Sicherheit im Internet: Gefahren von Cybermobbing

Sicherheit im Internet: Gefahren von Cybermobbing
24. Jun 2014

von Karin Clemens

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Der Begriff Mobbing kommt aus dem Englischen (to mob – belästigen, anpöbeln) und bezeichnet einen Prozess, bei dem eine Person über einen längeren Zeitraum schikaniert, gequält und seelisch verletzt wird. Mobbinghandlungen können sehr unterschiedlich sein: Schlagen, Erpressen, Ausgrenzen, Gerüchte in die Welt setzen, Bedrohen etc. Eine Gefahrenquelle kann auch das Internet sein.

Mobbing kann überall da vorkommen, wo Menschen zusammen sind zum Beispiel in Schule, Arbeitsplatz, Sportverein, Freundesclique usw. Doch was früher auf dem Schulhof geschah, kann sich heute „vor aller Welt“ abspielen, wenn die Möglichkeiten von Internet und Smartphones dafür missbraucht werden; Cyber-Mobbing genannt.

Wo findet Cyber-Mobbing statt?

Die riesige „Reichweite“ der destruktiven Handlungen und gleichzeitig die Möglichkeit, als Täter anonym bleiben zu können, macht die modernen Kommunikationsformen besonders anfällig für Mobbing: Entwürdigende Videos auf YouTube, beleidigende Kommentare auf Facebook, Tag und Nacht-Terror über das Handy etc. Die Aggression verändert sich mit den Medienmöglichkeiten, aber eines bleibt gleich: Die Opfer fühlen sich hilflos, verletzt, gedemütigt und nicht selten schwer verzweifelt. Wir reden hier nicht von Einzelschicksalen: Nach Umfragen berichten ca. ein Drittel der Jugendlichen und jungen Erwachsenen, dass sie schon einmal Opfer von Cybermobbing geworden sind.  Aber auch Erwachsene, Firmen, Lehrpersonal und öffentliche Personen können Opfer von Cybermobbing werden.

Nicht nur die Opfer werden mehr, offenbar müssen es auch die Täter werden und hier werden beunruhigende Zahlen berichtet, bei denen fast 40 % der Schüler angaben, bereits einmal als Mobbingtäter im Internet aktiv geworden zu sein, Jungen und Mädchen in gleichen Anteilen.

Niedrigere Hemmschwelle im Internet

Hacker!Wenn die Auseinandersetzungen nicht mehr face-to-face stattfinden, dann senkt sich die Hemmschwelle, über das Internet eine Person zu beschimpfen, zu kränken, zu bedrohen. Oder wie berichtete mir ein Jugendlicher nach einer handfesten Prügelei: „Selbst in Notwehr konnte ich ihm (den Täter) nicht ins Gesicht schlagen“. Wie einfach ist es dann, wenn über die Online-Distanz eine direkte Auseinandersetzung und auch eine direkte Rückmeldung über das eigene Verhalten vermieden wird und auch das Ausmaß der Verletzung bei dem Opfer nicht so deutlich „ersichtlich“ ist.

In der Tätergruppe ist ein nicht unerheblicher Anteil von Personen darunter, der selber vorher Mobbingopfer geworden ist und jetzt in Umkehr „Rache“ nehmen möchte bzw. sich als Mobber sozusagen davor „schützt“, erneut in die Opferrolle zu gelangen.

Wer ist Opfer von Cybermobbing?

Grundsätzlich kann jeder Opfer von Cybermobbing werden. Manchmal sind ungelöste Konflikte im Vorfeld die Auslöser für Mobbingprozesse, wobei dann der Sachkonflikt in den Hintergrund gerät und Tyrannisieren und Bloßstellung des Opfers bzw. die Machtposition des Täters vorrangig wird. Manchmal werden Menschen mit besonderen „Angriffsflächen“ (Aussehen, Herkunft, Talente etc.) gemobbt, ob virtuell oder in realen Umfeldern. Häufig sind aber Täter und Opfer miteinander bekannt und kennen daher die verletzlichen Punkte!

Das Durchleben von Beschämung, Bedrohung und Ausgrenzung kann weit reichende Folgen haben, wenn das Selbstwertgefühl lang anhaltend und tiefgreifend beschädigt wird. Je jünger das Opfer, je länger – unerkannt – der Mobbingprozess, umso schwerwiegender sind die psychosozialen Folgen – einzelne Suizidfälle aufgrund von Cybermobbing sind bereits bekannt geworden.

Hilfe für Mobbing-Opfer

Aus Angst und Scham holen sich Mobbingopfer häufig keine Hilfe, sondern harren aus und hoffen, dass jemand hilft. Aber der erste Schritt aus der Mobbingsituation ist, sich aktiv Hilfe zu suchen! Sprechen Sie eine Vertrauensperson an, suchen Sie eine Beratungsmöglichkeit (im Internet finden sich diverse Möglichkeiten), schalten Sie  ggf. auch Polizei oder einen Rechtsanwalt ein. Mobbing ist in Deutschland zwar kein Straftatbestand, aber einzelne Mobbinghandlungen sind strafbar und können angezeigt werden

Rolle der Zuschauer

Cybermobbing wird erst dann richtig verletzend, wenn es Zuschauer gibt, die vermeintlich unbeteiligt miterleben, wie ein Opfer gedemütigt, beleidigt oder bedroht wird oder womöglich den Täter noch bestätigen. Während letzteres nicht zu entschuldigen ist, muss aber auch die Passivität von Zuschauern zum Thema gemacht werden. Aus welchen Gründen diese passive Haltung auch eingegangen wird (zum Beispiel Angst, selber Opfer zu werden), Zuschauer, die sich aktiv gegen ein Mobbingverhalten einsetzen, tragen einen wichtigen Teil zur Lösung des Problems bei.

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Sicherheit im Internet: Gefahren von Cybermobbing
Karin Clemens

Dipl.-Psych., Geschäftsführerin von HumanProtect Consulting (HPC), ein Tochterunternehmen der R+V, das Dienstleistungen rund um die psychische Gesundheit anbietet.

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