sich noch einmal über das Thema informieren. Nicht Herr Ramsauer oder das Bundesverkehrsministerium hatten die Idee, die Alt-Kennzeichen wieder einzuführen, sondern die Initiative stammt von den Bundesländern, die die Bundesregierung aufgefordert haben, die FZV (Fahrzeugzulassungsverordnung) entsprechend zu ändern. Ihr Apell,

Es entstünden der R+V-Versicherung bei Wiedereinführung der „Alt-Kennzeichen“ keine Mehrkosten, weil diese Kennzeichen (bei Alt-Fahrzeugen) ja auch heute noch in Benutzung sind, also die KFZ-Versicherungen, die schon „können“ müssen.

Monika Hochscheid

13:39 07.09.2012

Hallo Andreas,
vielen Dank für Ihren Hinweis.

Sicherlich gibt es heute noch einige wenige Fahrzeug, die noch ganz alte Kennzeichen aus der regionalisierten Zeit hatten. Hier handelt es sich aber eher um Ausnahmen.

Solche Einzelfälle werden auch von den Gesellschaften bedient, aber eher „zu Fuß“ als automatisiert.

Inwieweit es in der Zukunft dann auch noch neue zusätzliche regionale Kennzeichen geben wird, steht ebenso noch nicht fest (denken wir an die neuen Bundesländer).

Mit freundlichen Grüßen
Monika Hochscheid