Schlaganfall: Interview mit unserem Betriebsarzt

Schlaganfall: Interview mit unserem Betriebsarzt
8. Feb 2018

von Lena Neumann

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Kann ich als Laie einen Schlaganfall erkennen, was ist im Notfall zu tun und wie lässt er sich vielleicht sogar vermeiden? Dazu wollte ich mehr wissen und habe mit unserem Betriebsarzt Dr. Christoph Schreiber, Facharzt für Allgemein- und Arbeitsmedizin, gesprochen.

Woran lässt sich ein Schlaganfall erkennen?

Schreiber: Ein Schlaganfall ist ein durchblutungsbedingter Ausfall im Gehirn. Dort kann er überall auftreten und deshalb ergibt sich ein buntes Bild: Oft treten bei Betroffenen Lähmungserscheinungen von Körperteilen auf, typischerweise, wenn auch nicht immer, geschieht dies einseitig.

Auch Wortfindungsstörungen gibt es öfter. Viele Patienten stellen auch Schluckbeschwerden und eine schlechtere Wahrnehmung fest. Auch Schwindel und Sehstörungen können auftreten, da die Nerven betroffen sind. Häufig nehmen Betroffene selbst keine Veränderung wahr, sondern Angehörige oder Beobachter.

Knapp gesagt: Jede plötzlich auftretende Funktionsstörung kann auf einen Schlaganfall hindeuten.

Was passiert beim Schlaganfall?

Schreiber: Sie können sich das ein bisschen vorstellen wie eine Blume, die man bei großer Hitze nicht gießt: Die Durchblutung im Gehirn ist plötzlich gestört und sensibles Gewebe stirbt dann ab. Auch eine Einblutung als Ursache ist möglich, deshalb ist es ganz wichtig, bei Schlaganfallverdacht schnell zu handeln. Durch eine Reha im Anschluss an die Akutbehandlung können zwar manche Teile des Gehirn Funktionen von anderen Teilen übernehmen, das ist aber nicht in jedem Bereich möglich.

Mit Zahlen werden die Konsequenzen noch deutlicher: 25 % der Betroffenen sterben am Schlaganfall, weitere 25 % werden pflegebedürftig und bei noch einmal 25 % bleiben anschließend merkliche Einschränkungen zurück.

Was muss ich tun, wenn ich den Verdacht auf Schlaganfall habe?

Schreiber: Ein Schlaganfall ist auf jeden Fall ein Notfall und potentiell lebensbedrohlich. Deshalb wählen Sie bei Verdacht direkt den Notruf 112 und rufen Sie professionelle Hilfe. Am besten sagen Sie sofort, dass es um einen Schlaganfall geht, dann wird schnell Hilfe geschickt.

Danach ist es wichtig, den Patienten zu beruhigen und bei ihm zu bleiben. Sollte er bewusstlos werden, bringen Sie ihn in die stabile Seitenlage. Wenn Sie den Betroffenen gut kennen, können Sie den Rettungskräften auch Informationen zu Vorerkrankungen und Medikamenten mitgeben, das ist immer sinnvoll.

Lässt sich ein Schlaganfall verhindern?

Schreiber: Ganz verhindern lässt sich der Schlaganfall nicht, aber Sie können ihm auf jeden Fall wirkungsvoll entgegenwirken.

Herzinfarkt und Schlaganfall haben Ursachen, die zu 90 Prozent auf Gefäßverkalkungen zurückzuführen sind. Diese Erkrankungen haben in den letzten 100 Jahren zugenommen, sie werden vor allem durch Folgen des zunehmenden Bewegungsmangels begünstigt. Der menschliche Körper ist darauf ausgelegt, 20-30 km am Tag zurückzulegen. Wenn das nicht passiert, laufen unsere Stoffwechselprozesse nicht gut.

Also sollten wir mehr Sport machen?

Schreiber: Ja, Sport kann auch sinnvoll sei, ich meine aber vor allem Alltagsbewegungen: Stehen Sie also öfter mal vom Schreibtisch auf, gehen Sie mehr zu Fuß. Wer mit Bus oder Bahn anreist, könnte eine Station früher ein- oder aussteigen. Jeder Gang und jede Stufe, die Sie nehmen, ist wichtig und hält gesund. Bewegung ist für uns so wichtig wie Luft zum Atmen oder Essen und Trinken.

Gibt es noch weitere Tipps?

Schreiber: Ich würde auch empfehlen, dass Sie zu Check ups und Früherkennung von Risikofaktoren zu Ihrem Hausarzt gehen. Viele Betriebe bieten solche Messungen auch im Unternehmen an, bei R+V wird es die Möglichkeit z. B. im Rahmen der Herz-Kreislauf-Tage geben. Je frühzeitiger Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Zuckerkrankheit festgestellt werden, umso besser lassen Sie sich behandeln.

Herr Dr. Schreiber, vielen Dank für das Gespräch!

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Autor
Schlaganfall: Interview mit unserem Betriebsarzt
Lena Neumann

Social Media Manager; bloggt über Neuigkeiten aus dem Unternehmen, der Versicherungswelt und über das Engagement bei Joblinge.

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Renate Faller

19:09 25.02.2018

Unter der Frage, gibt es noch weitere Tipps, vermisse ich den Tipp zur gesunden Ernährung.
Aus meiner Sicht ist gesunde Ernährung das A+O, einem Schlaganfall vor zu beugen. Das funktioniert aber nur, wenn die gesunde Ernährung schon sehr früh einsetzt. Am besten schon in Kindertagen. Im Laufe der Jahre, Jahrzente, werden sich doch, so weit ich informiert bin, bei schlechter Ernährung die Cholesterin als auch die Fettwerte im Blut erhöhen, was einem arteriellen Verschluss, sprich Schlaganfall und Herzinfarkt doch nur Vorschub leistet.

    Schlaganfall: Interview mit unserem Betriebsarzt Suitbert Monz

    11:13 27.02.2018

    Hallo Frau Faller,
    vielen Dank für die Ergänzung!
    Viele Grüße, Suitbert Monz