Rückrufaktion von Autoherstellern

Rückrufaktion von Autoherstellern
18. Dez 2013

von Monika Hochscheid

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Immer wieder hört man in den Medien von Rückrufaktionen von Autoherstellern: Undichte Leitungen, Wackelsicherungen oder mangelhaftes Öl. Aber wie ist das eigentlich mit dem Versicherungsschutz, wenn durch einen solchen Mangel ein Schaden verursacht wird?

Ein Autohersteller stellt fest, dass bei einer bestimmten Baureihe die Bremsen defekt sind. Über einen Aufruf in den Medien bzw. ein persönliches Anschreiben werden die Autofahrer informiert. Sie sollen Ihre Fahrzeuge zur nächsten Fachwerkstatt bringen. Dort wird der Fehler behoben.

Aber was, wenn der Aufruf für Sie zu spät kommt?

Sie fahren auf der Autobahn. Es bildet sich ein Stau. Sie wollen bremsen. Es passiert nichts. Sie fahren auf den letzten Pkw am Stauende auf.

Der Schaden ist versichert

Die Kfz-Haftpflicht muss immer leisten, wenn durch den Gebrauch des Kfz ein Schaden verursacht wird.

Ignorieren Sie allerdings einen sicherheitsrelevanten Aufruf, kann es in der Kasko-Versicherung zu Leistungskürzungen kommen. In diesem Fall haben Sie grob fahrlässig gehandelt.

Eine solche Leistungskürzung können Sie vertraglich ausschließen. Die Versicherer bieten unterschiedliche Produkte mit und ohne Leistungskürzung bei grober Fahrlässigkeit an.

Es gibt klare Regelungen

Die Fälle, in denen der Versicherer von der Leistung befreit ist, sind also in den Versicherungsbedingungen eindeutig geregelt.

Ein Schaden, der durch einen herstellerbedingten Fehler ausgelöst wird, gehört definitiv nicht dazu.

Im obigen Beispiel erstattet der Versicherer den Schaden am anderen Fahrzeug und kommt auch für den Schaden am eigenen Fahrzeug auf, wenn eine Vollkaskoversicherung hierfür besteht.

Empfehlen würde ich, die Kasko in Anspruch zu nehmen und den Kaskoversicherer den Regress (Rückzahlung des Schadens) beim Hersteller für Sie durchführen zu lassen. In diesem Fall tritt der Versicherer in Vorleistung und führt die Verhandlungen mit dem Hersteller.

Was passiert nach der Schadensabwicklung?

Sobald alle Aufwendungen (also wirklich 100 %) durch den Hersteller an den Versicherer beglichen wurden, wird Ihr Kasko-Vertrag so gestellt, als wäre kein Schaden angefallen. Eine evtl. schon durchgeführte Rückstufung wird in diesem Fall wieder korrigiert.

Werden nicht alle Aufwendungen rückerstattet, kann der Versicherer auf die Rückstufung des Schadenfreiheitsrabattes (SFR) in solchen Fällen nicht verzichten (z. B. wenn der Nachweis nicht gelingt, dass der Herstellerfehler unfallursächlich war oder wenn Sie eine Mitschuld trifft).

Der Versicherer kann Ihnen aber eine Bescheinigung ausstellen. Diese weist den Verlust des SFR in EUR aus. So können Sie privatrechtlich beim Kraftfahrzeughersteller oder Schädiger Ihren Verlust einfordern.

Die Kaskoversicherung muss aber nicht in Anspruch genommen werden. Sie können den Schaden an Ihrem Fahrzeug auch direkt beim Hersteller selbst geltend machen.

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Rückrufaktion von Autoherstellern
Monika Hochscheid

Abteilung Kraftfahrt-Betrieb, Gruppe Qualitäts-, Prozess-, Projektmanagement; bloggt über spezifische Fragestellungen zur Kfz-Versicherung

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