Starke Frauen in der Landwirtschaft – Interview Teil 2

Starke Frauen in der Landwirtschaft – Interview Teil 2
28. Jul 2015

von Dr. Markus Berneiser

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Petra Both-Schulz stammt aus einem landwirtschaftlichen Betrieb. Heute leitet sie gemeinsam mit ihrem Mann selbst einen Betrieb mit Milchviehhaltung, Ackerbau und Biogasanlage. In der letzten Woche hat uns die Landwirtin bereits berichtet, wie sie zu ihrem Beruf gekommen ist.

Heute erzählt sie uns, wie sie es schafft, Beruf und Familie zu vereinbaren und welche Tipps sie Einsteigern mit auf den Weg geben würde.

Hatten bzw. haben Sie es als Frau schwerer als ihre männlichen Berufskollegen?

Erstes Problem damals: Finde als Mädchen einen Ausbildungsbetrieb in der Landwirtschaft. Nächstes Problem: Du bist immer noch stets in der Minderheit und musst dir Respekt erarbeiten. Wenn du den aber hast, dann ist alles relativ einfach.

Es passiert aber auch heute noch, dass beispielsweise bei Baubesprechungen oder Ähnlichem überwiegend mit meinem Mann gesprochen und verhandelt wird und ich sitze dann wie „Puttchen Brammel“ daneben und werde kaum registriert. Solche Situationen nerven mich und ich sage das dann auch. Bestimmte Vertreter brauchen dann nicht ein zweites Mal wieder zu kommen.

Welche Hindernisse gab es für Sie zu überwinden?

Ernst genommen zu werden mit dem, was man will, kann, sagt oder meint. Das war und ist die größte Barriere. Sich zwingen müssen, sachlich konstruktive Gespräche mit allen Mitarbeitern zu führen, auch wenn einem öfter die Hutschnur hochgehen will. Diese Eigenschaft wird leider auch nicht in der Ausbildung vermittelt.

Noch eine Barriere war die Tatsache, ohne Wohnung, Kontakte und kaum Geld gegen den Willen der Eltern noch ein Studium in Osnabrück dranzuhängen und gleich noch im ersten Semester einen Kreuzbandriss zu bekommen. Ging aber alles – man muss nur wollen.

Wo machen es sich Frauen in leitenden Positionen Ihrer Ansicht nach selbst schwer?

Das ewig schlechte Gewissen der Frau ist wohl genetisch so angelegt. Mache ich allen alles recht? Dieser hohe Anspruch an Perfektion ist meiner Meinung nach, gerade wenn auch neben dem Beruf auch Kinder da sind, der größte Hemmschuh für Frauen in leitenden Positionen. Männer haben das erkannt und häufig fehlen eben genau diese Bedingungen für Kinderbetreuung, um einen lukrativen Job anzunehmen.

Wie schaffen Sie es, Beruf, Familie und Ihre Ehrenämter zu vereinbaren?

Die Kinder sind groß und schon früh zur Selbstständigkeit erzogen, außerdem war ich nie ne Gluckenmutter, die ständig hinterher rennt. Ehrenämter finden meist abends statt, Mama ist dann halt nicht da.

Auf dem Dorf ist ein ausgeprägtes Vereinsleben wichtig, also geht man da hin. Macht doch auch Spaß, nicht nur über „Bauernkram“ zu reden, sondern auch mal was völlig anderes. Mein Zeitmanagement ist ziemlich chaotisch, also komme ich meist zu spät und sehe dann aus wie ne Karre Mist. Ist aber nicht schlimm, nobody´s perfect. Um zu regenerieren, ist mir die mittägliche Pause heilig und wer dann stört, wird dermaßen „konfirmiert“, dass es kein zweites Mal passiert. 😉

Was würden Sie Frauen raten, die sich in eine leitende Position entwickeln möchten?

Genau zu wissen, was „frau“ will, immer einen Plan B in der Tasche, genügend Selbstbewusstsein (notfalls professionelle Hilfe in Anspruch nehmen zur Entwicklung desselben), Selbstsicherheit erlernen, große Klappe, über sich selbst lachen können, Netzwerke bauen, freundliches aber bestimmtes Auftreten, wachsam für Angriffe von hinten, trinkfest, neugierig, wissbegierig, aufgeschlossen, direkt, diplomatisch, ausdauernd und immer einen schmutzigen Witz in der Hinterhand. 🙂

Vielen Dank für das Gespräch!

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