Telematik: Aktuell geringe Akzeptanz für „Pay-as-you-drive“-Tarife

Telematik: Aktuell geringe Akzeptanz für „Pay-as-you-drive“-Tarife
14. Jan 2015

von Monika Hochscheid

0

Die Idee klingt verlockend: Sie fahren vernünftig und umsichtig und dafür sinkt Ihre Versicherungsprämie. Doch wie stellen Versicherungen fest, ob jemand vorsichtig fährt? Die Technik dazu heißt „Pay-as-you-drive“, frei übersetzt also: „Zahle, wie du fährst“.

Was ist Pay-as-you-drive?

Unter dem Begriff Pay-as-you-drive (PAYD) werden Kfz-Versicherungstarife zusammengefasst, bei denen die Prämienhöhe entsprechend der mit Telematik-Systemen erfassten Fahrzeugnutzung angepasst wird. Dabei können verschiedene Merkmale berücksichtigt werden, beispielsweise die Anzahl der gefahrenen Kilometer. Es lassen sich aber auch Aussagen über die Fahrweise ableiten, in dem zum Beispiel die Einhaltung von Geschwindigkeitsbegrenzungen, die Anzahl starker Brems- und Beschleunigungsmanöver oder das Fahrverhalten in Kurven berücksichtigt werden.

Vorteil von Pay-as-you-drive: Geringere Versicherungsprämie für risikobewusste Fahrer

Gegenüber der klassischen Tarifierung bietet PAYD den Vorteil, dass die Versicherungsprämie individuell an Hand der Fahrweise berechnet wird. Diese wirkt sich kurzfristig und unmittelbar auf die Versicherungsprämie aus – Autofahrer mit sicherer Fahrweise bekommen also günstigere Konditionen. Das Vorgehen bietet Autofahrern somit Anreize für regelkonformes Fahrverhalten. Dies steigert wiederum die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer.

Zudem kann die Sicherheit mithilfe der neuen technischen Komponenten an Bord der Fahrzeuge zusätzlich verbessert werden. So ermöglicht beispielsweise das neue eCall-System, dass ein Auto nach einem Unfall selbst einen Notruf absetzen und den genauen Unfallort direkt an die Rettungsleitstelle senden kann. Durch die unmittelbare Übermittlung der Unfallinformation wird die Reaktionszeit der Rettungskräfte deutlich verkürzt und damit die Chancen auf eine Rettung der Verletzten drastisch gesteigert.

Geringe Akzeptanz bei Versicherungskunden

Eine Studie der R+V ergab, dass nur 35 Prozent der rund 1.500 Studienteilnehmer einen solchen Tarif abschließen wollten – obwohl mehr als 60 Prozent davon ausgingen, dass ihre Prämie günstiger ausfallen würde. Zudem besteht nur für wenige Fahrdaten die Bereitschaft zur Weitergabe an Dritte. Die Akzeptanz bei den Versicherungsnehmern lässt sich also als recht gering beschreiben.

Auch R+V sieht aktuelle PAYD-Tarifmodelle kritisch

In der erwähnten Studie legten die Fahrzeuge der Teilnehmer in den 12 Monaten der Pilotphase insgesamt mehr als 25 Millionen Kilometer zurück und sammelten so umfangreiches Datenmaterial. Die Analyse der Daten zeigte, dass Fahrzeuge mit einem vermeintlich gleichen Risiko durchaus erheblich abweichende Fahrprofile haben können, die heutige Tarifsysteme so nicht erfassen. Merkmale wie ‚Straßentyp‘, ‚Region‘ oder ‚Streckenlänge‘ würden also durchaus helfen, das individuelle Risiko besser einschätzen und damit vielen Versicherungskunden angepasste Konditionen anbieten zu können.

In Hinblick auf die Erfassung, Bewertung und Interpretation einzelner Fahrmanöver gibt es bei aktuellen Systemen jedoch Probleme. Ein Beispiel: Kommt der Wagen auf trockener Straße nach wenigen Metern zum Stehen, ist dies sicher weniger riskant als eine Vollbremsung bei Regen, welche das System aber wegen des längeren Bremsweges gar nicht als solche erkennt. Mit der vorliegenden Technik ist eine passgenaue Risikobemessung somit nicht möglich. In den bisher angebotenen PAYD-Tarifmodellen werden diese gravierenden Probleme oftmals toleriert oder nicht offen dargelegt.

Vorerst kein „Pay-as-you-drive“-Tarif bei R+V

PAYD Modelle bieten gegenüber der klassischen Tarifierung den Vorteil einer individuellen Risikobewertung und sind damit tendenziell gerechter. Sie fördern außerdem eine sichere Fahrweise. Jedoch stehen viele Versicherungskunden PAYD kritisch gegenüber. Auch die R+V betrachtet die aktuelle Technik als nicht ausgereift genug. Unsere Studie kommt zu dem Schluss, dass künftige Systeme eine bessere Sensorik benötigen, um Kunden wirklich faire Tarife anbieten zu können. Zudem muss bei der Entwicklung solcher Systeme dem Schutz der Kundendaten besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Gastbeitrag von Dirk Scheim, Abteilung Kraftfahrt-Betrieb der R+V Versicherung

Schlagworte
empfehlen
empfehlen
Das könnte Sie auch interessieren
Autor
Telematik: Aktuell geringe Akzeptanz für „Pay-as-you-drive“-Tarife
Monika Hochscheid

Abteilung Kraftfahrt-Betrieb, Gruppe Qualitäts-, Prozess-, Projektmanagement; bloggt über spezifische Fragestellungen zur Kfz-Versicherung

Alle Artikel des Autors
Kommentare

Mobilität der Zukunft - Karlsruher Versicherungstag 2016 - R+V BlogR+V Blog / http://www.ruv-blog.de/mobilitaet-der-zukunft-karlsruher-versicherungstag-2016/

10:23 02.06.2016

[…] wird sich diesen neuen Herausforderungen stellen müssen. Bereits heute reagiert die Versicherungswirtschaft mit neuen Tarif-Angeboten, z.B. „Pay as / how you […]