R+V-STIFTUNG fördert Känguruland

R+V-STIFTUNG fördert Känguruland
28. Aug 2019

von Niklas Brehm

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Mitten in Wiesbaden gibt es ein Känguruland. Allerdings mit Lamas und Eseln. Die Tiere tun Kindern mit besonderen Bedürfnissen gut. Die R+V-STIFTUNG fördert die Einrichtung mit Geldspenden.

Paula gibt der Eseldame Tess ein Leckerli. Nach dem zweiten sind dann auch die Berührungsängste verflogen - auf beiden Seiten.

Paula gibt der Eseldame Tess ein Leckerli. Nach dem zweiten sind dann auch die Berührungsängste verflogen – auf beiden Seiten.

Die kleine Paula* redet nicht. Nie. Kein einziges Mal in ihrem Leben hat sie etwas gesagt. Manchmal liegt die 14-Jährige einfach nur im Gras und starrt lange ins Leere. „Dann befindet sie sich in ihrer eigenen Welt“, erklärt Silke Morini, Geschäftsführerin der Gemeinnützigen Känguru Mobil GmbH. Paula ist mit einer Behinderung zur Welt gekommen. Sie wird niemals reden und immer in ihrer eigenen Welt bleiben.

Kommunikation ohne Worte

Doch wenn Tess auftaucht, wirkt das in sich gekehrte Mädchen wie ausgetauscht. Tess ist einer von zwei Eseln, die im Känguruland im Wiesbadener Stadtteil Erbenheim leben. „Die Tiere machen nicht viel, sie sind einfach nur da“, so Morini. Und mehr brauchen die Kinder, die das Känguruland besuchen, gar nicht.

Paula nähert sich dem Esel, greift nach dem Strick und bleibt erst einmal stehen. Aufmerksam mustert Paula das Tier, wartet seine Reaktion ab. Tess bleibt ganz ruhig, wartet selbst ab. Silke Morini steckt Paula ein Leckerli zu, das sie breit grinsend an den Esel verfüttert. Paula scheint mit dem Esel zu kommunizieren – auf ihre Weise.

Das Betreuerteam samt Kindern versammeln sich um die sanftmütigen Esel Tess (schwarz) und Speedy (grau). Täglich besuchen rund sieben Kinder das Känguruland.

Das Betreuerteam samt Kindern versammeln sich um die sanftmütigen Esel Tess (schwarz) und Speedy (grau). Täglich besuchen rund sieben Kinder das Känguruland.

Keine Kängurus im Känguruland

Das Känguruland ist ein Angebot des Familienentlastungsdiensts (FED) der Gemeinnützigen Känguru Mobil GmbH – benannt nach dem australischen Beuteltier, das seinen Nachwuchs sicher und geborgen im Bauchbeutel austrägt. Damit war auch der Name für das Känguruland geboren. Das Gelände ist etwa halb so groß wie ein Fußballfeld. Dort können Kinder mit besonderen Bedürfnissen toben, entspannen und bei Tieren sein. Sieben Kinder besuchen das Känguruland im Schnitt pro Tag.

Zulu und Saba, zwei Lamas für das Känguruland

Lamas sind von Natur aus sehr scheu. Dominik hat sich das Vertrauen von Zulu erarbeitet und kann sich sogar gemütlich auf ihren Rücken legen.

Lamas sind von Natur aus sehr scheu. Dominik hat sich das Vertrauen von Zulu erarbeitet und kann sich sogar gemütlich auf ihren Rücken legen.

„Dominik* lebt immer richtig auf, wenn er die Lamas und Esel streicheln und füttern kann“, sagt seine Mutter. „Es gibt nichts Vergleichbares in der Umgebung.“ Der 11-Jährige ist ein wahres Energiebündel. Er kann nicht still halten, beim Reden läuft er unruhig auf und ab, fuchtelt mit den Händen herum. Das ändert sich, als er sich den Lamas nähert. Neben den Eseln leben im Känguruland noch die beiden Lama-Damen Zulu und Saba. „Lamas sind Fluchttiere, die lassen sich nichts gefallen“, erklärt Morini. „Wenn jemand auf sie zurennt, gehen die einfach weg.“ Um sie streicheln zu können, müsse man sich ihnen langsam nähern. Dominik hat das längst begriffen. Der sonst so hibbelige Junge ist plötzlich die Ruhe selbst und legt sich gemütlich mit ausgestreckten Armen auf Sabas Rücken. Die Lama-Dame nimmt es gelassen hin.

Auf Spenden angewiesen

Anfassen strikt erlaubt! Auch Silke Morini, Geschäftsführerin der Känguru Mobil GmbH, nimmt sich gerne die Zeit, um mit den Tieren im Känguruland zu kuscheln.

Anfassen strikt erlaubt! Auch Silke Morini, Geschäftsführerin der Känguru Mobil GmbH, nimmt sich gerne die Zeit, um mit den Tieren im Känguruland zu kuscheln.

Doch Tierpflege ist personal- und kostenintensiv: „Jeden Tag – auch an Feiertagen und am Wochenende – muss jemand nach den Tieren schauen“, sagt Morini. Füttern, ausmisten, Wurmkuren, Milbenprophylaxe – irgendwas sei immer zu tun. Da sich das Känguruland ausschließlich über private Spenden finanziert, ist die Einrichtung auf weitere private Geldgeber angewiesen.

R+V-STIFTUNG will das Projekt auch weiterhin unterstützen

Das Projekt wird größtenteils von Ehrenamtlichen gestemmt. Die betreuen die Tiere und Kinder mit einer inspirierenden Hingabe. Da sich das Känguruland ausschließlich über private Spenden finanziert, ist die Einrichtung auf weitere private Geldgeber angewiesen. „Seit drei Jahren fördern wir diese kleine Oase über die jährliche Weihnachtsspendenaktion. Zu Weihnachten sammlen die Mitarbeiter der R+V regelmäßig Geld für wohltätige Zwecke. Hier vor Ort kann man deutlich sehen, dass jeder gespendete Euro gut eingesetzt ist.“, erklärt Ralph Glodek, Geschäftsführer der R+V STIFTUNG.

Känguru Mobil GmbH

Die Gemeinnützige Känguru GmbH aus Wiesbaden bietet unter anderem einen Familienentlastenden Dienst an. Mit dieser Hilfe will Känguru Familien mit einem behinderten Kind Zeit zum „Luftholen“ geben. Dazu organisiert die Initiative beispielsweise Freizeiten oder eine individuelle Betreuung. Das Känguruland ist eine dieser Maßnahmen. Darüber hinaus ermöglichen Inklusionshelfer von Känguru auch schwerstbehinderten Kindern den Besuch einer Kita.  Auf der Känguru-Website können Sie für das Projekt spenden.

*Die Namen wurden von der Redaktion geändert.

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R+V-STIFTUNG fördert Känguruland
Niklas Brehm

Volontär in der Konzern-Kommunikation; bloggt über Veranstaltungen, Projekte und das soziale Engagement der R+V.

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