Gesundheits-Check für Senioren-Führerschein?

Gesundheits-Check für Senioren-Führerschein?
13. Feb 2013

von Verena Reuber

6

Ein Auto muss regelmäßig durch den TÜV, doch was ist mit dem Autofahrer? Diese angebrachte Fragestellung hörte ich kürzlich im Radio. Und es stimmt: Warum gibt es in Deutschland eigentlich keinen regelmäßigen Gesundheits-Check für Senioren? 

Seit knapp einem Monat gibt es nun den befristeten Führerschein. Nach 15 Jahren muss die Fahrerlaubnis mit einem neuen Profilbild beantragt werden. Dadurch sollen stets die neusten Sicherheitsstandards eingehalten, eine höhere Wiedererkennung erlangt und letztendlich durch ein europaweit identisches Dokument der Führerscheintourismus eingedämmt werden. Keine Rede jedoch von einem Gesundheits-Check.

Harte Regeln in Europa, nicht in Deutschland

In vielen anderen europäischen Staaten ist solch eine Untersuchung bereits Pflicht: In den Niederlanden müssen Autofahrer ab 70 alle fünf Jahre zum Gesundheits-Check, die Schweden und Briten alle drei Jahre. In Spanien gelten noch härtere Regeln: Ab 45 müssen Autofahrer dort alle zehn Jahre einen Hör- und Sehtest absolvieren, ab 70 alle zwei. Und in Deutschland? Da wird mit 17 bzw. 18 Jahren auf Grundlage einer Momentaufnahme ein lebenslanger Führerschein vergeben.

Dabei ist es vollkommen normal, dass mit fortschreitendem Alter auch die Risiken steigen: Das Sehen und Hören wird schlechter, Reaktionsschnelligkeit und Beweglichkeit lassen nach. Für viele Ältere ist der Schulterblick, um den toten Winkel einsehen zu können, zu anstrengend und wird daher vernachlässigt. Viele Beeinträchtigungen stellen sich schleichend ein und werden daher meist verspätet wahrgenommen.

Junge Raser vs. erfahrene Senioren

In diesem Kontext wird oft das Argument der Gefährlichkeit der jungen und unerfahrenen Raser vorgebracht. Natürlich haben sich Senioren einen großen Erfahrungsschatz und Routine erfahren, die sie oft vernünftiger und so risikoärmer agieren lassen.

Dennoch spricht ein Blick in die Unfallstatistik eine andere Sprache. Laut Statistischem Bundesamt steigt die Zahl der von älteren Fahrern verursachten Unfälle von 2001 bis 2011 um beinahe 32 Prozent. Bei Unfällen mit Personenschaden tragen sie meistens die Hauptschuld: Im Alter zwischen 70 und 75 sind sie in 65 Prozent der Fälle die Unfallverursacher. Bei einem Alter von über 75 Jahren steigt der Anteil sogar auf über 76 Prozent.

Individuelle Angebote

Dabei gibt es viele Möglichkeiten, die ältere Fahrer ergreifen können, um dem entgegen zu wirken. Viele Fahrschulen bieten Auffrischungskurse oder auch Probefahrten an. Auf Grundlage dessen können die Fahrlehrer den Senioren Tipps für eine sichere Fahrt, aber auch eine Einschätzung über deren Fahrverhalten geben. Diese Bewertung durch einen Experten hat meistens mehr Gewicht als die der eigenen Kinder.

Einen richtigen Weg geht der Deutsche Verkehrssicherheitsrat mit seiner Aktion „Schulterblick – bewusst und sicher mobil“. Diese Kampagne zielt auf die Notwendigkeít freiweilliger Gesundheits-Checks ab und versucht durch Aufklärungsarbeit die Zahl derer zu erhöhen.

Mobilität wichtig für das soziale Leben

Laut einer forsa-Umfrage des Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) wären 82% der Senioren bereit, auf Ihren Führerschein zu verzichten, wenn sie nicht mehr sicher am Verkehr teilnehmen könnten. Jedoch spricht in der Praxis nur jeder zehnte Autofahrer seinen Arzt auf das Thema an.

Der Führerschein als Ticket zur Freiheit und Selbstbestimmung gilt nicht nur für Teenager! Auch Senioren erfahren durch ihn ein erhöhtes Maß an Flexibilität und Entscheidungsfreiheit. In ländlichen Gebieten kann die Teilnahme am sozialen Leben mitunter schwierig ohne Führerschein werden. Dass der Führerschein nur ungern freiwillig aufgegeben wird, ist somit nachvollziehbar.

Dennoch macht in meinen Augen eine erhöhte Aufmerksamkeit Sinn. Ab einem gewissen Alter sollten Mini-Gesundheits-Checks, die das Hör- und Sehvermögen, sowie die Beweglichkeit und Reaktionsschnelligkeit untersuchen und quantifizieren, zum Standard werden. Natürlich ist es falsch zu pauschalisieren und zu sagen: Ab 70 darf generell niemand mehr hinter das Steuer!

Aber in allen Bereichen setzen irgendwann Vorsorgeuntersuchungen ein; ab einem gewissen Alter gehören Darmspiegelungen und Mammografien zum alljährlichen Arztbesuch dazu.

Warum nicht auch ein Gesundheits-Check für die Fahrtüchtigkeit von Senioren?

