R+V-Kollegen mal anders –  Jäger, Tierliebhaber und Naturschützer

R+V-Kollegen mal anders –  Jäger, Tierliebhaber und Naturschützer
15. Apr 2021

von Dr. Markus Berneiser

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Heute schon sehen, wer morgen zu Besuch kommt – das umschreibt ungefähr die Landschaft, in der die Jägerschaft Bremervörde aktiv ist. Es ist flach. Das Gebiet liegt zwischen Hamburg und Bremen im Herzen des Elbe-Weser-Dreiecks. Wiesen, Felder, kleine Seen und Hecken prägen die Gegend. Viel Natur. Über 40.000 Hektar werden von den rund 550 Mitgliedern der Jägerschaft Bremervörde gehegt und gepflegt. Schatzmeister der Jägerschaft ist Hendrik Bardenhagen, R+V-Finanzberater in der Volksbank Osterholz-Scharmbeck. „Das Jagen hat mich schon immer fasziniert, denn es ist viel mehr als ‚Tiere totschießen‘. Der Naturschutz steht mittlerweile im Mittelpunkt. Ich bin mehr als die Hälfte meiner Zeit ohne Gewehr unterwegs“, erzählt er.

Geld von der Umweltlotterie BINGO

Naturschutz heißt jedoch in der Regel nicht, Feld, Wald und Wiese sich selbst zu überlassen. Sondern es sind aktive Eingriffe, oftmals auch Rückbauten von menschengemachten Veränderungen, um der Natur wieder ihren Raum und ihre Entwicklungsmöglichkeiten zurückzugeben. Oder auch, um neue Reservate zu schaffen. Das kostet Geld. Und Hendrik Bardenhagen hat als Schatzmeister viele Ideen, wo er Finanz-Quellen ausschöpfen kann. Eine seiner Haupt-Quellen ist BINGO, die Umweltlotterie von Lotto Niedersachsen. Rund 19.000 Umweltprojekte hat die Lotterie in den letzten zwanzig Jahren mit insgesamt 190 Millionen Euro gefördert. Bardenhagen konnte seit 2013 rund 40.000 Euro an Fördermitteln für die Reviere der Jägerschaft sichern. „BINGO möchte natürlich wissen, wo das Geld investiert wird. Viele Initiativen haben gute Ideen, aber leider keinen Plan. Wir machen Konzepte, die Hand und Fuß haben und deshalb arbeiten wir seit Jahren gut mit BINGO zusammen“, betont er.

Einer seiner Pläne dreht sich um Molche, Frösche und Kleingewässer. Durch den Klimawandel trocknen immer mehr dieser kleinen, meist flachen Gewässer aus. Die Tiere brauchen sie jedoch als Rückzugsorte und Ruhezonen (die Entenjagd ist hier untersagt). Zehn solcher Kleingewässer hat die Jägerschaft in den letzten Jahren mit finanzieller Hilfe von BINGO angelegt. „Es beginnt meist mit einer Brachfläche, zum Beispiel einem ungenutzten Feld. Der Eigentümer ruft uns an und fragt, was er mit einer Brachfläche machen könnte. Wir schauen uns das vor Ort an und wenn es uns sinnvoll erscheint, schlagen wir ihm vor, ein Kleingewässer anzulegen“, berichtet Bardenhagen. „Ist der Besitzer einverstanden, sprechen wir dann mit der Unteren Wasserbehörde und der Unteren Naturschutzbehörde und organisieren auch Bagger und Arbeiter, die das Gewässer anlegen. Das Anlegen des Sees ist in einem Tag geschafft, die Behörden brauchen leider Wochen und Monate“, schüttelt der Naturliebhaber den Kopf. Das Geld von BINGO fließe in der Regel immer sehr zügig, „das ist wichtig, denn wir treten in Vorleistung.“ Im Kleingewässer, dass durch Regenwasser oder Grundwasser gefüllt wird, werden dann Fische, Frösche und Molche angesiedelt. Regelmäßige Pflege der Gewässer stellt sicher, dass die kleinen Teiche nicht wieder verlanden oder zuwachsen.

Gemeinsame Arbeit mit dem NABU

Ganz eng arbeitet die Jägerschaft bei all ihren Projekten mit dem NABU, dem Naturschutzbund Deutschland, zusammen.  „Wir sind ein anerkannter Naturschutzverband, wie übrigens alle Jägerschaften. Die Zusammenarbeit mit dem NABU beschränkt sich nicht nur aufs gegenseitige Beraten, sondern wir führen auch gemeinsam Projekte durch“, stellt Bardenhagen klar. Zum Beispiel beim Wiesenvogel-Schutzprojekt, das den seltenen Vogel und seine Nester schützen soll. Der NABU zäunt die Nester ein, damit der Landwirt sie nicht kaputt mäht. Das hält allerdings die Füchse und anderes Raubwild nicht ab. Also stellte die Jägerschaft Lebendfallen auf. „Gesetzlich vorgeschrieben ist es, die Fallen zwei Mal am Tag zu kontrollieren. Bei unserem großen Gebiet ist das jedoch nicht möglich“, erklärt Bardenhagen. Die Lösung: BINGO hat elektronische Fallenmelder finanziert, die über eine App eine Nachricht aufs Handy senden, sobald ein Tier in der Falle ist.

Drohnen für Rehkitze

Der Schutz von Rehkitzen und anderen Jungtieren, die – für den Landwirt auf seiner riesigen Erntemaschine kaum zu sehen – in den Feldern leben, steht beim Drohnen-Projekt im Fokus. Hier hat BINGO in den letzten Jahren zwei Drohnen bezahlt, mit denen die Jäger vor der Ernte die Felder überwachen und Jungtiere retten.

Aber auch bei der Landschaftspflege sind die Jäger aktiv, pflanzen Hecken, die Rebhühnern und Fasanen Schutz und Nahrung geben und legen Streuobstwiesen an („der Landkreis Rothenburg zahlt, wir Jäger pflanzen die Bäume ein“).

Nach jedem beendeten, von BINGO finanzierten Projekt kommt ein Lotterie-Mitarbeiter vorbei und begutachtet das Ergebnis. Ist die Umweltlotterie zufrieden, macht sie den Weg frei für das nächste Projekt. Es gibt also immer was zu tun. Und dank eines Schatzmeisters Bardenhagen ist auch immer genug Geld in der Kasse, um die vielen Ideen umzusetzen.

[Gastbeitrag von Inge Neudahm]

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