Staatliches Tierwohl-Label für mehr Transparenz

Staatliches Tierwohl-Label für mehr Transparenz
14. Feb 2019

von Dr. Markus Berneiser

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Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat soeben das staatliche Tierwohllabel vorgestellt. Es startet zunächst für Schweine, hat drei qualitative Stufen und reicht von der Geburt bis zur Schlachtung. Für die Einstufung gibt es einen umfangreichen Kriterienkatalog – Kernpunkte sind unter anderem ein höheres Platzangebot und Beschäftigungsmöglichkeiten für die Tiere sowie der Wegfall der betäubungslosen Ferkelkastration.

Damit folgt die Initiative dem Wunsch der Bevölkerung. Denn Deutschlands Verbraucher wollen nicht nur gut und lecker essen, sie wollen auch darüber informiert sein, was sie in ihrem Einkaufswagen an die Kasse schieben. Dazu dient die gesetzlich vorgeschriebene Kennzeichnung von Inhalts- und Zusatzstoffen, Nährwertangaben und das Mindesthaltbarkeitsdatum. Daneben haben Menschen ein hohes Interesse an Informationen, die freiwillig auf die Verpackungen gedruckt werden. Bei Produkten tierischen Ursprungs sind den Verbrauchern insbesondere die Haltungsbedingungen der Tiere wichtig. Dies geht aus dem Ernährungsreport 2019 des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hervor.

Das neue Tierwohl-Label befindet sich derzeit noch im Gesetzgebungsverfahren – mit der ‚Konsumreife‘ wird für 2020 gerechnet. Das Label hat mehrere Zielsetzungen: Es soll das Tierwohl in den Ställen verbessern, dem Verbraucher mehr Transparenz gewährleisten und den Landwirten neue Vermarktungsmöglichkeiten bieten.

Mehr Qualität hat seinen Preis

Die Mehrkosten in der Erzeugung beziffert das BMEL auf 10 bis 12 Euro pro Schwein. Finanziert werden soll der Aufschlag über höhere Preise an der Ladentheke. Zusätzlich  ist eine staatliche Förderung vorgesehen. Wie die Verbraucher auf die Preissteigerung für Label-Produkte reagieren werden, lässt sich schwer abschätzen. Denn aus Umfragen geht regelmäßig der Wunsch nach besseren Haltungsbedingungen für die Tiere hervor – und dann geht der Griff doch meist zu günstigem, unter Einhaltung von Mindeststandards produziertem Fleisch.

Kritikpunkte am neuen Tierwohl-Label

Hauptkritikpunkt am neuen Label ist die Freiwilligkeit der Initiative, die nach Einschätzung der Ministerin und anderer Experten zu einer Teilnahmequote von rund 20% bis 30% führen wird. Bemängelt wird zudem, dass das Tierwohl-Kennzeichen zunächst auf die Schweinehaltung beschränkt ist, so dass das Label nur einem Bruchteil der Tiere bessere Haltungsbedingungen bescheren wird. Deshalb wird von verschiedenen Seiten eine verbindliche Regelung auf europäischer Ebene präferiert.

Tierschutz- und Bioorganisationen, den GRÜNEN und Verbraucherschützern geht das Konzept auch inhaltlich nicht weit genug. Dies gelte vor allem für die erste Stufe, in der die Unterschiede zum Mindeststandard so gering seien, dass nicht von einer wesentlichen Verbesserung des Tierwohls gesprochen werden könne.

Einzelne Kritiker sehen ein finanzielles Risiko bei den teilnehmenden Schweinehaltern, die letztendlich darauf angewiesen sind, dass die Konsumenten ihren Tierwohl-Mehraufwand an der Ladenkasse honorieren.

Auch für den Verbraucher wird das Label mit seinen drei Stufen und der Vielzahl an Kriterien als zu komplex angesehen. Getreu dem Motto, weniger ist manchmal mehr, wäre eine Systematik wie bei der Eierkennzeichnung sinnvoller gewesen.

Alternative Labels der Verbände und des Lebensmittelhandels

Der Griff in das Regal und die Bestellung an der Fleischtheke stellt selbst für den ambitionierten Kunden eine Herausforderung dar. Denn nicht nur das staatliche Tierwohl-Label geht ab 2020 an den Start – die deutschen Bioverbände Bioland, Demeter und Naturland, das EU-Biosiegel, „Für mehr Tierschutz“ und die Discounter Lidl, Kaufland, Penny und Aldi Nord und Süd haben ihre eigenen Labels und setzen sie aktiv zu Werbezwecken ein. Weil die Vielfalt der unterschiedlichen Kennzeichnungen so groß ist, erschweren sie den Kunden die qualitative Beurteilung und Differenzierung. Aus Verbrauchersicht ist deshalb eine einheitliche und übergreifende Klassifizierung wünschenswert – die letztendlich auch den Tieren und der Landwirtschaft zugutekommt.

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