Stimmen Sie mit mir überein und erachten eine regelmäßige Untersuchung ab einem gewissen Alter als sinnvoll und notwendig? Oder bewerten Sie das Thema anders?

Schlagworte
empfehlen
empfehlen
Das könnte Sie auch interessieren
Autor
Gesundheits-Check für Senioren-Führerschein?
Verena Reuber

Social Media Managerin bei der R+V24; bloggt hauptsächlich über Autos, Fragestellungen aus der Versicherung und sämtliche Facetten der Mobilität.

Alle Artikel des Autors
Kommentare

Monika Hochscheid

12:48 13.02.2013

Hallo,
wenn dann sollte man diese Gesundheitschecks für alle Fahrer obligatorisch machen. Auch jüngere Menschen verlieren Ihre Seh- oder Hörfähigkeit im Laufe der Jahre.
Stress im Beruf ist ebenso ein hoher Faktor.
Ich fände es klasse, wenn wir mehr auf uns selber hören und uns eingestehen, wann es Zeit ist sich lieber fahren zu lassen oder Seh- und Hörhilfen in Anspruch zu nehmen.
Und ich fände es toll, wenn wir in den Familien mehr auf einander achten und mit Gesprächen (und aktiven Fahrangeboten) unsere Senioren dahingehend unterstützen, auf das geliebte Auto zu verzichten. Und am Alltagsleben weiterhin aktiv teilnehmen zu können.
VG Monika Hochscheid

Monika Hochscheid

Gesundheits-Check für Senioren-Führerschein? Verena Reuber

14:05 13.02.2013

Hallo Monika,
da hast Du Recht. Vieles kann und sollte man auch bereits im privaten Umfeld ansprechen und so regeln. Einen obligatorischen Test für alle finde ich auch nicht schlecht – der würde die Aufmerksamkeit und Sensibilisierung für das Thema deutlich steigern!
Viele Grüße,
Verena

Vigi’Fall ruft Hilfe bei Sturz » Land der Erfinder - Das Blogzine über Erfindungen, Ideen und Innovationen aus Österreich / http://www.land-der-erfinder.at/?p=17011

10:10 24.06.2013

[…] leisten zu können, bereitet vielen Betroffenen wie auch Angehörigen große Kopfzerbrechen. Viele Senioren ziehen es solange es möglich ist auch – verständlicherweise – vor, sich eine gewisse […]

Theodor Gutzeit.

20:57 14.01.2014

Hallo
Ihre Zahlen sind falsch welche Sie veröffentlichen
tatsächlich sollten Sie die ADAC Zahlen ansehen.
Ich bin jetzt entäuscht über die RV-Versicherung
bei welcher ich ebenfalls versichert bin.
Sie verwenden offensichtlich absolute Zahlen,ohne die
große Häufigkeit der älteren Versicherten zu berücksichtigen gegen die Altersgruppe bis 25 und weiter
bis 35
mfg 66 Jahre alt und ca. 1 Million km gefahren

.

    Gesundheits-Check für Senioren-Führerschein? Verena Reuber

    07:53 15.01.2014

    Guten Morgen Herr Gutzeit,
    inwiefern sind die Zahlen falsch? Der Artikel ist nun schon beinahe ein Jahr alt. Als ich damals beim Verfassen des Artikels nach Daten recherchiert habe, habe ich den Bericht des Statistischen Bundesamtes gefunden – eine wie ich finde verlässliche Quelle.
    Aus dem Artikel geht außerdem klar hervor, dass ich nicht pauschalisieren und alle Fahrer ab einem gewissen Alter von den Straßen verbannen möchte!
    Dem Artikel liegt ein Diskussionsaufruf zu Grunde. Daher freue ich mich sehr, dass Sie kommentieren und den Bericht des ADAC (den ich mittlerweile gefunden haben; erschienen 2013, daher vermutlich nach diesem Artikel) mit dem Aspekt des demografischen Wandels und der daraus resultierenden Verschiebung mit reinbringen.
    Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes können anders interpretiert werden, falsch sind sie dadurch aber nicht.
    Daher verstehe ich Ihre Enttäuschung nicht.
    Mit freundlichen Grüßen,
    Verena Reuber

Theodor Gutzeit.

16:41 16.01.2014

Guten Tag Frau Reuber
Ich habe nach wie vor die klare Meinung das die Zahlen
und die Meinung des ADAC in Ordnung sind.
Wenn man,nur einfach durchzählt kommt man zu falschen Ergebnissen bzw.falschen Schlüssen.
Wenn man das durchsetzen will muss man generelle
Gesundheitchecks für alle (also jede Altersgruppe )
verlangen.
Andernfalls wäre es eine einseitige Diskriminierung der
Senioren. mfg T. Gutzeit

s
Senioren.
einseitige

Berger

08:51 20.11.2014

Es ist sicher notwendig bei allen Führerscheininhabern Regelmäßige Kontrollen der Gesundheit und der Fahrtauglichkeit durchzuführen. Muss man aber nicht auch den Menschen die Radikal in der Öffentlichkeit auftreten diese Untersuchung auferlegen? Tausende die an den Wochenenden bei Fußballspielen Randalieren Polizisten angreifen fahren auch Auto.
Eine Fahrstunde mit ausgesuchten Fahrlehrern ab den 75 Lebensjahren finde ich aber sehr gut.